Russland Beweise für Putins geheimes Luxusleben?

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny will Beweise haben, dass Präsident Putin ein geheimes Luxusanwesen unterhält. Es ist nicht der erste Vorwurf dieser Art gegen Putin. Weitere Politiker sollen ihr Vermögen verschleiern.

Auschschnitt aus Alexej Nawalnys Video über Putins Ferienanwesen nahe Sankt Petersburg.
Alexej Nawalny ist Russlands prominentester Oppositioneller und will kommendes Jahr zur Präsidentschaftswahl antreten. Der 51-Jährige erregt immer wieder mit Enthüllungsvideos über Russlands Elite Aufsehen. Nun hat sich Nawalny den Präsidenten persönlich vorgenommen. Bildrechte: YouTube
Auschschnitt aus Alexej Nawalnys Video über Putins Ferienanwesen nahe Sankt Petersburg.
Alexej Nawalny ist Russlands prominentester Oppositioneller und will kommendes Jahr zur Präsidentschaftswahl antreten. Der 51-Jährige erregt immer wieder mit Enthüllungsvideos über Russlands Elite Aufsehen. Nun hat sich Nawalny den Präsidenten persönlich vorgenommen. Bildrechte: YouTube
Auschschnitt aus Alexej Nawalnys Video über Putins Ferienanwesen nahe Sankt Petersburg.
In einem zehnminütigen Clip präsentiert Nawalny vermeintliche Beweise dafür, dass Wladimir Putin über ein riesiges Luxus-Anwesen nördlich von Sankt Petersburg verfügt. So sollen dem Präsidenten nahestehende Strohmänner die berühmte "Villa Sellgren" in dessen Auftrag aufwändig renoviert haben. Bildrechte: YouTube
Auschschnitt aus Alexej Nawalnys Video über Putins Ferienanwesen nahe Sankt Petersburg.
Offiziell ist das Grundstück seit seiner Restaurierung ein Erholungsgebiet. Jedoch wird der Komplex von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht und ist nicht zugänglich. Drohnenaufnahmen zeigen eine weitläufige Anlage mit mehreren Gästehäusern, einem Helikopterlandeplatz und einem Anlegesteg für Jachten. Nawalny legt in seinem Video mit Unterlagen nahe, dass ein weitreichendes Netz von Putinvertrauten das Gelände verwaltet, der Präsident jedoch der eigentliche Hausherr ist. Bildrechte: YouTube
Der russische Präsident Wladimir Putin (r) , Ministerpräsident Dmitri Medwedew (l) und dessen Frau Swetlana nehmen am 16.04.2017 an der Russisch-Orthodoxen Osternacht in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau (Russland)
Es sind pikante Vorwürfe. Denn der Präsident inszeniert sich gerne als einfacher Diener des Volkes. So haben die russischen Behörden erst im April die Einkommens- und Vermögenserklärungen von Präsident Wladimir Putin und Kabinettsmitgliedern veröffentlicht - darunter auch Ministerpräsident Dimitri Medwedew, der hier zusammen mit seiner Frau und Putin die Ostermesse in Moskau besucht. Bildrechte: dpa
Auf der Hannover Messe tauschen 2013 Kanzlerin Angela Merkel und Staatschef Wladimir Putin Geschenke aus. Merkel bekommt eine Matroschka, Putin eine deutsche Kuckucksuhr.
Einem entsprechenden Bericht der regierungsnahen Webseite "Russia Beyond The Headlines" zufolge verdiente der Präsident im Jahr 2016 genau 8.858.432 Rubel, umgerechnet 136.283 Euro. Damit liegt sein offizielles Gehalt weit unter dem von Bundeskanzlerin Merkel. Die verdiente in gleichen Zeitraum 215.904 Euro. Bildrechte: IMAGO
Wladimir Wladimirowitsch
Flugzeuge, Hubschrauber, gepanzerte Limousinen: alle anderen Fahrzeuge, die Putin nutzt, gehören offiziell dem Staat. Weiteres Eigentum besitze der Präsident laut Kreml nicht, auch nicht die Villa Sellgren. Bildrechte: dpa
Ein Nachrichtensprecher, im Hintergrund das Bild von Dmitri Medwedew
In jedem Fall gibt es auch an seinen Vermögensangaben erhebliche Zweifel. Kreml-Kritiker Alexei Nawalny warf dem Ministerpräsidenten bereits im März in einem 49-minütigen YouTube-Video Korruption vor. Dafür bediente sich Nawalny öffentlich zugänglicher Unterlagen wie Firmen- und Grundstücksverzeichnissen. Diese ergäben, so Nawalny, dass Medwedew über ein Netz aus Strohmännern, Scheinfirmen und Fonds mehrere luxuriöse Grundstücke in Russland besitze, außerdem einen weitläufigen Weinberg in Italien und zwei Jachten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Anti-Korruptions-Demo mit Medwedew-Plakat
Sowohl Medwedew als auch Putin würden sich ihr inoffizielles Luxusleben mit millionenschweren Schmiergeldzahlungen von Geschäftsleuten finanzieren, so die Kritiker. Auch wegen dieser Vorwürfe gingen Ende März in ganz Russland Tausende Menschen gegen Korruption und Vetternwirtschaft auf die Straße. Aufgerufen zu den Protesten hatte Nawalny, der 2018 gegen Putin bei der Präsidentschaftswahl antreten will. Er wurde bei der Veranstaltung in Moskau festgenommen, ebenso wie Dutzende Demonstranten.

(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 27.03.2017, 21:45 Uhr.)
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