Impressionen vom Mácha-See in Nordböhmen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heute im Osten - Die Reportage | 25.07.2015 | 18:00 Uhr Mein Strand - Badespaß in Böhmen

Der Mácha-See bei Doksy kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze hat viele Gesichter - seine Strände sind laut und lebendig, aber auch einsam und ruhig. Die günstigen Preise, die Landschaft und die vielen Freizeitangebote locken auch viele Deutsche an.

Impressionen vom Mácha-See in Nordböhmen.
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Der Mácha-See ist eigentlich ein Fischteich, angelegt von Kaiser Karl IV. Weil die Tschechen kein Meer haben, ist dieser See für viele die östlichste Filiale des Mittelmeers. Er liegt in Nordböhmen nahe Česká Lípa (Böhmisch Leipa). Und weil er so grenznah liegt – liegen hier Deutsche und Tschechen am Strand nebeneinander.

Entspannt Urlaub machen, das hat Tradition in Doksy. Schon in den 1970er-Jahren war es ein Mekka für Tausende ostdeutsche Urlauber. Und was damals gut war, kann heute doch nicht schlecht sein … Wer sich den Flug auf Mallorca sparen will, findet den Ballermann auch kurz hinter der deutsch–tschechischen Grenze. Die Diskothek "Bílý Kámen" kennt keine Sperrstunde. Hier wird bis in den Morgen getanzt.

Von einem Burgherren und wilden Eiskreationen

Auf der anderen Seite des Sees in Stare Splavy geht es ruhiger zu. Dort genießen die etwas Älteren und Familien mit kleinen Kindern den Sommer am Mácha-See. Inzwischen gibt es hier aber auch einen Yachthafen.

Urlauber am Strand. 2 min
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In die kleinen böhmischen Dörfer rund um Doksy verirren sich kaum Touristen. Von den dort aus sieht man die Burg Starý Berštejn (zu deutsch Berkenstein). Miloš Novák hat sich den dort den Traum von einer eigenen Burg erfüllt: "Zum ersten Mal war ich  am 7. Oktober 1971 hier. Und vom ersten Augenblick an, als ich zur Burg hochsah, hatte ich das Gefühl, dass ich diese Ruine will." Seit über 40 Jahren schleppt sich Burgherr Novák nun den Buckel krumm. Alles muss er von Hand hoch zu seiner Burg tragen. Eine Straße gibt es nicht. Besuchern, die sich anmelden, zeigt er auch gern das Innenleben seiner Burg, das aus nur einem Zimmer besteht, aber das reicht ihm, um hier seine Freizeit und auch die Nächte zu verbringen. Er zeigt Fotos, wie er die völlig verfallene Burg vorgefunden hat, und wie er sie Jahr für Jahr wieder auf Vordermann brachte. Was an historischem Ambiente fehlte, hat er sich einfach selbst gebaut:

Von ganz oben sieht Miloš Novák natürlich auch den Mácha-See. Und manchmal, so erzählt er seinen Besuchern, ist bis oben das Brummen der Bässe von den Diskotheken am See zu hören. Aber ansonsten hat er hier natürlich die absolute Ruhe.

Einige Dörfer weiter gibt es einen Ort, der an einem See nicht fehlen darf: die Eisdiele. In Stráž pod Ralskem (Wartenberg am Rollberg) stehen die Leute dort schon am Vormittag Schlange. Die Eisdiele gehört dem Deutschen Karl Valentin Schwarzkopf, der durch seine Liebe zum Eis seine Liebe zu einer Tschechin und damit zu Tschechien fand. Die beiden basteln an ganz besonderen Eiskreationen. Alles, was verrührt werden kann, wird zu Eis verarbeitet werden. 110 Sorten bietet Schwarzkopf seiner Kundschaft an, täglich lässt sich hier etwas Neues probieren: Lachseis, Gulascheis, Spinateis – es verkauft sich alles.

Landschaft, die jeden verzaubert

Wer sich in den tiefen Wäldern rund um den Mácha-See verirrt, könnte auf einem alten Militärflughafen landen. Skater und Fahrradfahrer haben sich ihn erobert und am Abend gibt es hier illegale Auto- und Motorrad-Rennen. Das Gelände ist gesperrt, früher lagerten hier Atomwaffen. "Während des Krieges", so erzählt Hobbypilot Vaclav Chval, "waren hier die Deutschen, später dann das tschechoslowakische Militär und ab 1968 dann die russische Armee. Rund herum die Wälder – das war alles militärisches Sperrgebiet. Hier durfte niemand rein – nicht einmal Pilzsammler. Jetzt haben wir hier praktisch unberührte Natur."

Am liebsten schaut sich Vaclav Chval Böhmen rund um den Mácha-See aus der Luft an. "Die Landschaft verzaubert jeden", sagt er.

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2016, 09:32 Uhr