Bukarest Ein Brand und seine Folgen

Der Brand am 30. Oktober 2015 im Bukarester Musikclub "Colectiv" gilt als beispiellose Tragödie in Rumänien. Er forderte Dutzende Tote, der Premier musste zurücktreten - und die Aufarbeitung lässt auf sich warten.

Frau mit vielen Brandnarben hält Gitarre in ihren verstümmelten Händen
Die Bukaresterin Mariana Oprea gehört zu den Überlebenden des verheerenden Brandes im Musikclub "Colectiv" am 30. Oktober 2015. Mehr als 150 Menschen wurden dabei teils schwer verletzt, 64 Menschen starben - vor Ort oder an den Folgen des Brandes. Die 29-jährige Mariana trug schwere Verbrennungen davon. Ihr ärmelfreies Kleid von damals ist an ihren Wunden sichtbar. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Frau mit vielen Brandnarben hält Gitarre in ihren verstümmelten Händen
Die Bukaresterin Mariana Oprea gehört zu den Überlebenden des verheerenden Brandes im Musikclub "Colectiv" am 30. Oktober 2015. Mehr als 150 Menschen wurden dabei teils schwer verletzt, 64 Menschen starben - vor Ort oder an den Folgen des Brandes. Die 29-jährige Mariana trug schwere Verbrennungen davon. Ihr ärmelfreies Kleid von damals ist an ihren Wunden sichtbar. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Eine verletzte Person wird aus einem Krankwagen transportiert, mehrere Sanitärer helfen dabei.
Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Eigentümern des Clubs fahrlässige Tötung und Körperverletzung vor. Funken eines Feuerwerks auf der Bühne hatten die Schallisolierung in Brand gesetzt, in nur einer Minute stand der gesamte Konzertsaal in Flammen. Im Saal brach Panik aus, auf dem Weg zur einzigen offenen Tür wurden zahlreiche Menschen niedergetrampelt, andere wurden durch den Rauch des Feuers bewusstlos und verbrannten. Das Hauptverfahren ist ein Jahr nach dem Brand noch nicht eröffnet. Bildrechte: dpa
altes Gebäude, zum Teil plakatiert, Aufschrift pionierul, colectiv
Die frühere Schuhfabrik "Der Pionier" ("Pionierul"): Auf dem ehemaligen Betriebsgelände siedelten in den vergangenen Jahren kleine Firmen und auch der Musikclub "Colectiv" an. Der Club galt als improvisiert und deshalb als besonders hipp. Ermittlungen ergaben später, dass die Eigentümer keine Brandschutzgenehmigung hatten. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Mann mit Brille im kurzärmligen karierten Hemd an Schreibtisch, Modell eines roten Rettungshubschraubers im Vordergrund
Warum hat niemand gemerkt, dass der Club für Partys nicht ausreichend gesichert war?  Für entsprechende Kontrollen ist die sogenannte ISU-Behörde Bukarest-Ilfov zuständig. Ihr oberster Chef: der Notfallkoordinator der rumänischen Regierung, Raed Arafat. Ermittlungen ergaben, dass zwei seiner Inspektoren wiederholt den Club kontrolliert hatten, die Mängel aber nicht an die Behörde meldeten. Warum nicht? Ein separater Prozess soll das klären, auch er hat noch nicht begonnen. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Außenansicht Stadion mit Treppenaufgang
Doch nicht nur der Club "Colectiv" besaß keine Brandschutzgenehmigung der staatlichen Behörden. Nach dem Brand im "Colectiv" musste auch die Bukarester Nationalarena wegen Brandschutzmängeln monatelang geschlossen werden - das größte Stadion des Landes. Auch hier hatten die Behörden nie kontrolliert. Bis heute fehlt für Hunderte Schulen, Krankenhäuser, Theater und Kinosäle im Land eine Brandschutzgenehmigung. Jahrelang war die staatliche ISU-Behörde äußerst lax mit der Vergabe und der Kontrolle umgegangen, nun kommt sie mit der Bearbeitung der Anträge nicht hinterher. Bildrechte: Annett Müller/MDR
