Osteuropa

Die Kommunalkas Platz ist auf engstem Raum

Blick in den Flur einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Wo man Bad, Küche, Flur mit anderen Familien teilen muss, bleiben Streitigkeiten nicht aus. Die Zellen engsten Zusammenlebens sind längst ein Forschungsthema für Soziologen. Doch auch Literaten beschäftigen sich immer wieder gern mit der Kommunalka. Der weltbekannte Autor Michail Bulgakow, der selbst in einer lebte, schrieb in seinem Roman "Der Meister und Margarita" über die soziale Kontrolle in den Kommunalkas: "Das Hauskomitee hat ein Auge, und auf dem Hauskomitee ruht noch ein Auge!" Bildrechte: IMAGO
Blick in die Küche einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Kommunalkas – die russische Kurzform von kommunalnaja kvartira - sind Gemeinschaftswohnungen: Pro Zimmer eine Familie. Die Wohnform entstand Ende der 1920er-Jahre. Im Zuge der Industrialisierung zogen Millionen von Bauern in die sowjetischen Großstädte, doch fehlte Wohnraum für sie. Der Staat ließ die Wohnungen reicher Bürger zimmerweise an die Neuankömmlinge verteilen. Noch heute wohnt man zusammen, inzwischen aus finanziellen Zwängen. Geteilt wird Vieles, auch die Küche, der Herd aber bleibt der eigene. Bildrechte: IMAGO
Klingelschild eines Wohnblocks
Immerhin: Jeder Bewohner einer Kommunalka hat eine eigene Klingel und einen eigenen Stromzähler im Zimmer. Gibt es Privatsphäre? Fehlanzeige. Intimität? Nur wenig. Wie beschreibt der Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky in seinem Werk "Erinnerungen an Leningrad" die Lebensverhältnisse in einer Kommunalka so schön: "Unsere Eltern liebten sich, während wir uns schlafend stellten." Bildrechte: IMAGO
Neubauten in Moskau
Moskau, mit seinen gut zwölf Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas, gehört heute zu den zehn teuersten Metropolen weltweit. Die Mieten in sanierten oder neugebauten Wohnvierteln sind teuer. Bei diesem Preisdruck sind die Kommunalkas noch heute eine preiswerte Alternative. Bildrechte: MDR/Juliane Jaschnow
Stadtansicht mit Wohnblocks in russischer Hauptstadt Moskau
91.000 Kommunalkas soll es heute noch in Moskau geben, übrigens nicht nur im Altbau, sondern auch im Neubau. Ein Unterschied aber existiert zu früher: Die Bewohner, die früher das Zimmer nur mieten konnten, können es inzwischen auch kaufen. Einfacher macht dies das Zusammenleben aber nicht. Bildrechte: IMAGO
Blick in den Flur einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Wo man Bad, Küche, Flur mit anderen Familien teilen muss, bleiben Streitigkeiten nicht aus. Die Zellen engsten Zusammenlebens sind längst ein Forschungsthema für Soziologen. Doch auch Literaten beschäftigen sich immer wieder gern mit der Kommunalka. Der weltbekannte Autor Michail Bulgakow, der selbst in einer lebte, schrieb in seinem Roman "Der Meister und Margarita" über die soziale Kontrolle in den Kommunalkas: "Das Hauskomitee hat ein Auge, und auf dem Hauskomitee ruht noch ein Auge!" Bildrechte: IMAGO
Blick über die Moskwa auf ein Stalin-Hochhaus im Zuckerbäckerstil.
Doch nicht nur in den Kommunalkas ist es eng. Rein rechnerisch, so schrieb die "Süddeutsche Zeitung" im März 2016, leben in einem Zimmer in Moskau durchschnittlich 1,3 Personen. Während ein Europäer im Durchschnitt um die 35 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung hat, sind es für Moskauer nur 22 Quadratmeter. Es ist in der russischen Hauptstadt einfach mal enger. Bildrechte: IMAGO
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