Premiere Szydlo Duda
Die polnische Staatsführung bei der Premiere des Spielfilms "Smolensk" Bildrechte: AP Television

Streit um Flugzeugabsturz von Smolensk Politprominenz bei Filmpremiere

Ungewöhnliche Szenen in Warschau: Die gesamte polnische Staatsführung ist im Nationaltheater erschienen - Anlass waren nicht politische Gespräche, sondern die Premiere des umstrittenen Spielfilms "Smolensk".

Premiere Szydlo Duda
Die polnische Staatsführung bei der Premiere des Spielfilms "Smolensk" Bildrechte: AP Television

Auf dem roten Teppich standen unter anderem Präsident Andrzej Duda, Ministerpräsidentin Beata Szydlo und der Vorsitzende der regierenden PiS-Partei, Jaroslaw Kaczynski. Der Anlass für diesen Prominentenauflauf war nicht etwa eine wichtige politische Besprechung, sondern die Premiere eines Spielfilms. "Smolensk", heißt der Streifen, der die Ereignisse rund um den Absturz der polnischen Präsidentenmaschine am 10. April 2010 aufgreift und in Polen für massiven Streit sorgt.

Kritiker sehen in dem Film von Antoni Krauze einen Propagandastreifen, der unwahre Behauptungen über die Flugzeugkatastrophe verbreitet. Während bisherige offizielle Untersuchungsberichte von einem Unglück aufgrund von Fehlern und Fahrlässigkeit ausgehen, geht die seit 2015 regierende PiS-Partei von einem Anschlag aus. Dieser Version folgten auch die Filmemacher.

Duda
Staatspräsident Andrzej Duda hat die Schirmherrschaft über den Film übernommen. Bildrechte: AP Television

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Journalistin Nina, die über die Katastrophe berichtet. Sie beginnt, an den offiziellen Untersuchungsberichten zu zweifeln, und startet eigene Nachforschungen, um den - wie sie meint - wahren Grund der Flugzeugkatastrophe herauszufinden. In einer der zentralen Szenen des Films explodiert die Präsidentenmaschine in der Luft.

Kritische Journalisten ausgeladen

Streit gab es aber nicht nur um die Handlung des Films, sondern auch um die Gästeliste der Premiere. Vielen regierungskritischen Journalisten wurde die Akkreditierung im letzten Augenblick entzogen. Auch die kritischen Angehörigen der Absturzopfer, die nicht an die Anschlagstheorie glauben, wurden nicht eingeladen.

Die Premiere war eigentlich fürs Frühjahr geplant, wurde aber im letzten Augenblick um mehrere Monate verschoben - offiziell aus produktionstechnischen Gründen, inoffiziell hieß es jedoch, dass Kaczynski mit der ersten Fassung des Films unzufrieden war. Zuvor hatte es große Probleme mit der Finanzierung des Films gegeben. Die begonnenen Dreharbeiten mussten längere Zeit ruhen, da die Macher das nötige Geld nicht auftreiben konnten. Auch eine öffentliche Sammlung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Erst dank einigen anonymen Großspendern konnte die Finanzierungslücke geschlossen werden.

"Das ist ein Film, der schlicht und einfach die Wahrheit zeigt", sagte Kaczynski dem polnischen Sender TVP Info. Auch wenn der Absturz der Präsidentenmaschine bei Smolensk für ihn eine persönliche Tragödie sei, nehme er den Film mit Freude auf. "Jeden Polen, der die Wahrheit erfahren will, lade ich ein, sich diesen Film anzuschauen", fügte er hinzu.

Bei dem Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 waren 96 Menschen ums Leben gekommen, darunter das damalige Staatsoberhaupt Lech Kaczynski, außerdem viele hochrangige Politiker und Militärs. Der Pilot hatte versucht, im dichten Nebel zu landen.

Premiere Bühne
Nach der Vorführung soll es minutenlangen Applaus für den Film gegeben haben. Bildrechte: AP Television

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2016, 14:56 Uhr