Günther Krause
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Günther Krause Ein Ostdeutscher auf der Überholspur

Günther Krause
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"Hätte ich mich fünf Stunden am Tag mit Journalisten unterhalten, wäre ich heute vielleicht noch Bundesminister, auf jeden Fall noch im Bundestag. Ich hab‘s nicht gemacht, sondern ich habe Fakten geschaffen. Ostdeutschland hat heute bessere Verkehrswege als der Westen und ich habe die Grundlagen gelegt." Mit gesundem Selbstvertrauen und energischer Tatkraft wurde Günther Krause, Spitzname "Sause-Krause" zu einem DER Vorzeige-Ossis der Wendezeit.

Scheinbar unaufhaltsame Karriere

Günther Krause, 1953 in Halle geboren, erklomm schnell die Karriereleiter: Studium der Rechentechnik und Datenverarbeitung, 1984 Promotion, 1987 Habilitation, Professor an der Ingenieurhochschule Wismar, Reisekader in der DDR. Soweit erkennbar, eine Karriere ohne Knicke oder Wendungen. Seit 1975 war Günther Krause Mitglied der CDU. Im März 1990 wurde er Vorsitzender des neugegründeten Landesverbandes der CDU in Mecklenburg-Vorpommern.

Minister in Bonn

Und es ging noch weiter nach oben. Nach den ersten freien Wahlen in der DDR im März 1990 rief ihn Lothar de Maizière nach Berlin. Als Staatssekretär des letzten Regierungschefs der DDR saß er im Sommer 1990 mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble an einem Tisch, um den Einigungsvertrag auszuhandeln. Schäuble war angetan von seinem jungen DDR-Kollegen: "Günther ist der einzige von drüben, dem man nichts zu erklären braucht."

Nach der deutschen Einheit kam die Karriere von Günther Krause richtig in Schwung – ein Ostdeutscher auf der Überholspur. Als Bundesminister für besondere Aufgaben wurde er im Oktober 1990 Teil der gesamtdeutschen Regierung. Wenige Monate später war er Verkehrsminister – "Sause–Krause" schob in wenigen Monaten Verkehrsbauprojekte in Ostdeutschland im zweistelligen Milliardenbereich an und drückte ein "Beschleunigungsgesetz" durch, womit im Osten Deutschlands schneller geplant und gebaut werden durfte. Das war nicht unumstritten, weil so kaum Zeit blieb Widerspruch gegen Bauprojekte einzulegen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass nun in der gesamten Bundesrepublik der grüne Rechtsabbiegerpfeil zu finden ist.

Jäher Absturz

Krauses Höhenflug dauerte bis 1993 – dann musste der Verkehrsminister abdanken. Am Ende stolperte er über zahlreiche Affären – unter anderem wurde ihm vorgeworfen, Einfluss auf die Vergabe von Tankstellen und Raststätten an den ostdeutschen Autobahnen genommen oder eine befreundete Firma beim Bau der A20 bevorzugt zu haben. Mit der "Putzfrauenaffäre" geriet er in die Schlagzeilen, weil er Lohnkosten für seine Putzhilfe vom Staat kassierte.

Lothar de Maiziere sagte über ihn einmal: "Der Günther Krause war der intelligenteste Mann, den ich hatte. Nur mit seinem Charakter, da hatte ich Probleme."

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2015, 15:36 Uhr