Manenmahl und Blumen
Ort des Gedenkens in Maly Trostenez Bildrechte: Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund

Maly Trostenez - Ein vergessenes Vernichtungslager

Maly Trostenez war während der deutschen Besatzung der größte nationalsozialistische Massenvernichtungsort in Belarus. Jahrzehntelang war dieses Vernichtungslager ein weißer Fleck auf der Erinnerungslandkarte.

Manenmahl und Blumen
Ort des Gedenkens in Maly Trostenez Bildrechte: Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund

Jedes Jahr am 27. Januar wird der Opfer des Holocaust gedacht. 1945 wurde an diesem Tag das KZ Auschwitz befreit. Doch Auschwitz war nur eines von vielen Vernichtungslagern, die das Naziregime im heutigen Polen und in Weißrussland errichten ließ, um Menschen fabrikmäßig zu töten. Eine dieser Mordstätten blieb jahrelang ein weißer Fleck auf der Erinnerungs-Landkartekarte: Maly Trostenez. Nun ist dort eine Gedenkstätte entstanden.

Größter Vernichtungsort in Belarus

Trostenez, ein Vorort der belarussischen Hauptstadt Minsk, war während der deutschen Besatzung 1941 bis 1944 der größte nationalsozialistische Massenvernichtungsort in Belarus. Im angrenzenden Wald von Blagowschtschina wurden Zehntausende Juden aus mehreren europäischen Ländern getötet und in Gruben verscharrt.

Bereits kurz nach der Besetzung von Belarus wurden im Minsker Ghetto mehr als 60.000 Juden eingesperrt. Ab November 1941 wurden auch Juden aus anderen europäischen Ländern, darunter auch aus Deutschland, dorthin deportiert – insgesamt rund 22.000 Menschen.

Mali Trostenez
Gedenkstätte Maly Trostenez Bildrechte: Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund

Nachdem im Januar 1942 die "Endlösung der Judenfrage" organisiert worden war, ließen die Nazis zwölf Kilometer von Minsk entfernt, in der Nähe des Gutes Maly Trostenez, eine Mordstätte errichten. Die Opfer kamen in Sonderzügen an, wurden mit LKW zu einer Lichtung im Wald von Blagowschtschina gebracht, erschossen und in Gruben verscharrt. Ab dem Sommer 1942 wurden zusätzlich Gaswagen eingesetzt. Im September 1943 wurde das Minsker Ghetto schließlich aufgelöst.

206.500 Menschen in Maly Trostenez ermordet

Um die Spuren der Massenmorde zu verschleiern, exhumierte ein geheimes Spezialkommando im Rahmen der "Aktion 1005" zwischen Oktober und Dezember 1943 die Leichen und verbrannte sie. Für die weiter andauernde Ermordung der Juden und der belarussischen Partisanen wurde in der Nähe ein Krematorium eingerichtet, das bis Juni 1944 in Betrieb war.

Nach Schätzungen einer sowjetischen Kommission, die 1945 drei der 34 Massengräber von Blagowschtschina untersuchte, sollen 206.500 Menschen in Maly Trostenez ermordet worden sein. Nach westlichen Schätzungen lag die Opferzahl aber deutlich niedriger, bei etwa 50.000 bis 60.000 Menschen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet das Vernichtungslager allmählich in Vergessenheit, da sich die sowjetische Geschichtsschreibung nur wenig für jüdische Opfer interessierte. Zwischenzeitlich bedeckte sogar eine Müllkippe das Areal. Später wurden ein Obelisk und einige kleine Gedenksteine im Wald aufgestellt. Erst 2014 wurde der Grundstein für eine große Gedenkstätte gelegt, die vor allem mit deutschen Spendengeldern finanziert wurde. Zur Eröffnung der Gedenkstätte im Juni 2018 kamen auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein österreichischer Amtskollege Alexander Van der Bellen.

Eine Karte mit Vernichtungslagern in Polen und Weissrussland
Vernichtungslager in Polen und Belarus Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR aktuell | 23.03.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 14:50 Uhr