Wie Russlands Präsident Putin mit seiner TV-Show Politik macht

Das ist Politik nach Putins Geschmack. In seiner jährlichen TV-Sendung "Direkter Draht" inszeniert sich der russische Präsident als Therapeut, Prophet und Problemlöser.

Einmal im Jahr läuft im russischen Fernsehen die TV-Sprechstunde des russischen Präsidenten. Live auf allen großen Kanälen präsentiert sich Putin als besorgter Vater, der seinem Volk hilft. Damit steht er zwar nicht alleine. Altbundeskanzler Gerhard Schröder verstand es seinerzeit ebenfalls außerordentlich gut, sich als Retter in der Not zu stilisieren, der dem kleinen Mann aus der Patsche hilft. Beispielsweise als 1999 der Baukonzern Holzmann und damit tausende Arbeitsplätze in Not gerieten. Doch eine fast vierstündige Fernseh-Show, wie sie Putin Jahr für Jahr abliefert, ist wohl einzigartig.

TV Studio "Direkter Draht" 3 min
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Fr 09.06.2017 14:00Uhr 03:11 min

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"Warum sind die Flüge in Russland so teuer?"

Stundenlang dürfen Zuschauer aus dem ganzen Land anrufen und sagen, was sie stört. Millionen Fragen gehen jährlich ein, telefonisch, online über soziale Netzwerke, per Video-Chat. Auf der Sendungs-Homepage kann man schon mal einen Blick auf beliebte Fragen an den Präsidenten werfen. Welche Strafen bekommen eigentlich korrupte Politiker? Warum bekommen die Krankenschwestern in Moskau so einen mickrigen Lohn? Warum sind die Flüge in Russland so teuer?

Der Mann, ohne den in Russland nichts geht ...

Wie Putin darauf reagiert, sei symptomatisch für seine Politik, erklärt unser Ostblogger aus St. Petersburg Maxim Kireev: "Putin jongliert mit Zahlen, beweist Fachwissen und weist auch Gouverneure und Bürgermeister zurecht. Die wiederum dürften zittern. Denn dann sind es sie, die für alle Problem im Land verantwortlich gemacht werden. Putin, so die Botschaft, sei der Mann, ohne den in Russland nichts geht. Der Rest, das sind keine Politiker, sondern höchstens Untergebene."

Kremlkritiker verhöhnen die Talkshow schon lange als Dauerwerbesendung. Was volksnah und spontan wirke, sei nicht zufällig. Die Fragesteller seien handverlesen und vieles sei organisiert. Eine perfekte Inzenierung.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 14.04.2016 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 08:59 Uhr

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