Porträtfotos der 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten 14-jährigen Czeslawa Kwoka.
Bildrechte: Auschwitz-Museum/Wilhelm Brasse

Historische Fotos Das Grauen in Farbe: Künstlerin koloriert Auschwitz-Bild

Die 14-jährige Czesława Kwoka aus Polen wurde bei ihrer Ankunft in Auschwitz wie alle KZ-Häftlinge fotografiert. Eine Künstlerin hat die historischen Schwarzweiß-Aufnahmen koloriert - und damit eine verblüffende Wirkung erzielt.

Porträtfotos der 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordeten 14-jährigen Czeslawa Kwoka.
Bildrechte: Auschwitz-Museum/Wilhelm Brasse

Czesława Kwoka war 14 Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter Katarzyna am 13. Dezember 1942 in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Bei ihrer Ankunft im KZ wurde dem Mädchen eine Häftlingsnummer in den Unterarm tätowiert: die Nummer 26947. Ihr Kopf wurde geschoren und sie wurde für die Lagerkartei fotografiert. Drei Monate später wurde Czesława durch eine giftige Phenol-Injektion ins Herz ermordet.

Farben erzeugen Nähe

Czesławas Bild hat die 23-jährige Künstlerin Marina Amaral aus Brasilien tief berührt und sie hat sich daran gesetzt, die historische Schwarzweiß-Aufnahme am Computer zu kolorieren. Die Wirkung sei überraschend gewesen, wie Amaral dem britischen Sender BBC erzählt: "Es gelingt besser, mit den Menschen mitzufühlen, wenn man sie in Farbe sieht. Auch Holocaust-Opfer hatten Träume, Familie, Freunde und ihnen wurde alles genommen."

Ein Mädchen in Häftlingskleidung ist von der Seite und von vorn abgebildet
Der Blick von Czesława Kwoka berührt. An ihren Lippen ist durch die kolorierten Bilder die Platzwunde deutlicher zu erkennen, die ihr eine KZ-Wärterin in Auschwitz durch einen Schlag mit einem Stock zugefügt hat. Bildrechte: Marina Amaral

Amaral hat sich das Bild der jungen Czesława ausgesucht, weil "man fühlen kann, wie sehr sie leidet, aber auch gleichzeitig den Mut in ihren Augen sieht". Das Bild soll aber auch eine Mahnung an die Menschen heute sein:

Der Holocaust hat nicht mit Massenmorden begonnen. Er hat mit der Rhetorik des Hasses begonnen.

Marina Amaral

Nachkolorierung ist aufwendig

Nachkolorierungen sind nicht neu, doch früher wurden Bilder mit Retuschefarbe koloriert, was immer etwas künstlich wirkte. Die brasilianische Künstlerin Marina Amaral arbeitet am Computer mit Photoshop. Bis zu 40 Tage nimmt sie sich Zeit und recherchiert die Hintergründe zu den Fotos, wie sie entstanden sind, welche Geschichte hinter den Menschen steht. Das Ergebnis ihrer anderen Werke kann man sich auf ihrer Website anschauen.

Auch für Czesława Kwoka habe sie sich viel Zeit genommen, erzählt Amaral. Aufgenommen habe das Bild der KZ-Fotograf Wilhelm Brasse, der selbst Gefangener war und alle neuen Häftlinge in Auschwitz fotografieren musste. Amarals Arbeit erzielt Wirkung; das zeigen die Reaktionen im Netz. Das Auschwitz-Museum teilte das ergreifende, nachträglich kolorierte Foto auf Twitter. Es soll 75 Jahre nach ihrem Tod an sie und ihre Mutter Katarzyna erinnern. Es wurde über 45.000 Mal geliked und 11.000 Mal geteilt. Es finden sich dutzende Kommentare unter dem Bild. Der Tenor: Möge Czesława Kwoka in unserer Erinnerung weiterleben – wir dürfen niemals vergessen.

(zuerst veröffentlicht am 28.03.2018)

(ama)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR aktuell | 26.01.2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 16:45 Uhr

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