10.04.2013 Gedenkfeier in Warschau an die Opfer des Absturzes der polnischen Präsidentenmaschine im russischen Smolensk - drei Jahre nach dem Unglück. Auf dem Bild ist links in der Menschenmasse Jaroslaw Kaczyniski, Bruder des verstorbenen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zu sehen.
Bildrechte: IMAGO

Pro Exhumierung "Die Staatsanwaltschaft kümmert sich sehr um unsere Gefühle"

Magdalena Merta, die bei der Flugzeugkatastrophe ihren Mann, Vize-Kulturminister Tomasz Merta, verlor, ist für die Exhumierung der Opfer. Sie bat sogar die Staatsanwaltschaft, eine Exhumierung anzuordnen.

10.04.2013 Gedenkfeier in Warschau an die Opfer des Absturzes der polnischen Präsidentenmaschine im russischen Smolensk - drei Jahre nach dem Unglück. Auf dem Bild ist links in der Menschenmasse Jaroslaw Kaczyniski, Bruder des verstorbenen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zu sehen.
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Was bedeutet für Sie die Entscheidung, die Leichen der in Smolensk verunglückten Menschen zu exhumieren?

Es ist vor allem eine Chance, die Identität derer, die begraben wurden, zu bestätigen. Es betrifft nicht das Präsidentenpaar, denn deren Särge wurden schon 2010 geöffnet. Exhumierungen wurden schon damals durchgeführt und dabei wurden immerhin sechs Fehler festgestellt! Es war also zu Verwechslungen gekommen. Man muss also damit rechnen, dass eine ähnliche Situation mehr Familien betreffen wird. Der russische Botschafter in Polen hat offiziell zugegeben, dass Fehler nicht verhindert werden konnten, weil Zeitdruck und Stress so enorm waren. Wichtig ist auch eine respektvolle Beerdigung. Nicht in Plastiktüten und von Müll umgeben.

Können Sie in Polen in Ruhe trauern?

Wir waren einem großen Schmerz ausgesetzt. Unser Staat hat sich so verhalten, als ob es die Interessen Russlands schützen wollte und nicht die der eigenen Bürger. Besonders schmerzhaft war es, als das holländische Flugzeug bei Donezk abgeschossen wurde. Wir hatten Mitleid mit den Familien, die ihre Verwandten verloren haben, aber auf der anderen Seite haben wir gesehen, wie ein Staat mit Opfern umgehen kann.

Einige der Angehörigen wollen jedoch die Exhumierung. Was halten Sie davon?

Ich finde, dass die Entscheidung, ob Exhumierungen durchgeführt werden oder nicht, die Staatsanwaltschaft treffen muss. Die Familien der Opfer sollten da nicht mitreden. Stellen Sie sich doch vor, jemand ermordet seine Schwiegermutter, beerdigt sie und möchte dann nicht, dass die Staatsanwaltschaft Einblick in das Grab nimmt. Er argumentiert: Es ist doch schließlich meine Schwiegermutter! Das ist doch absurd!

Haben Sie das Gefühl, Ihre Meinung wird bei wichtigen Entscheidungen respektiert, die die Verunglückten bei Smolensk betreffen?

Die Entscheidungen werden uns mit großer Sensibilität mitgeteilt. Die Staatsanwälte kümmern sich sehr darum, die Gefühle der Angehörigen zu respektieren und sie nicht zu verletzen. Völlig anders war es vor einigen Jahren. Der Protest der Angehörigen, die die Exhumierung nicht wollen, wird von selbst ausklingen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich im Grab meines Mannes die Leiche eines Menschen finde, dessen Angehörige die Exhumierung nicht wollen und dass diese Familie ihren Angehörigen nicht in sein Grab mitnehmen will. Ich glaube das einfach nicht.

Werden die Exhumierungen etwas verändern?

Ich hoffe, sie werden Ordnung bringen. Wann genau die Exhumierung meines Mannes stattfindet, will ich nicht sagen. Es wird aber noch dieses Jahr passieren.

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2016, 21:04 Uhr