WM 2018: Facelift für Russland

Neue Parks, Straßen und Fahrradwege: Russland putzt sich raus und nimmt kräftig Geld in die Hand. Allein zum Moskauer Stadtjubiläum wurden in vier Monaten mehr als eine Milliarden Euro verbaut. Doch sicher spielen auch zwei Ereignisse eine Rolle, die 2018 stattfinden: die Präsidentschaftswahl und die Fußball-WM.

Osteuropa

 Besucher im Moskauer Zaryadye Park. 2 min
Bildrechte: dpa/MDR-Grafik

Die russische Hauptstadt Moskau unterzieht sich einem Facelift unvorstellbaren Ausmaßes. Innerhalb von nur vier Monaten wurden 80 Straßen erneuert, 30 Kilometer neuer Fahrradweg gebaut und 3.000 Hinterhöfe verschönert. Gebaut wird im Akkord: Arbeiter sanierte eine Straße schon mal komplett an nur einem Tag.

Es werde grün

Und mitten in der Millionen-Metropole gibt es plötzlich einen neuen Park mit Bodenheizung. Das Hotel, das vorher dort stand, ließ die Stadt sprengen. Allein in Moskau investierte die Regierung mehr als eine Milliarde Euro. Moskau hat nicht nur anlässlich des 870. Geburtstag kräftig in die Tasche gegriffen. 2018 ist schließlich ein großes Jahr für Russland: die Fußball-WM und Wahlen stehen an.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Auch in anderen russischen Städten tut sich einiges: Knapp 300 Millionen Euro hat Jekaterinburg nach offiziellen Angaben für die Infrastruktur und das Erscheinungsbild der Region ausgegeben. Selbst in der russischen Exklave Kaliningrad werden die Fassaden im Stadtzentrum renoviert, Straßenschilder bekommen Hinweise auf Englisch und auf Gullideckeln prangt der WM-Schriftzug "Russia 2018".

Immer online

Zurück nach Moskau: Bei den umfangreichen Arbeiten wurde auch an die Generation Handy gedacht. 800 Bushaltestellen sind nun mit Wi-Fi und Ladestationen für Smartphones ausgerüstet, damit Moskaus Blogger nie wieder Panik haben müssen, dass die Akkuladung ihrer Smartphones nicht mehr zum Posten reicht. Doch anstatt zu zeigen, wie hübsch alles wird, wurden die Blogger zum Problem: Sie dokumentierten jeden nicht eingebauten Gully und jede unprofessionell verarbeitete Regenrinne. Und dann rollten nachts wieder die Baufahrzeuge an…

Bauen mit Gastarbeitern

Natürlich hat auch diese Verschönerungsgeschichte eine nicht ganz so glamouröse Seite. In Moskau wurden allein in diesem Jahr 800.000 Gastarbeiter registriert, die sich für Moskaus Glanz und Glamour die Finger wund gearbeitet haben. Sie stammen größtenteils aus Zentralasien und dem Kaukasus. Ihr durchschnittlicher Monatsverdienst liegt bei 400 Euro.

War das nötig?

Natürlich gibt es auch Kritik. Viele Moskauer fragen die Stadtverwaltung, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, das viele Geld für Schulen und den sozialen Wohnungsbaus auszugeben. Und dann sind da ja auch noch die Chrustschowkas. Viele von den billigen Wohnplatten, die ab Mitte der 1950er Jahre schnell hochgezogen worden waren, sollen angerissen werden. Dagegen protestieren noch immer Moskauer Bürger.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Heute im Osten.Dok | 25.03.2016 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 11:39 Uhr