Das Geschäft mit illegalem Müll

Das Geschäft mit illegalem Müll

Osteuropa

Eine Mülldeponie 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wegwerfgesellschaft Ost

Ausgemustert: Autos am Straßenrand

Es war fast schon eine Art Volkssport in den neuen Bundesländern: Bis Mitte der 1990er-Jahre wurden dort Tausende Autos illegal entsorgt. Oft an Straßenrändern, mitunter aber auch an exponierten Stellen.

Inmitten von Sperrmüll steht ein ausgeplünderter Wartburg.
Was noch kurz vorher ausgesprochen wertvoll war, landete nun massenweise auf dem Müll. Nicht wenige Autobesitzer wollten sich das Geld für die Verschrottung ihres Wagens sparen und stellten ihre fahrbaren Untersätze einfach irgendwo ab. Bildrechte: dpa
Inmitten von Sperrmüll steht ein ausgeplünderter Wartburg.
Was noch kurz vorher ausgesprochen wertvoll war, landete nun massenweise auf dem Müll. Nicht wenige Autobesitzer wollten sich das Geld für die Verschrottung ihres Wagens sparen und stellten ihre fahrbaren Untersätze einfach irgendwo ab. Bildrechte: dpa
Im historischen Schloßpark von Schwerin stehen die ausgeplünderten Reste eines Trabis. Zwei alte Leute schauen verdutzt.
Ab und an suchten illegale Entsorger auch bewusst eine größere Öffentlichkeit und hinterließen ihre "Installationen" im Schweriner Schlosspark oder … Bildrechte: dpa
Ein augeschlachteter Trabant vor dem Palast der Republik in Berlin.
… 1991 vor dem Palast der Republik. Ein beziehungsreiches Bild. Denn ein Jahr zuvor hatte die DDR-Volkskammer auch den sozialistischen Vorzeigebau geschlossen und gewissermaßen auf den Müll geworfen. Bildrechte: dpa
Abgestellte ausgeschlachtete Trabant am Rande  eines ehemaligen Braunkohle-Tagebaus.
Das "kreative Parken" alter Autos wurde zu einem regelrechten Volkssport. Allein in Berlin registrierten die Behörden 1990 in nur vier Wochen mehr als 900 illegal entsorgte Autowracks. Dass sich viele vor allem ihrer Trabis auf diese Weise entledigten, hatte indes einen handfesten Grund. Die Karosse aus Duroplast ließ sich nicht ohne weiteres verschrotten. Westdeutsche Autohändler forderten deshalb saftige Gebühren. Und Schrotthändler in Ost und West weigerten sich, die "Plastebomber" anzunehmen mit dem Hinweis, sie seien schließlich keine Kunststoffverwerter. Bildrechte: IMAGO
Ein zum Blumenkübel umfunktioniertes Autowrack in einem Hinterhof.
Interessante Nachnutzung …
Ob es sich bei diesem "Blumenkübel", den ein Fotograf 1993 in Berlin-Prenzlauer Berg ablichtete, um illegal entsorgten Schrott oder künstlerische Projektarbeit handelt, ist sicherlich eine Frage der Auslegung. Eine Alternative zum Abstellen am Straßenrand ist es auf jeden Fall.
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Weggeworfen: Illegale Müllentsorgung in der Wendezeit

Ab 1990 entstanden in der DDR Tausende illegaler Müllhalden. Sie "wuchsen" am Straßenrand, in Wäldern, in verlassenen Fabriken und selbst in Trinkwasserschutzgebieten. Und niemand kümmerte sich darum ...

