Kostenloser Nahverkehr? Gibt es schon in Polen!

Stadion in Warschau
Während die Deutschen noch darüber debattieren, führen es die Polen schon längst vor. Bereits 30 Städte und Gemeinden bieten ihren Einwohnern kostenlos die Möglichkeit, vom privaten Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Tendenz steigend. Bildrechte: IMAGO
Markttreiben in der Innenstadt von Jawor
Damit wollen die Stadtväter auf die anschwellenden Blechlawinen in der schmucken Innenstadt reagieren. Weil sich in letzter Zeit neue Betriebe in Jawor angesiedelt hatten, stieg die Einwohnerzahl - und damit auch die Zahl der Pkw auf den Straßen. Staus und Parkplatzmangel, bis dahin unbekannt, wurden zum Problem. Bildrechte: Stadtverwaltung Jawor
Ein Mann steht mit einem Mikrofon in der Hand vor zwei Bussen, vor die ein blaues Band gespannt ist.
Zwei MAN-Busse für jeweils 60 Fahrgäste wurden für den kostenlosen Stadtverkehr angeschafft. Und der wird von den Einwohnern angenommen. Seit der Einführung gebe es deutlich weniger Pkw in der Innenstadt, heißt es aus dem Rathaus. Bildrechte: Stadtverwaltung Jawor
Drei Mädchen stehen in einem Bus und winken
Auch für Schüler sind die kostenlosen Busse eine große Erleichterung, weil das Stadtgebiet enorm langgestreckt ist. Im Rathaus denkt man bereits über eine zweite Linie nach, die noch 2018 starten soll. Die Betriebskosten für die derzeitige "Linie 1" liegen bei ca. 400.000 Zloty jährlich, umgerechnet knapp 100.000 Euro. Bildrechte: Stadtverwaltung Jawor
Eingang zur Metro
Polens Großstädter müssen dagegen weiter zahlen. Dort scheitert der kostenlose Nahverkehr an den hohen Kosten. Warschau zum Beispiel (im Bild) müsste für einen kostenlosen Nahverkehr umgerechnet 192 Mio. Euro jährlich locker machen – zusätzlich zu den 600 Mio., die die Stadt ohnehin schon dafür ausgibt! Bildrechte: IMAGO
Pärchen mit Stadtplan in Bus
Die Ticketeinnahmen decken dort ein Drittel der Gesamtkosten – eine Stange Geld, die ansonsten für Modernisierung und Ausbau der Verkehrsmittel fehlen würde. Kleinstädte wie Jawor haben es da Experten zufolge leichter. Die Ticketeinnahmen decken dort nur 10-15 Prozent der Kosten. Die Kommunen können leichter darauf verzichten und sparen sich den Aufwand fürs Drucken, Verkaufen und Kontrollieren der Fahrscheine. Bildrechte: IMAGO
Stadion in Warschau
Während die Deutschen noch darüber debattieren, führen es die Polen schon längst vor. Bereits 30 Städte und Gemeinden bieten ihren Einwohnern kostenlos die Möglichkeit, vom privaten Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Tendenz steigend. Bildrechte: IMAGO
Menschen durschneiden ein Band, dass vor zwei Bussen gespannt ist.
Allerdings sind vor allem kleinere Städte die Vorreiter in Sachen "freier Einstieg". Zum Beispiel Jawor in Niederschlesien, nur 120 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Pünktlich zu Weihnachten 2017 schenkte sich die hübsche Kleinstadt ihre erste eigene Buslinie - und die war von Anfang an kostenlos. Bildrechte: Stadtverwaltung Jawor
Menschen steigen in einen Bus
Für Kleinstädte wie Jawor ist der kostenlose Nahverkehr oft ein Mittel im Überlebenskampf, denn sie leiden stark unter Abwanderung in die Boomregionen um Warschau, Krakau, Breslau und Posen. Städte, die mit guten Lebensbedingungen punkten, können leichter ihre Jugend dazu bewegen, zu bleiben oder nach dem Studium zurückzukehren. Bildrechte: Stadtverwaltung Jawor
Smog in Warschau
Dabei könnte ein kostenloser Nahverkehr gerade in Großstädten ein anderes Problem entschärfen – die katastrophale Luftverschmutzung, die sich in Warschau oder Krakau regelmäßig bemerkbar macht. Schätzungen zufolge sterben fast 50.000 Polen jährlich an Smog-Folgen. Bildrechte: IMAGO
Anzeige in Warschauer Tram
Doch derzeit kann man in Warschau und Krakau nur an solchen Tagen kostenlos in Bus und Bahn mitfahren, wenn alle zulässigen Smog-Werte überschritten sind. Da gehen Kleinstädte wie Jawor schon jetzt mit gutem Beispiel voran.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUEL auch im:
TV | 14.02.2018 | 21:45 Uhr
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