Milo Djukanovic spricht vor einer Wand mit seinem Namen nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl, umringt von mehreren Menschen.
Milo Đukanović nach seinem Wahlsieg am 15.04.2018 Bildrechte: dpa

Präsidentschaftswahl in Montenegro Milo Đukanović: Der König von Montenegro

Milo Đukanović wurde am Wochenende erneut zum Staatspräsidenten in Montenegro gewählt. Überrascht hat das niemanden, denn Đukanović herrscht seit 27 Jahren souverän über die kleine Adriarepublik.

von Andrej Ivanji

Milo Djukanovic spricht vor einer Wand mit seinem Namen nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl, umringt von mehreren Menschen.
Milo Đukanović nach seinem Wahlsieg am 15.04.2018 Bildrechte: dpa

Das soll ihm einer in Europa nachmachen: 56 Jahre alt und seit 27 Jahren an der Macht, hauptsächlich als Ministerpräsident. Nun ist Milo Đukanović zum zweiten Mal Staatspräsident geworden. Nachdem er vor knapp vier Wochen im letzten Moment seine Kandidatur bekannt gab, hatte niemand an seinem Sieg gezweifelt. Auch nicht die zerstrittene Opposition, die sich nicht einmal auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnte.

Verhalten eines Alleinherrschers

Als Kandidat seiner "Demokratischen Partei der Sozialisten" (DPS) siegte Đukanović klar mit 53,8 Prozent der Stimmen in der ersten Wahlrunde. Vergebens beschimpften ihn seine Kontrahenten als "Mafiaboss" und verspotteten ihn als "König von Montenegro". Auch Hinweise auf zahlreiche Morde auf offener Straße und die Gleichgschaltung der Medien halfen nicht.

Eine Frau geht an einem Wahlkampfplakat von Milo Dukanovic, ehemaliger Staatspräsident von Montenegro, vorbei. Dukanovic kandidiert bei den Präsidentenwahle am 15.04.2018.
Vor der Präsidentschaftswahl war Đukanović in Montenegro omnipräsent, so wie hier in der Hauptstadt Podgorica. Seine Herausforder hatten keinerlei Chance. Bildrechte: dpa

Đukanović reagierte herablassend auf alle Anschuldigungen. Er lehnte TV-Duelle ab, weil er fand, dass seine Kontrahenten ihm nicht "das Wasser reichen" können. Đukanović führte die Kampagne aus der Position eines Herrschers, der über den Dingen steht und setzte auf seine allgegenwärtige Medienpräsenz. Er stellte sich als Garant der Stabilität Montenegros dar, der die kleine Adriarepublik in die Nato gebracht hat und der sie in die EU bringen wird. Der Großteil der Wähler nahm ihm das ab.

Sanfter Händedruck, harte Politik

Der zwei Meter große Đukanović hat einen fast peinlich weichen Händedruck, doch der leise sprechende Politiker weiß zu überzeugen. Seine Gedankengänge sind stets logisch und er lässt sich nicht aus der Fassung bringen. Đukanović spricht keine Fremdsprachen, nur ein bisschen Italienisch, sagt man zumindest.

Doch Sprachkenntnisse hat er nicht gebraucht, um sein politisches Geschick in turbulenten Zeiten unter Beweis zu stellen. Als die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien 1991 im Krieg auseinanderfiel, blieb das slawisch-orthodoxe Montenegro als einzige Teilrepublik dem ebenso slawisch-orthodoxen Serbien treu. Mit dem damaligen Herrscher Serbiens Slobodan Milošević gründete Đukanović die Bundesrepublik Jugoslawien.

Bruch mit Milošević, Einführung der D-Mark

Früh erkannte er jedoch, dass die serbischen Feldzüge in Kroatien und Bosnien nichts Gutes bringen können. Đukanović hielt montenegrinische Truppen aus dem Krieg zurück, für ihren Einsatz in Kroatien zu Beginn des Krieges entschuldigte er sich später. 1997 brach er endgültig mit Milošević, dem "Schlächter des Balkans". Den alten Weggefährten bezeichnete Đukanović später als einen Mann, den die Zeit überrollt hätte. Das war damals nicht ungefährlich.

Der Westen unterstütze Đukanović. Als sich Montenegro auch von der jugoslawischen Währung Dinar befreien wollte, versorgte Deutschland 1999 in einer Nacht und Nebel-Aktion das ganze Land mit der Deutschen Mark, die zur offiziellen Währung wurde. 2002 übernahm Montenegro den Euro, obwohl das Land kein Teil der Eurozone ist.

Đukanović‘ politischer Ziehvater, Slobodan Milošević, wurde im Jahr 2000 in einem Volksaufstand zum Rücktritt gezwungen, wegen Kriegsverbrechen angeklagt und starb im Gefängnis des UN-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien. Đukanović hingegen blieb an der Macht. 2006 trennte sich das Land endgültig von Serbien und wurde Selbstständig.

Liebäugeln mit Russland, Mitgliedschaft in der Nato

Kurzfristig flirtete Đukanović mit Russland. Er öffnete das Land für die Milliarden russischer Oligarchen. Man fragte nicht, woher das Geld stammte. Man nannte Montenegro damals die "Waschmaschine Europas": schmutziges Geld kam rein und konnte nach der "Reinigung" sauber in der EU investiert werden.

Wieder wurde es damals gefährlich für "Milo", wie man den Präsidenten in Montenegro jovial nennt. Anklagen wegen Zigaretten- und Waffenschmuggel sowie anderer undurchsichtiger Geschäfte mit der italienischen Maffia prasselten auf ihn ein. Auch die italienische Staatsanwaltschaft bereitete ein Verfahren gegen Đukanović vor.

Doch der vollführte wieder einen politischen Salto. Er brach nicht nur mit Wladimir Putin und führte Montenegro 2017 in die Nato, sondern schloss sich auch den Sanktionen des Westens gegen Russland an. Seitdem erwähnt in Brüssel niemand mehr Đukanović' angebliche Verbindungen zur Mafia. Das überlässt man der verzweifelten montenegrinischen Opposition.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 20.05.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 11:33 Uhr