Wilde Müllkippe inmitten einer ostdeutschen Stadt, 1990
Müllberge auf Fußwegen, Straßen und Grünflächen waren Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands ein gewohnter Anblick. Bildrechte: IMAGO
Wilde Müllkippe inmitten einer ostdeutschen Stadt, 1990
Müllberge auf Fußwegen, Straßen und Grünflächen waren Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands ein gewohnter Anblick. Bildrechte: IMAGO
Wilde Müllentsorgung in Dresden
Nach der Währungsunion 1990 landeten in Ostdeutschland ganze Wohnungseinrichtungen auf dem Müll: Fernseher, Radios, Sofas, Schränke, Esstische, Küchenmöbel und Campingstühle… Wertstoffhöfe gab es noch nicht und eben so wenig Sperrmülltermine. Bildrechte: IMAGO
Inmitten von Sperrmüll in Altglienicke steht ein ausgeplünderter Wartburg.
Hatte das Hausmüllaufkommen der DDR-Bürger 1988 noch bei etwa 180 kg pro Kopf gelegen, schnellte es 1990 rasant auf das Niveau der alten Bundesrepublik hoch, das etwa beim Doppelten lag. Hinzu kamen noch die enormen Mengen an Verpackungsmüll der neuentstandenen Supermärkte und Warenhäuser. Bildrechte: dpa
Chemieabfälle in Korbetha
In der DDR hatten Kombinate und Betriebe häufig Deponien für den bei ihnen anfallenden Müll in eigener Regie angelegt, meist auf dem Betriebsgelände oder auf Brachflächen in der Nachbarschaft. Auf den Kippen wurde abgelagert, was bei der Produktion jeweils anfiel, darunter auch Schwermetalle, toxische Stoffe oder Abwässer aus der chemischen Industrie (im Bild: Chemieabfälle in Korbetha in der Nähe von Leuna-Bitterfeld). Bildrechte: IMAGO
1990, Qualmende Müllberge vor dem VEB Kupferhütte in Mansfeld bei Ilsenburg im Harz
1990 kümmerte sich niemand mehr um diese Deponien – die Betriebe waren großenteils pleite oder kämpften ums Überleben und die Umweltämter hatten ihre Arbeit weitgehend eingestellt. Und so qualmten die Müllberge vor sich hin - wie hier vor einem Betrieb im Mansfelder Land.    Bildrechte: IMAGO
Altmetall auf einem Schrottlatz an der ehemaligen Grenze zwischen BRD und DDR.
Welche Dimension das Problem hatte, zeigt sich in einem simplen Zahlenvergleich: 1990 fielen im Osten Deutschlands laut einer Studie des Bundesumweltministeriums fast 55 Millionen Industrie-Abfälle an. Aber nur ein Bruchteil davon, 100.00 bis 200.000 Tonnen, landeten in Verbrennungsanlagen oder auf Großdeponien. Der größte Teil des Abfalls wurde einfach in Lagerhallen, Abrissgebäuden oder abgewickelten Betrieben entsorgt.      Bildrechte: IMAGO
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Altlasten aus der DDR

SERO-Annahmestelle 4 min
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Gefährliche Altlasten: Giftmüll aus der DDR 1 min
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Logo MDR 7 min
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Recyceln? Was ist das?

Rumänien produziert pro Kopf die kleinste Menge an Hausmüll in der EU. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, bei der Mülltrennung hinkt das Land stark hinterher.

