Kosmetik-Boom "Made in Poland"

Die polnische Kosmetikbranche erobert die Welt: Internationale als auch heimische Firmen stellen hier Kosmetika her. Polnische Firmen haben es auf die renommiertesten Einkaufsstraßen der Welt geschafft. In Polen kann man sogar einen Studienabschluss in "Kosmetologie" machen.

Polnischer Nagellack Inglot
Bildrechte: Alicja Malinowski/MDR

Alles gute kommt aus.....

Egal ob Gesichtscreme, Haarshampoo oder Parfums: Immer mehr Pflege- und Schönheitsprodukte kommen aus Polen. Internationale Kosmetikkonzerne haben den Markt für sich entdeckt. Mittlerweile zählt Polen zu den größten Exporteuren von Kosmetika in der EU. Aber auch polnische Kosmetikmarken schaffen es auf die renommiertesten Einkaufsstraßen der Welt. Internationale als auch inländische Firmen stellen in Polen Kosmetika her.

Die Gründe: Die strategisch günstige Lage, niedrige Lohnkosten und das Know-how sind Gründe für den Erfolg Polens in diesem Industriezweig. Fakt ist: In Polen sind heute rund 400 in- und ausländische Firmen ansässig: Große internationale Unternehmen, wie der französische Konzern L'Oreal, starke polnische Player wie Ziaja oder Dr. Irena Eris sowie kleine Firmen, zählt der polnische Kosmetikverband auf.

Verschiedene Shampo-Sorten von  L'Oreal
Pflegeprodukte "Made in Poland" füllen die Regale. Bildrechte: IMAGO

Nach Angaben von Germany Trade & Invest (GTAI) produzierte 2016 allein bei L’Oréal Polen der Warschauer Standort 380 Millionen Kosmetikartikel, von denen rund 92 Prozent exportiert wurden, hauptsächlich nach Westeuropa. Auch das Nivea-Werk der Beiersdorf Manufacturing Poznan exportiert 90 Prozent der dort hergestellten Cremes.

Kosmetik = Exportschlager

Zahlen - die im Trend liegen:

Junge Frau hat ein Smiley in ihrer Nivea-Creme gezeichnet
Seit 2012 wurden 32 Millionen Euro in das Nivea-Werk in Polen investiert. Bildrechte: IMAGO

Polen führte 2016 rund 600.000 Tonnen Kosmetik- und Pflegeprodukte aus und exportierte Waren im Wert von umgerechnet rund 3 Milliarden Euro. Inzwischen werden Kosmetikartikel aus Polen in 160 Länder exportiert, darunter Mexiko, Indonesien und Australien. Nach Angaben des Statistischen Hauptamtes GUS stieg der Wert der Kosmetikexporte zwischen 2010 und 2016 um insgesamt fast 60 Prozent.

Einer der Hauptabnehmer ist Deutschland, gefolgt von Großbritannien (Platz 2) und Russland (Platz 3). Nach Angaben der "Gazeta Wyborcza" hat sich Polen in der EU zum sechstgrößten Kosmetikproduzenten etabliert.

Die Nachfrage nach Kosmetika aus Polen wächst. Laut "Euromonitor International" erreichten die Einzelhandelsverkäufe 2016 einen Wert von umgerechnet 3,7 Milliarden Euro. Für 2021 prognostiziert die Cosultingfirma Deloitte einen Anstieg der Verkäufe auf 4,8 Milliarden Euro.

Heimische Groß-Hersteller

Und da auch die heimische Nachfrage wächst, will Polen noch mehr Kosmetika herstellen. Einheimische Konzerne investieren fleißig und ausländische Investoren bauen ihre Werke weiter aus in Polen. Die polnische Kosmetikbranche wird von 2015 bis 2020 über 70 Millionen Euro für neue Fabriken, moderne Technologielinien und Logistikbasen aufwenden - so GTAI.

Zu den bekanntesten Branchenriesen in Polen gehört neben Ziaja das Familienunternehmen "Dr. Irena Eris Kosmetik". Heute ist die promovierte Pharmazeutin Irena Eris eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Polens. 1983 gründete sie ihre nach ihr benannte Firma.

Dr. Irena Eris, Gründerin Laboratorium Kosmetyczne und Schauspielerin Emmanuelle Seigner anlässlich der Präsentation einer Kosmetik-Linie.
Die Kosmetikchefin Dr. Irena Eris vertreibt neben Gesichtscremes auch Spa-Hotels in Polen. Bildrechte: IMAGO

Mit dem Ausbau ihrer Produktionshalle bei Warschau wird sie die Kosmetikproduktion verdoppeln: Statt 30 sollen 60 Millionen Kosmetikartikel, wie z.B. Cremes oder Make-up jährlich vom Band laufen. Nach Angaben des polnischen Nachrichtenmagazins "Wprost" zählt Irena Eris zu den reichsten Frauen Polens. Ihre Produkte werden in 60 Länder exportiert, darunter in Drogeriemärkten in Großbritannien, Tschechien oder Dänemark.

Auch Polens vor allem für Nagellack bekannte Firma Inglot Cosmetics schaffte es auf einige der renommiertesten Einkaufsstraßen der Welt: Die Marke ist unter anderem am Broadway im New Yorker Stadtteil Manhattan, auf der Via del Corso in Rom sowie der Düsseldorfer Königsallee zu finden.

Kosmetik als Studienfach

Und Polen legt sogar noch einen drauf: Man setzt auf den Nachwuchs!

An mehr als 60 polnischen Hochschulen werden Studiengänge im Bereich "Kosmetologie" angeboten. Nach Angaben des Branchenverbands ist dies das EU-weit größte Hochschulangebot - allein neun staatliche Universitäten bieten das Fach. Neben Litauen ist Polen das einzige Land, in dem Kosmetik auf Hochschulniveau gelehrt wird.

Polens Kosmetik-Pioniere

Polen blickt in Sachen "Kosmetik" auf eine lange Tradition und nahmhafte Hersteller zurück. Die Polin Helena Rubinstein aus Krakau begann mit dem Verkauf polnischer Cremes in Australien ihre Karriere. Mit ihren Schönheitsprodukten brachte sie es zur Multimillionärin. 1953 errichtete Rubinstein unweit von New York eine der größten Fabriken, die je von einer Frau geschaffen wurden.

Helena Rubinstein (historisches Foto), neben Kaufhausregal mit Kosmetikprodukten - Bildmontage
Die Kosmetik-Pionierin Helena Rubinstein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als sie 1965 starb, hinterließ Helena Rubinstein ein Imperium. Das ist bis heute erfolgreich auf dem Weltmarkt. Der Name Helena Rubinstein ist auch lange nach dem Tod der Firmengründerin ein Begriff. Auch Max Factor, bürgerlich "Maksymilian Faktorowicz" lernte sein Handwerk in Łódź.

Die Nachfrage nach Kosmetika kommt nicht von ungefähr. Die Polen sind eine wichtige Käufergruppe: Laut einer "GFK Beauty"-Untersuchung von 2016 spielt für rund 44 Prozent der Polen ein gepflegtes Aussehen eine wichtige Rolle. Somit liegt Polen über dem europäischen Durchschnitt von 29 Prozent.

(Ama)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR | 03.03.2004 | 16:00 Uhr