Petar Beron
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Petar Beron Sturz eines Volkshelden

Petar Beron
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"Es musste einfach sein! Es war das Gebot der Stunde, sich in der der Opposition, gegen das Regime zu beteiligen." So beschreibt der Bulgare Petar Beron seine Beweggründe, sich Ende der 1980er-Jahre als Umweltaktivist und Oppositioneller zu engagieren. Wie so viele andere Nicht-Politiker in der politischen Umbruchszeit 1989/90 verlieh er der Revolution ein Gesicht, spielte für kurze Zeit eine politische Rolle und verschwand dann wieder von der Bühne.

Öko-Glasnost-Bewegung

Geboren wurde Petar Beron 1940 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Er studierte Biologie und arbeitete dann als Wissenschaftler am Institut für Zoologie der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Die Anfänge seiner politischen Karriere lagen in der "Öko-Glasnost"-Bewegung Bulgariens. Ermutigt durch die Glasnost-Politik Gorbatschows in der UdSSR und entsetzt über die Verschmutzung der Umwelt in Bulgarien, gründete sich 1988 ein "ökologisches Komitee". Ausgangspunkt der Bewegung war die Stadt Ruse an der Donau, wo die Einwohner besonders stark unter der Luftverschmutzung durch nahe Fabriken litten. Daraus entstand die Oppositionsgruppe "Öko-Glasnost" – der Zoologe Petar Beron war maßgeblich an der Gründung beteiligt.

Auftritt auf der politischen Bühne

Die Proteste in Bulgarien führten dazu, dass am 10. November 1989 der bulgarische Partei- und Staatschef Todor Zihvkov abgesetzt wurde. Wenige Wochen später wurde die bulgarische Union Demokratischer Kräfte (SDS) gegründet. Auch hier war Petar Beron einer der führenden Köpfe. Die bulgarische Opposition brachte die Regierung dazu, für den Sommer 1990 freie Wahlen anzuberaumen. Trotz guter Umfragewerte gewann jedoch nicht die Opposition, sondern die Sozialistische Partei die Wahl, und die "Altkommunisiten" blieben an der Macht. Petar Beron sah einen Grund der Wahlniederlage darin, dass die Oppositionspartei in den bulgarischen Dörfern gar nicht bekannt war: "Ich fragte meinen Großvater, warum er die Kommunisten gewählt hatte. Er sagte mir, dass er die Oppositionspartei nicht kenne und sie deswegen nicht gewählt habe."

Rückkehr in die Wissenschaft

Doch die Opposition gab nicht auf – Streiks und ständige Proteste brachten den kommunistischen Regierungschef Bulgariens Andrei Lukanow dazu das Handtuch zu werden. Neuer Ministerpräsident sollte Petar Beron werden. Doch dann der Sturz des Volkshelden: Beron wurde beschuldigt, Informant des bulgarischen Geheimdienstes gewesen zu sein. Beron gab zu, Berichte über Kontakte zu ausländischen Wissenschaftlern für die Staatssicherheit geschrieben zu haben. Er betonte aber, niemandem geschadet zu haben.

Im Dezember 1990 verließ Petar Beron die politische Bühne und arbeitet seitdem wieder als Wissenschaftler.

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2015, 16:21 Uhr