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Einflussnahme im Netz Wem nutzen "Trolle"?

Bezahlte Meinungsmache im Internet durch sogenannte Trolle – ein spätestens seit 2012 bekanntes Phänomen. Doch was sind eigentlich Trolle? Wer nutzt sie und für welche Zwecke? - Ein Interview mit der Medienwissenschaftlerin Jana Herwig.

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Ganz allgemein: Was sind eigentlich Trolle?

In der Internetkultur hat sich 'Trolle' als Bezeichnung etabliert für Personen, die in Diskussionsforen aggressiv, oft unablässig und bisweilen auch persönlich verletzend agieren. Diskussionen mit Troll-Beteiligung verlaufen selten sachorientiert, sondern gestalten sich als Kaskade von Provokationen und rhetorischen Angriffen aus immer neuen Richtungen, ohne dass ein Abschluss zu finden wäre.

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Medienwissenschaftlerin Jana Herwig Bildrechte: David Krems

Eine der Empfehlungen für den Umgang mit sogenannten Trollen ist daher, die Diskussion einfach einzustellen, statt weiter zu versuchen, das endgültig schlagende Argument zu finden: Don’t feed the trolls, lautet die englische Kurzformel für diese Strategie. Besonders unangenehm kann solches Verhalten werden, wenn eine Personen eine andere über verschiedene Plattformen – vom Online-Zeitungsforum zum persönlichen Blog zum Facebook-Feed – verfolgt. In diesem Fall hilft oft nur, diese Person bzw. ihre Profile konsequent zu blocken bzw. zu melden, so dass die Kommunikationsmöglichkeit selbst unterbunden wird.

Lässt sich eingrenzen, wer ein Troll ist und wer nicht?

Objektiv ist schwer einzugrenzen, wer sich denn nun wie ein Troll benimmt und wer nicht. Troll ist selbst zum Schimpfwort geworden, mit dem mitunter auch einfach jeweilige Meinungsgegner belegt werden. 'Der oder die trollt schon wieder' kann auch einfach heißen, dass sich jemand in einer subjektiv als unrichtig wahrgenommenen Weise äußert. 

Ungünstig für den Verlauf einer Diskussion ist eine Troll-Beteiligung nicht nur wegen der Häufigkeit der persönlichen Angriffe, sondern auch, weil die eigentliche Diskussion damit verhindert bzw. bewusst gestört wird. Manche solche Störer sind nur auf Provokation aus, andere versuchen, ein bestimmtes Thema oder eine Sichtweise immer wieder durchzudrücken und verdrängen dadurch andere.

Trolle werden nun auch dafür genutzt, um Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. So soll die EU immerhin 3 Millionen Euro für die Arbeit von Trollen bereitgestellt haben, um EU-kritische Diskussionen im Netz zu steuern ...

'Trollen' bezeichnet zunächst ein Kommunikationsverhalten, ob jemand für Trollen bezahlt wird – statt also im eigenen, wie auch immer gearteten Interesse zu stören – ist eine andere Frage.

Dass professionell auf Kommunikation und öffentliche Meinung versucht wird, Einfluss zu nehmen, ist nichts Neues. Durch die Kommunikation im Internet bieten sich dadurch ganz eigene Möglichkeiten, die damit zu tun haben, dass Personen sich im Netz persönlich artikulieren können, ihre Meinung also viel nachvollziehbarer wird und sie dort auch direkt adressiert werden können.

Was ist an diesem Phänomen eigentlich neu, von den neuen technischen Möglichkeiten einmal abgesehen? Desinformation etwa ist doch recht eigentlich das Normalste der Welt für Propagandaabteilungen und Geheimdienste …

Letztlich sollte man davon ausgehen, dass alles, was technisch möglich ist, auch genutzt werden wird, gerade im Fall eines hochtechnischen Mediums wie dem Internet. Und im Fall der Online-Kommunikation ist es eben technisch möglich, gewogene Stimmen künstlich zu generieren, in dem Profile angelegt werden, die dann berufsmäßig mit Inhalten gefüllt werden.  Dabei erfordert es  natürlich eine vergleichsweise hohe Anstrengung, solche Inhalte auch authentisch erscheinen zu lassen. Und was an den neuen Möglichkeiten nicht legal ist, wird womöglich einfach nicht offiziell betrieben – gerade der NSA-Skandal hat gezeigt, dass gemacht wird, was möglich ist, rechtlicher Rahmen sekundär. Die Debatte, wie sich der Betrieb von Geheimdiensten nun mit unseren Vorstellungen von Demokratie verträgt, wird ja leider nach wie vor in der politischen Debatte unterdrückt. Desinformation wird jedenfalls sicher nicht tragbarer dadurch, dass sie nicht neu ist.

Hat solch bezahlte Meinungsmache überhaupt Auswirkungen auf die öffentliche Meinung?

Die Auswirkungen auf die öffentliche Meinung kann man nicht in eindeutiger Weise beschreiben, es wird sicher nicht in der simplen Weise verlaufen, dass nun etwa alle SZ-Leser Putin-Fans werden, weil sie dort mit Nachrichten von bezahlten Profilen konfrontiert wurden. Zu berücksichtigen ist aber auch, welche Diskussionen und Meinungen denn dadurch womöglich verdrängt werden - und die lassen sich ja gerade nicht beschreiben.

Kurzvita Jana Herwig Jana Herwig ist Medienwissenschaftlerin und arbeitet derzeit als Universitätsassistentin am Lehrstuhl für Intermedialität des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2016, 09:32 Uhr