Bidsina Iwanischwili, 2013
Held oder Schurke? Bidsina Iwanischwili polarisiert in seiner Hemait Georgien. Bildrechte: IMAGO

Die Mini-Trumps in Osteuropa: Georgiens Bidsina Iwanischwili

Reichster Mann des Landes und Politiker: Der georgische Unternehmer Bidsina Iwanischwili nutze diese Machtfülle zum Wohle des Volkes, sagen seine Unterstützer. Kritiker halten ihn für einen korrupten Agenten Russlands.

Bidsina Iwanischwili, 2013
Held oder Schurke? Bidsina Iwanischwili polarisiert in seiner Hemait Georgien. Bildrechte: IMAGO

Wie ein abgestürztes Raumschiff krallt sich das riesige Anwesen von Bidsina Iwanischwili in die Hänge des Mtazminda, dem Hausberg der georgischen Hauptstadt Tbilissi. Der 50 Millionen Euro teure, futuristische Neubau ist eine kühne, stahlgewordene Zukunftsvision, ein Meisterwerk der Architektur und Symbol des moderen Georgiens. Das sagen die einen. Der Komplex ist eine prollige Machtdemonstration, eine durch Schmiergeld und gegen etliche Gesetze errichtete Vergewaltigung des Stadtpanoramas, sagen die anderen.

In jedem Fall gäbe der Bau eine hervorragende Filmkulisse ab: als Hauptquartier eines James-Bond-Bösewichts. Aber auch als Basis der weltrettenden Avengers aus der gleichnamigen Comicverfilmung. So sehr wie sein Haus polarisiert auch Iwanischwili - der reichste Mann Georgiens - das Land. Je nach Gesprächspartner ist er wahlweise Held oder Schurke, für manchen beides.

Aufstieg in Russland

Geboren wurde Iwanischwili 1956 in eine bettelarme Arbeiterfamilie im zentralgeorgien Dorf Tschorwila. Aufgrund guter Noten konnte er Ende der 1970er Jahre in Tblissi Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften studieren, 1982 wechselte er nach Moskau. Dort lernte er seinen späteren Geschäftspartner Witali Malkin kennen. Gemeinsam importieren sie Computer und Telefone nach Russland.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gründeten die beiden eine Bank und kauften Eisenminen aus Staatsbesitz, der Anfang der 1990er Jahre privatisiert wurde. Die steigenden Rohstoffpreise machten daraus im folgenden Jahrzehnt ein äußerst lukratives Geschäft. Iwanischwili nahm zu dieser Zeit auch die russische Staatsbürgerschaft an. Bis 2003 wuchs sein Privatvermögen auf über drei Milliarden Dollar. Dabei hätte er sich niemals mit der Mafia oder korrupten Beamten eingelassen, betont Iwanischwili immer wieder.

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Rückkehr und politisches Engagement

Im gleichen Jahr kehrte der Selfmade-Milliardär nach Georgien zurück. Nach der sogenannten "Rosenrevolution" finanzierte Iwanischwili heimlich die Reformen des neuen Präsidenten Mikhail Saakaschwili. Er stattete die georgische Armee aus eigenem Mitteln aus und zahlte die Gehälter hoher Beamten, um so Korruption vorzubeugen. Doch in den folgenden Jahren überwarf sich der Unternehmer mit Saakaschwili. Denn der ließ Oppositionelle foltern und verstrickte das Land 2008 in einen Krieg mit Russland.

Daher gründete Iwanischwili 2012 das Parteienbündnis "Georgischer Traum", um zur Parlamentswahl anzutreten. Diese gewann er im Oktober des gleichen Jahres und wurde Premierminister, trat jedoch gut ein Jahr später zurück. Einer der Auslöser waren die Veröffentlichungen der Panama Papers. Diese belegen, dass Iwanischwili auf den Jungferninseln zur "Steuervermeidung" Briefkastenfirmen gegründet hatte. Strafrechtlich verfolgt wurde er dafür bis heute nicht.

Held oder Schurke?

Der Georgische Traum stellt auch nach der letzten Wahl Ende 2016 die Parlamentsmehrheit und der Regierungchef. Bis heute hat das Bündnis kein offizielles Wahlprogramm. Die Strömungen unter den Mitgliedern reichen von pro-westlich liberal bis zu radikal-nationalistisch. Ex-Präsident Sakaschwili - mittlerweile ein Intimfeind seines Nachfolgers - wirft Iwanischwili und dem Georgischen Traum vor, verdeckt russische Interessen zu vertreten. Belege dafür gibt es aber nicht. Im Gegenteil: Die Regierung wirbt öffentlich für einen Beitritt zur EU und NATO.

Korrupter Agent Russlands oder selbstloser, pro-westlicher Reformer? So weit wie das Spektrum der Mitglieder des Georgischen Traums reichen auch die Einschätzungen zu Iwanischwili. Unbestritten ist er weiterhin der reichste Mann Georgiens, aus der Politik hat er sich offiziell zurückgezogen. Ein Filmteam der ARD durfte ihn 2014 in seinem Anwesen besuchen. Wie die Brücke eines Raumschiffes überblickt das komplett verglasten Büro von Iwanischwili die Altstadt und das Zentrum von Tblissi. Auch das Parlament und den Präsidentenpalast hat er von da immer im Blick.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: TV | 19.05.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2017, 10:07 Uhr