Das Gelände von Pata Rat am Stadtrand von Cluj-Napoca (Rumänien) wird seit den 1970er-Jahren für Abfall genutzt.
Das Gelände von Pata Rat am Stadtrand von Cluj-Napoca wird seit den 1970er-Jahren für Abfall genutzt. Drei Mülldeponien sind seither dort entstanden. Laut einer Studie des Europäischen Zentrums für die Rechte der Roma (ERRC) ist Pata Rat aufgrund der Schadstoffe in der Luft und im Boden "völlig ungeeignet zum Leben". Dennoch leben rund um die Deponien über 1.500 Roma. Ein Teil von ihnen arbeitet auf der Halde. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Das Gelände von Pata Rat am Stadtrand von Cluj-Napoca (Rumänien) wird seit den 1970er-Jahren für Abfall genutzt.
Das Gelände von Pata Rat am Stadtrand von Cluj-Napoca wird seit den 1970er-Jahren für Abfall genutzt. Drei Mülldeponien sind seither dort entstanden. Laut einer Studie des Europäischen Zentrums für die Rechte der Roma (ERRC) ist Pata Rat aufgrund der Schadstoffe in der Luft und im Boden "völlig ungeeignet zum Leben". Dennoch leben rund um die Deponien über 1.500 Roma. Ein Teil von ihnen arbeitet auf der Halde. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Schaufelbagger zum Umgraben des Mülls: Auf dem Reklameschild wirbt die Stadt Cluj-Napoca für Abfallrecycling.
Schaufelbagger zum Umgraben des Mülls: Auf dem Reklameschild wird für Abfallrecycling und eine saubere Stadt geworben. In Wirklichkeit lässt sich Cluj-Napoca den Müll erst auf den Deponien von Roma sortieren. Würde es diese billigen Tagelöhner nicht geben, wäre die Umweltverschmutzung durch die Deponien deutlich höher. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Arbeiter auf der rumänischen Mülldeponie von Pata Rat (Rumänien), Krähen fliegen über der Halde
Rumänien gehört in Sachen Mülltrennung zu den Schlusslichtern der EU. Nur ein Bruchteil des Mülls wird überhaupt getrennt, bevor er auf Deponien wandert. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Roma sortieren den Müll auf der Deponie von Pata Rat (Rumänien) und suchen nach Essbarem
Bis zum Jahr 2020 hat sich Rumänien verpflichtet, mindestens 50 Prozent des Hausmülls zu trennen. Bei Nichterfüllung muss das osteuropäische Land laut EU-Regelung eine Strafe von 200.000 Euro pro Tag an die EU-Kommission zahlen. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Rumänien produziert EU-weit pro Kopf die kleinste Menge an Hausmüll
Auch wenn Rumänien beim Recyceln hinterherhinkt, eine gute Nachricht gibt es dennoch aus dem Land: Rumänien produziert EU-weit pro Kopf die kleinste Abfallmenge: 254 Kilogramm pro Jahr. Die Deutschen liegen bei 616 Kilogramm pro Person. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Sinti-Familie in Siebenbürgen sammelt Altmetall auf einer Müllkippe
Die Stadtverwaltung von Cluj-Napoca hat einen Teil der Roma rund um die Deponie von Pata Rat zwangsangesiedelt und offenkundig darauf gesetzt, dass die Roma versuchen werden, vom Müll zu leben. Bildrechte: IMAGO
Roma wohnen in improvisierten Bretterverschlägen neben der Müllkippe von Pata Rat (Rumänien)
An Selbstironie fehlt es den Roma, die neben den Deponien leben nicht. Sie haben ihre Siedlungen nach Dallas I und Dallas II benannt - als Kontrast zum Reichtum in der  US-Erdölstadt Dallas. Wer nahe des Müllberges lebt, gehört zu den Ärmsten der Armen. Gewohnt wird in improvisierten Verschlägen aus Holz, Presspappe und Kunststoffplatten, oft ohne Wasser, Strom und Kanalisation, dafür mit Schweinestall. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Zwei Hände halten drei Mobiltelefone
Ob die Mobiltelefone noch funktionieren? Schwer zu sagen. Der Finder jedenfalls will sie ausprobieren. Bildrechte: Adrian Dohotaru
Abfalltonnen für Flaschen, Papier und Plastik in der rumänischen Hauptstadt Bukarest
Abfalltonnen für Flaschen, Papier und Plastik gibt es in Cluj-Napoca seit dem Jahr 2011. Laut Eurobarometer der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 sind jedoch nur 50 Prozent der Rumänen bereit, ihren Hausmüll zu trennen, bevor er auf die Deponie gelangt. In allen anderen EU-Ländern erklären sich deutlich mehr Menschen dazu bereit. In Deutschland sind es 98 Prozent der Befragten. Bildrechte: Annett Müller/MDR
Der Anthropologe Adrian Dohotaru (rechts) heuerte im November 2015 als Tagelöhner auf der Mülldeponie in Pata Rat an. Links neben ihm ein Roma, der seit Jahren den Müll auf der Deponie sortiert.
Der Anthropologe Adrian Dohotaru (rechts) heuerte im November 2015 als Tagelöhner auf der Mülldeponie in Pata Rat an. Eine Arbeit, die in der Regel nur Roma machen: Der 22-jährige Gabi arbeitet seit zwölf Jahren auf der Halde. Dohotaru blieb hingegen nur drei Tage lang. Bildrechte: Adrian Dohotaru
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