Die kroatische Flagge mit einem Fussball
Bildrechte: Colourbox.de

Für die Heimat: Fußball in Kroatien

von Alexander Hertel

Die kroatische Flagge mit einem Fussball
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Das Spiel, das einen Vorgeschmack auf den neuen kroatischen Fußball gab, wurde nie angepfiffen. Am 13. Mai 1990 trafen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad in der jugoslawischen Liga aufeinander. Doch bereits vor dem Anstoß verwandelten serbische und kroatische Hooligans das Zagreber Maksimir-Stadion in eine Kampfarena. Es flogen Fäuste und Sitzschalen. Fans prügelten sich mit Fans, Spieler mit Spielern und alle mit der Polizei. Ein Jahr später zerfiel das sozialistische Jugoslawien, 1992 löste sich die Fußball-Nationalmannschaft auf. Der Balkan versank in einem zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg. Das Spiel gilt vielen bis heute als inoffizieller Beginn des Konflikts.

Gegenseitige Verwünschungen

Die neuen serbischen und kroatischen Nationalmannschaften und Clubs werden zu Abgesandten ihrer jeweiligen Nationen stilisiert. Wo immer sie aufeinander treffen, brennt die Luft, zuletzt bei der WM-Qualifikation 2013. Der damalige kroatische Trainer Igor Štimac und sein serbisches Pendant Siniša Mihajlović standen für den Hass beider Seiten. Der Auslöser war ein Spiel 1991, das letzte jugoslawische Pokalfinale. Damals gab es bereits die ersten Kämpfe zwischen Serben und Kroaten. Štimac brüllte seinen Gegenspieler Mihajlović nach einem Foul entgegen: "Ich hoffe, unsere Männer werden deine ganze Familie umbringen!"

Kroatien gewann das ruppige Spiel. Auch sonst schnitt das kroatische Team sportliche meist besser ab als der verhasste Nachbar. Seinen Höhepunkt erreichte das Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Im Viertelfinale überrollte die Mannschaft um Starstürmer Davor Šuker den amtierenden Europameister Deutschland mit 3:0. Am Ende wurde Kroatien Dritter. In den darauf folgenden Jahren qualifizierte sich das Team fast immer für die Endrunden von EM oder WM.

Mario Mandžukić und sein militärischer Gruß

Doch die Nationalmannschaft symbolisiert weiterhin Vaterland, Ehre und Unabhängigkeit der kroatischen Nation. All das steht auf dem Spiel, wenn die Mannen in rot-weiß-blau ein Spielfeld betreten. Wie tief diese Projektionsaufgabe im Bewusstsein der Spieler steckte zeigten die Entgleisungen zweier ehemaliger Bundesligaspieler. 2012 feierte der Bayern-Stürmer Mario Mandžukić ein Tor mit einem militärischen Gruß – er wurde als Aufwartung für zwei Bürgerkriegsgeneräle gewertet, die zu der Zeit vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag standen.

Faschistischer Gruß

Ein Jahr später löste die kroatische Nationalmannschaft mit einem Sieg über Island das Ticket für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien. Josip Šimunić, damals bei der TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag, brüllte nach dem Spiel mehrfach "Za Dom - Spremni!" (Für die Heimat - Bereit!) ins Stadionmikrofon. "Für die Heimat - Bereit!" war der Gruß der Ustascha-Miliz, einer rechtsextremen Terrororganisation, die ihr Ziel im Aufbau einees großkroatischen Staates sah, gewesen. 1941 hatte die Ustascha ihr Ziel im Wesentlichen erreicht, als sie eine Diktatur in Kroatien und auf dem Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina errichten konnte. Die Ustascha ist verantwortlich für zahllose grauenhafte Morde an Serben, Juden und Roma. Josip Šimunić jedenfalls wurde für seine Darbietung des faschistischen Grußes von der FIFA für zehn Spiele gesperrt.

Weltklassespieler

Ansonsten versucht die Nationalelf aber auch, durch gute Leistungen auf sich aufmerksam zu machen. Und vom Spielerpotential her sollte das auch ohne weiteeres möglich sein: Etliche Spieler stehen bei europäischen Top-Clubs unter Vertrag: Luka Modrić und Mateo Kovačić haben 2016 und 2017 die Champions League mit Real Madrid gewonnen; Mittelfeldspieler Ivan Rakitić gewann den wichtigsten Vereinspokal Europas ein Jahr zuvor mit dem FC Barcelona und der umstrittene Stürmerstar Mario Mandžukić (jetzt bei Juventus Turin unter Vertrag) 2013 mit dem FC Bayern München… Bei der EM 2016 machte ein weiterer kroatischer Spieler nachdrücklich auf sich aufmerksam: Ivan Perisic, der jetzt für Inter Mailand spielt.

Erst als drittletzte Mannschaft für die WM 2018 qualifiziert

Die Ballkünstler aus Kroatien taten sich mit der Qualifikation für die WM-Endrunde in Russland aber überraschend schwer. Nach Niederlagen gegen Island, die Türkei und die Ukraine drohte gar das Scheitern in der Qualifikationsgruppe. Erst unter dem neuen Trainer Zlatko Dalic löste Kroatien gegen Griechenland in zwei Entscheidungsspielen (0:0 und 4:1) doch noch die Tickets für die WM-Endrunde in Russland - als drittletztes Team überhaupt. Bei der WM aber möchten die Kroaten dann wieder glänzen und wenigstens die Vorrunde überstehen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 22.06.2016 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2017, 08:48 Uhr