großer Platz mit Wasserbecken, Grünanlagen und dreispurigen Fahrbahnen, die um Springbrunnen führen, viel großflächige Werbung
Die rumänische Hauptstadt gilt bei jungen Leuten als cool und morbide. Underground-Musikclubs schossen in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden. Sie entstanden in leerstehenden Häusern oder Fabriken. Improvisation war trendy - bis zum Unglückstag. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Junger Mann mit Brille, Rucksack und Schiebermütze auf Cityroller vor einer engen Gasse
Der PR-Berater Silviu Dancu organisiert Musikereignisse in Bukarest. "Ich habe vor dem Brand keine Minute daran gedacht, dass ich das Leben von Menschen aufs Spiel setze - an Orten, die gefährlich, aber für uns alle heilig waren." Jetzt sei man in der Branche sensibler für solche Gefahren. Doch auf die Frage, was sich durch den Brand konkret geändert habe, antwortet er: "Der Premierminister". Bildrechte: Annett Müller/MDR
Menschen legen Blumen und Grablichter nieder
Am 30.Oktober 2016, dem ersten Jahrestag des Brandes, haben sich mehr als 5.000 Menschen am Schweigemarsch beteiligt. Vor dem ehemaligen Club legten sie Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Bildrechte: Annett Müller/ MDR
viele Grabkerzen, Blumen, Fotos auf Gehweg, zwei Frauen betrachten die Trauergaben
Vor dem ehemaligen Klub liegen aber auch das ganze Jahr über Blumen und brennen Kerzen zur Erinnerung an die Brandopfer. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Frau mit vielen Brandnarben und verstümmelten Fingern schminkt sich
Mariana Oprea hat durch den Brand alle Finger ihrer linken Hand verloren, an ihrer rechten Hand funktionieren nur noch drei. Das macht einfachste Handgriffe im Alltag schwer und auch das Schminken. Bis heute ist Opreas ärztliche Behandlung nicht abgeschlossen. Für die zahlreichen Operationen kommt der Staat auf. Verbände, Creme, Schmerztabletten muss sie aus eigener Tasche zahlen. Bildrechte: Annett Müller/MDR
schwarze Handprothese auf Tisch
Für ihre linke Hand hat die junge Frau inzwischen eine Handprothese. Kosten: 75.000 Euro. Sie konnte sie sich nur dank Spenden leisten. Die Opfer des Brandunglücks erlebten eine riesige Welle von Solidarität und Anteilnahme. Oprea hofft, dass die Tragödie nicht so schnell vergessen wird. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Person in schwarzer Kleidung mit Handprothese schneidet Käse mit Messer und Gabel, Gabel wird über Handprothese gehalten
Mariana Oprea ist im Alltag auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen: angefangen vom Anziehen bis hin zum Essen und Einkaufstaschen tragen. Hier ein erster Versuch, mit der neuen Prothese Käse zu schneiden. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Frau mit verstümmelten Händen sitzt an Tisch, schwarzer Turban und schwarzes Kleid
Mariana Oprea ist ausgebildete Architektin. In ihr Berufsleben ist sie ein Jahr nach dem Unglück nur stundenweise zurückgekehrt. Sie sagt: "Ich werde ein Leben lang vom Unglück gezeichnet sein, doch ich betrachte mich dennoch als glücklichen Fall: Denn ich lebe." Bildrechte: Annett Müller/MDR
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Frau mit vielen Brandnarben hält Gitarre in ihren verstümmelten Händen
Die Bukaresterin Mariana Oprea gehört zu den Überlebenden eines verheerenden Brandes im Musikclub "Colectiv" am 30. Oktober 2015. Mehr als 150 Menschen wurden dabei teils schwer verletzt, 64 Menschen starben - vor Ort oder an den Folgen des Brandes. Die 29-jährige Mariana trug schwere Verbrennungen davon. Ihr ärmelfreies Kleid von damals ist an ihren Wunden sichtbar. Bildrechte: Annett Müller/MDR