Polen/Ukraine Weltkriegsfilm reißt alte Wunden auf

In Polen kommt ein hoch brisanter Film in die Kinos: "Wolhynien". Er thematisiert ein Massaker von ukrainischen Partisanen an polnischen Zivilisten. Der polnischen Regierung kommt der Streifen gerade Recht.

von Alexander Hertel

Szene aus dem Film "Wolhynien"
Szene aus dem Film "Wolhynien". Bildrechte: MDR/Krzysztof Wiktor, Film It!

Ein neuer Kinofilm könnte für weitere Verstimmungen zwischen Polen und der Ukraine sorgen. Der Streifen "Wolhynien" (auf Polnisch: Wołyń") des bekannten polnischen Regisseurs Wojciech Smarzowski erzählt von einem Massaker der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) an polnischen Zivilisten während des Zweiten Weltkriegs.

Am 11. Juli 1943 überfielen Verbände der nationalistischen UPA-Partisanen zeitgleich 167 polnische Dörfer in der Region Wolhynien, die erst seit Kriegsende zur Ukraine gehören. Es war der Beginn von systematischen ethnischen Säuberungen, die ein Jahr währten. Bei den Massakern starben Schätzungen zufolge 100.000 polnische Zivilisten.

Langes Schweigen

Viele Jahrzehnte lang war dieser Vorfall ein Tabu in beiden osteuropäischen Ländern. "Ich hatte das Gefühl, das viele Überlebende darauf warten, dass diese Geschichte erzählt wird", begründete Regisseur Smarzowski seine Entscheidung für den Stoff. Er richte sich "nicht gegen die Ukraine, sondern gegen den Nationalismus".

Nachbarländer tragen schwer an der Geschichte

Szene aud dem Film "Wolyn"
Der Film "Wolhynien" kommt am 7. Oktober in die polnischen Kinos. Bildrechte: MDR/Krzysztof Wiktor, Film It!

Doch der Film trifft einen wunden Punkt in der Beziehung beider Staaten. Viele Westukrainer halten die UPA für Helden. Sie kämpften während des Kriegs gegen die Nazis und später für eine unabhängige Ukraine gegen die Sowjetunion. Mit dem Beginn des Krieges in der Ostukraine wurde das Motiv für Ukrainer wieder wichtig.

Doch nicht nur Wolhynien ist ein wunder Punkt in der polnisch-ukrainischen Geschichte. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges gab es Gegenangriffe von polnischer Seite: Die polnische Heimatarmee (AK) tötete in Vergeltungsaktionen schätzungsweise 20.000 ukrainische Zivilisten. Nach dem Krieg kam es zu Massendeportationen ukrainisch-stämmiger Bewohner auf der polnischen Seite der neuen Grenze.

PiS hat eigene Vorstellung von polnischer Geschichte

Der neue Film jedoch erzählt nur von den ukrainischen Massakern. Der nationalkonservativen Regierungspartei PiS kommt die Produktion recht. Sie ist ein Baustein in der neuen Geschichtspolitik, die Warschau betreibt. Die PiS will ein Bild der Historie zeichnen, in dem Polen entweder strahlende Helden oder Opfer fremder Mächte sind. Selbst wenn diese - wie die Ukraine - eigentlich strategische wichtige Partner sind.

Verstimmung bereits durch Resolution

Hinzu kommt: Das polnische Parlament, wo die PiS eine absolute Mehrheit hält, verabschiedete im Juli eine Resolution, die das Massaker im Wolhynien als Völkermord einstuft. In der Ukraine reagierte man auf politischer Ebene empört. Der Auswärtige Ausschuss im ukrainischen Parlament bezeichnete die Resolution als provokative "Handlung von nationalistischen Kräften".

Pis will neue Kinopolitik betreiben

Nun könnte durch den neuen Kinofilm der Ton zwischen Warschau und Kiew noch rauer werden. Doch wird "Wolhynien" wohl nicht der einzige provozierende Film bleiben. Die polnische PiS-Regierung hatte nach ihrem Wahlsieg im vergangenen Jahr angkündigt, die polnische Filmförderung reformieren zu wollen. Gefördert werden sollen künftig nur noch Filme, die "ein positives Bild der polnischen Geschichte zeichnen" - so wie der Film "Wolhynien".

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2016, 15:56 Uhr