Nationalparks und Natur pur im Osten

Natur pur im Osten

Osteuropa

Bootsanlegestelle am Zabaikalsky National Park.
Russland 40 Nationalparks gibt es in Russland. Als einer der schönsten gilt vielen der Sabaikalski Nationalpark in Südosten des Landes. Der riesige Baikalsee mit Buchten und Halbinseln und der Barguziner Höhenzug laden zum Wandern und Paddeln ein. Bildrechte: IMAGO

Europas letzter Urwald in Gefahr

Polens Regierung will im Białowieża-Nationalpark abholzen

Der Białowieża-Nationalpark im Nordosten Polens gilt als einer der letzten Urwälder Europas. Doch nun droht er der Holzindustrie zum Opfer zu fallen. Ein neues Gesetz macht es möglich.

Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Wisentbulle Potus im Bialowieza-Nationalpark
Der 1932 gegründete erste Nationalpark Polens beherbergt eine der vielfältigsten Pflanzen- und Tierwelten Europas. So sind hier mehrere bedrohte Tierarten beheimatet. Darunter der Wisent, das Aushängeschild des Parks. Dieser urtümliche Vetter des Bisons war im 20. Jahrhundert in freier Wildbahn bereits ausgestorben. In Białowieża wurden er 1952 wieder ausgewildert. Heute existiert im Naturpark eine stabile Population von 450 Tieren. Bildrechte: dpa
Prinz Charles betracht 2010 Europäische Bisons
Der Zugang zum Park ist streng limitiert und erfolgt nur auf ausgesuchten Pfaden. Trotzdem zieht es jährlich bis zu 140.000 Besucher nach Białowieża. Darunter ist auch Prominenz: 2010 besuchte Prinz Charles den Park. Bildrechte: dpa
Das Polnische Parlament in Warschau
Doch nun ist der einzigartige Naturraum in Gefahr. Ende Dezember beschloss das polnische Parlament - obwohl nur Abgeordnete der Regierungspartei PiS anwesend waren - eine Änderung des "Gesetzes zu Naturschutz und Wald". Diese besagt, dass polnische Waldbesitzer künftig Bäume auch ohne die zuvor notwendige Genehmigung der lokalen Behörden fällen dürfen. Das betrifft immerhin drei Viertel aller polnischen Wälder. Bildrechte: dpa
Andrzej Duda
Am 1. Januar 2017 unterschrieb Präsident Andrzej Duda die Gesetzesänderung, die derzeit stark in Polen diskutiert wird. Das Gesetz hat auch Folgen für den Białowieża-Nationalpark: 80 Prozent des bislang geschützten Gebiets gehören dem polnischen Staatsforst. Und der will dort Hunderttausende Bäume schlagen. Bereits durch eine Regelung von 2016 betrifft das 100.000 Bäume im Nationalpark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Offiziell dient die Neuregelung dem "aktiven Schutz" vor dem Borkenkäfer. Das Insekt befällt vor allem Fichten und trägt damit zum Baumsterben bei. Bildrechte: dpa
Umgestürter Baum im Bialowieza Nationalpark
Doch Experten bezweifeln diese Argumentation. Sie verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen Borkenkäfer ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems Wald seien und zu dessen Erhalt beitrügen. Denn die abgestorbenen Bäume böten anderen Tier- und Pflanzenarten am Boden Nahrung und Lebensraum. Bildrechte: Matthias Schickhofer
Holzstämme im Bialowieza-Urwald, Polen/Weißrussland
Dem Borkenkäfer-Argument widerspricht laut Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace auch die Tatsache, dass die Behörden gar nicht übermäßig viele Fichten wie hier im Bild fällen wollen, sondern vor allem Laubbäume. Bildrechte: IMAGO
Baumstumpf
Greenpeace meint vielmehr, dass es der Regierung nicht um den Naturschutz gehe, sondern überwiegend um kommerzielle Gründe. So diene die Gesetzesänderung hauptsächlich dem Zweck, wirtschaftlich lukrative Baumarten im Nationalpark zu fällen. Bildrechte: IMAGO
Holzverarbeitung im polnischen Poznan
Diese sollen dann an die Industrie verkauft werden und etwa in der Möbelproduktion zum Einsatz kommen. Polen ist in dieser Branche traditionell stark. Mit zwei Prozent der Weltproduktion belegt das Land Platz eins in Europa, den es sich mit den größeren Staaten Italien, Frankreich und Deutschland teilt. Die Regierung widerspricht dieser Auslegung ihrer Motive vehement. Bildrechte: dpa
Jan Szyszko, 2016
Umweltschützer fühlen sich durch das Verhalten des Umweltministers Jan Szyszko aber in ihrem Vermutungen bestätigt. Der entließ 2016 nach deren Protest nahezu alle Mitglieder des Staatlichen Rates für Naturschutz und ersetzte sie durch PiS-getreue Experten. Außerdem erarbeitete Szyszkos Ministerium eines Gesetzesvorlage, nach der Bürger und auch Umweltschutzorganisationen nur noch beschränkten Zugang zu Umweltinformationen des Staates erhalten. Bildrechte: dpa
Protest in Warschau am 17.01.2016 für Erhalt von Bialowieza-Urwald
Doch bereits seit dem Regierungsantritt der PiS im November 2015 formiert sich Protest gegen die weitreichenden Lockerungen beim Umweltschutz. Etwa hier bei einer Demo für den Erhalt des Białowieża-Urwalds im Januar 2016 in Warschau. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau trägt eine Maska aus Baumrinde über ihrem Gesicht.
In sozialen Netzwerken wird das neue Gesetz derzeit scharf kritisiert. Die Hoffnungen der Aktivisten liegen auch auf der Europäischen Union und der UNESCO. Beide haben Polen aufgefordert, die Regelungen zu überarbeiten und mit dem Entzug von Geldern und des Status als Weltnaturerbe gedroht. Das war bereits im Sommer 2016. Seither wurden im Białowieża-Nationalpark bereits mehrere tausend Bäume gefällt. Nach dem öffentlichen Druck wurde das Gesetz Anfang April zumindest abgeschwächt. Nun müssen Grundstückseigentümer die Behörden informieren, bevor sie Bäume fällen.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Sachsenspiegel | 26.02.2017 | 19:00 Uhr)
Bildrechte: IMAGO
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