Auf alten Gleisen: Mit dem Nachtzug von Moskau nach Paris

Der Nachtzug Paris-Moskau macht seit 27. Juli Station in Halle/Saale. Ein Hauch von großer, weiter Welt. Doch es handelt sich nur um einen Betriebshalt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn "Heute im Osten". Also Speisewagen auffüllen, Toiletten leeren. Zusteigen unmöglich. Schade, denn eine Fahrt mit dem EN 453 lohnt sich.

Einmal in der Woche fährt der "Transeuropean Express" von Moskau nach Paris. 3.159 Kilometer. Er startet dienstagsabends in der russischen Hauptstadt und erreicht knapp 39 Stunden später die französische Metropole. Donnerstags geht es retour. Kurz vor sieben Uhr abends verlässt der Nachtexpress Paris, anderthalb Tage später, samstagvormittags, fährt er im Weißrussischen Bahnhof in Moskau ein. Die Russische Staatsbahn betreibt ihren Nachtexpress seit 2011. Der EN 453/452 fährt durch fünf Länder: Russland, Weißrussland, Polen, Deutschland und Frankreich. Haltepunkte in Deutschland sind Frankfurt/O., Berlin, Erfurt, Frankfurt/M. und Karlsruhe. Nun hält der Express Paris-Moskau also für knapp drei Monate auch in Halle/Saale, wenn auch nur zum Nachladen.

Behaglich reisen

Die Bahnlinie gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwischen Paris und Moskau pendelten schon Zaren, Dichter und Komponisten. Der Nachtexpress Moskau-Paris fährt mit zwölf Waggons. Reisen kann man in der 1. Klasse, 2. Klasse und in einer der vier Luxuskabinen. Sie sind wie die 1. Klasse-Abteile mit zwei Betten ausgestattet, bieten darüber hinaus aber auch ein Bad mit Dusche und Bio-Toilette, ein Sofa, einen Sessel, einen Fernseher, eine Bar und Klimaanlage. Soviel Luxus hat natürlich seinen Preis: Etwa 1.800 Euro muss ausgeben, wer so im "Transeuropean Express" zwischen Paris und Moskau reisen will. Doch auch im Vierbett-Abteil der 2. Klasse reist man behaglich, und das zu deutlich moderateren Ticketpreisen. Für die 1. Klasse werden knapp 700 Euro fällig, für die 2. Klasse ca. 460. Wer zeitig bucht, bekommt die Fahrkarten preiswerter.

Abenteuer Umspuren

In der weißrussischen Stadt Brest erwartet die Reisenden ein Abenteuer der besonderen Art. Da russische Züge auf breiterer Spur fahren als europäische, müssen die Waggons umgeachst werden. In einer Halle werden die Wagen angehoben und auf andere Fahrgestelle gesetzt. Das dauert zweieinhalb Stunden. Zuschauen lohnt sich.

Osteuropa

Auf großer Spur

Ein Abteil des Schlaf-Wagons des neuen Hochgeschwindigkeits-Zuges zwischen Moskau und Berlin.
Mittlerweile kommt man allerdings nur noch bei einigen Verbindungen in den Genuss des Fahrgestellwechsels. Seit Dezember 2016 vekehrt auf der Strecke Moskau-Berlin-Moskau ein moderner Schnellzug. Bildrechte: IMAGO
Ein Abteil des Schlaf-Wagons des neuen Hochgeschwindigkeits-Zuges zwischen Moskau und Berlin.
Mittlerweile kommt man allerdings nur noch bei einigen Verbindungen in den Genuss des Fahrgestellwechsels. Seit Dezember 2016 vekehrt auf der Strecke Moskau-Berlin-Moskau ein moderner Schnellzug. Bildrechte: IMAGO
Vorbeifahrender Schnellzug der RZD
Der "Strizh", zu deutsch Mauersegler, vom spanischen Wagonbauer "Talgo", beseitzt umspurbare Fahrwerke. Und so ist er nicht nur schnell unterwegs, sondern braucht für den Wechsel auf die jeweils andere Spurbreite nur Minuten. Bildrechte: IMAGO
Passagierin mit Luftballons in einem Schnellzug der RZD, 2016
Mit dem "Strizh" dauert die Reise von Moskau nach Berlin nur noch 20 Stunden. Und deutlich komfortabler ist der Zug auch. Bildrechte: IMAGO
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 (voq)


Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Ländermagazin "MDR um 11": TV | 02.07.2018 | 11:00 Uhr