Osteuropa

Russland: Der Karatschai - der tödlichste See der Welt

Karatschai Luftbild
Der Karatschai-See, im südlichen Ural gelegen und knapp 130.000 Quadratmeter groß, gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt: Wer sich mehr als eine Stunde an seinen Ufern aufhält, stirbt. Bereits wenige Minuten reichen aus, um eine lebensgefährliche Strahlendosis abzubekommen. Bildrechte: BING Maps
Karatschai Luftbild
Der Karatschai-See, im südlichen Ural gelegen und knapp 130.000 Quadratmeter groß, gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt: Wer sich mehr als eine Stunde an seinen Ufern aufhält, stirbt. Bereits wenige Minuten reichen aus, um eine lebensgefährliche Strahlendosis abzubekommen. Bildrechte: BING Maps
Radioaktiv verstrahlter Karatschai-See in Russland
Auf dem Karatschai-See scheint ein Fluch zu lasten: 1948 wurde an seinem Ufer eine Fabrik errichtet, die Plutonium für die sowjetische Atombombe herstellen sollte. Die hochradioaktiven Abfälle wurden einfach in den vor den Toren der Fabrik gelegenen See geleitet. Bildrechte: IMAGO
Tetscha-Fluss
Von dort flossen sie weiter in die Flüsse der Umgebung, etwa in den Tetscha-Fluss. Die Bauern tranken das Wasser des Flusses und fingen Fische. Bald erkrankten sie an für sie rätselhaften Krankheiten: Ihr Blut wurde weiß, es wuchsen Geschwüre in ihrem Körper und manchmal kamen Kinder mit zwei Köpfen oder ohne Gliedmaßen zur Welt. Viele Menschen starben. Bildrechte: dpa
Eine verfallene Haltestelle.
Die Plutonium-Produktion in der Fabrik "Majak" war streng geheim. Der gesamte Ort Osjorsk trug einen Tarnnamen (Tscheljabinsk-40) und war auf keiner Landkarte zu finden. In der geheimen Stadt am Ufer des Karatschai-Sees lebten und arbeiteten an die 20.000 Menschen. Heute ist die Stadt nicht mehr geheim, für Ausländer aber immer noch gesperrt. Bildrechte: dpa
Gedenken an die Opfer des Kyshtym Unglücks im ehemaligen Kernreaktor der Chemiefabrik Majak.
Am 29. September 1957 ereignete sich in dieser Fabrik ein Unglück: Ein Stahltank, gefüllt mit 80 Tonnen einer hoch radioaktiven Flüssigkeit, explodierte. (Auf dem Bild: Gedenkveranstaltung am Ort des Unglücks in der Fabrik "Majak".) Bildrechte: IMAGO
Warnhinweis vor Radioaktivität in Muslumovo
Die Detonation war noch in mehreren Hundert Kilometern sichtbar gewesen - der Himmel leuchtete bläulich. In sowjetischen Zeitungen stand später, es habe sich um Polarlichter und Wetterleuchten gehandelt. Die wahre Ursache wurde geheim gehalten. Im Westen erfuhr man nichts von der Katastrophe, bei der mehr Radioaktivität freisesetzt worden sein soll als bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl dreißig Jahre später. Ein Südwestwind trieb die Strahlung vom Westen weg. Der radioaktive Niederschlag verblieb im Ural, an der Tetscha und dem Karatschai-See. (Im Bild: Ein steinernes Dreieck, dass vor der Radioaktivität rund um den Karatschai-See warnt.) Bildrechte: dpa
Verfallene Häuser im Dorf Mitlino
Eine Woche nach der Katastrophe wurden etwa 1.000 Menschen umgesiedelt, die 25 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt wohnten. In den darauf folgenden Jahren mussten weitere 10.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. Die Häuser wurden anschließend abgerissen, um die Menschen von einer späteren Rückkehr abzuhalten. Nur die Gotteshäuser ließ man stehen. Bildrechte: dpa
Der Friedhof von Muslumovo
Zehn Jahre später wurde der Karatschai-See Ausgangspunkt für eine nächste Tragödie. Der See trocknete in einem besonders heißen Sommer Mitte der 1960er-Jahre bis auf den Grund aus. Der Sommerwind wirbelten den radioaktiven Staub auf und verteilte ihn im Ural. Bildrechte: dpa
Eine Frau hängt vor einem Haus Wäsche auf eine Leine.
Mehr als eine halbe Million Menschen wurden einer Radioaktivität ausgesetzt, die so hoch gewesen sein soll, wie die nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima. Natürlich erfuhren sie nichts davon. Noch heute leben die Menschen in dieser radioaktiv verseuchten Gegend. Bildrechte: dpa
Kyschtyn Denkmal
Die Explosion in Tscheljabinks-40 war in der UdSSR mehr als 30 Jahre lang ein streng gehütetes Staatsgeheimnis. Erst 1990 erfuhr die Öffentlichkeit von dem Unfall in der Plutoniumfabrik "Majak". Wie viele Menschen bei der Explosion selbst und an den Spätfolgen starben, ist nicht bekannt und wird wohl nie mehr herauszufinden sein. Bildrechte: IMAGO
Ein Mann steht neben einem LKW auf dem Radioaktiv verstrahlten Karatschai-See in Russland.
Der Karatschai-See, der sich nach und nach wieder mit Wasser füllte, galt als der gefährlichste Ort der Welt. In den 1990er-Jahren wurde damit begonnen, den See mit einer meterdicken Betonschicht zu verschließen. Bildrechte: IMAGO
Ein Mann mit Mundschutz
Die Arbeiter trugen Schutzkleidung und durften nur jeweils kurze Zeit am See arbeiten. Die Strahlung - tödlich. Bildrechte: IMAGO
Männer im Inneren eines gepanzerten LKW fahren über den radioaktiv verstrahlten Karatschai-See in Russland.
An den Kabinen der LKW waren Bleiplatten befestigt worden, die die Fahrer vor der tödlichen Strahlung schützen sollten. Bildrechte: IMAGO
Der radioaktiv verstrahlte Karatschai-See in Russland
Mittlerweile bröckelt die Betondecke und Wasser tritt hervor. Wissenschaftler befürchten, dass die Radioaktivität des Karatschai-Sees über das Grundwasser ins arktische Meer gelangen könnte. Bislang gibt es dazu aber keine Erkenntnisse. Die Radioaktivität im See wird jedenfalls noch einige Tausend Jahre anhalten. Und der See auch weiterhin als das tödlichste Gewässer der Welt gelten ...
(SL)
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 08.12.2010 | 21:45 Uhr)
Bildrechte: IMAGO
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Verfallene Häuser im Dorf Mitlino
Eine Woche nach der Katastrophe wurden etwa 1.000 Menschen umgesiedelt, die 25 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt wohnten. In den darauf folgenden Jahren mussten weitere 10.000 Menschen ihre Dörfer verlassen. Die Häuser wurden anschließend abgerissen, um die Menschen von einer späteren Rückkehr abzuhalten. Nur die Gotteshäuser ließ man stehen. Bildrechte: dpa