Mythos Moskau Metropole im Wandel

Moskau ist die russischste aller russischen Städte. 2017 feierte die Metropole an der Moskwa ihren 871. Geburtstag. Seit 100 Jahren, seit dem 12. März 1918 ist Moskau auch wieder Hauptstadt. Wirtschaftliches und geistig-kulturelles Herz Russlands war es immer - und ist mehr denn je im Wandel.

Blick auf die Basilius Kathedrale in Moskau
Das Zentrum Moskaus: Links der Kreml, rechts die Basilius-Kathedrale. Bildrechte: colourbox.com

Moskau ist das ökonomische und politische Zentrum Russlands und mit gut zwölf Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Europas. Die Moskauer haben für ihre Stadt viele zärtliche Namen: Sie nennen es das Herz Russlands oder Mütterchen Moskau. Manchmal sprechen sie mit geschwellter Brust auch vom "Dritten Rom".

Offiziell gibt es Moskau seit dem Jahr 1147. Die meiste Zeit war Moskau auch russische Hauptstadt, ab 1480 - bis Zar Peter der Große im Jahr 1712 das Privileg an Sankt Petersburg vergab. Im Zuge der Oktoberrevolution erklärten die Bolschewiki Moskau am 12. März 1918 wieder zur Hauptstadt.

Die russischste aller russischen Städte durchlebt seit Jahren einen gewaltigen Wandel. Seit 2012 hat sie sich flächenmäßig mehr als verdoppelt und durch eine massive Eingemeindung eine Fläche in etwa der Größe von Berlin zugeschlagen bekommen. Experten schätzen die Kosten für die neue Infrastruktur auf mehrere Milliarden Euro. Ursprünglich war sogar der Bau eines neuen Regierungsviertels angedacht, ein Vorhaben, um das es aber inzwischen äußerst ruhig geworden ist.

Datscha, Matroschka und Moskwitsch

Doch gibt es auch viele Konstanten in Moskau. Touristenattraktion Nummer eins ist weiterhin der Rote Platz mit dem Lenin-Mausoleum und dem Kreml. Auch die Matroschka gehört heute noch zu den beliebtesten Mitbringseln aus der Stadt. Selbst die Kommunalka, eine sehr enge und sehr russische Form des Zusammenlebens hat in Moskau überlebt, auch weil die Millionenmetropole die teuerste Stadt Europas ist.

Zum Mythos Moskau gehört aber auch der legendäre Moskwitsch, die einstige Vorzeigekarosse der Sowjetrepublik, die in der russischen Hauptstadt bis 2001 produziert wurde. Inzwischen erlebt der Fahrzeugtyp eine Art Comeback, in der Stadt gibt es eine regelrechte Retro-Welle. Vor allem junge Moskauer fahren aufgetunte Moskwitsch-Modelle.

Und natürlich brauchen die Moskauer hin und wieder auch etwas Abstand von ihrer Lieblingsstadt. Statistiken zufolge hat fast jeder dritte Moskauer Haushalt eine sogenannte Datscha, ein Land- oder Ferienhaus. Im Moskauer Umland gibt es etwa eine Millionen dieser Sommerhäuser. Startet im Mai die Datschen-Saison, staut sich am Freitagabend der Verkehr Richtung Stadtrand und am Sonntagabend wieder zurück.

(zuerst veröffentlicht am 23.03.2016)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Heute im Osten.Dok | 25.03.2016 | 18:05 Uhr