Kind mit Plüsch-Jesus
Figur des Anstoßes: der Plüsch-Jesus eines polnischen Online-Händlers. Bildrechte: dystribucjakatolicka.pl

Wie sich polnische Christen über eine Plüschfigur echauffieren

Eine Plüschfigur bringt gerade polnische Christen in Wallung. Die stellt nämlich Jesus dar, für die Kritiker ein No-Go. Dabei kommt der Plüsch-Jesus ausgerechnet aus einem katholischen Geschäft.

von Monika Sieradzka

Kind mit Plüsch-Jesus
Figur des Anstoßes: der Plüsch-Jesus eines polnischen Online-Händlers. Bildrechte: dystribucjakatolicka.pl

Herr Jesus: didaktische Hilfe für Eltern und Katecheten von Kleinkindern. Gemacht aus einzigartig weichem Plüsch. Haare aus Wolle. Lächelnde Lippen. Angenähte Nase, Gürtel und Sandalen. Leicht zu putzen. Erfüllt europäische Normen.

Diese Produktbeschreibung findet sich auf der Internetseite des Online-Shops "dystrybucjakatolicka.pl" ("Katholische Distribution") in der Kategorie "katholische Gadgets" unter einer Fotoserie. Darauf: ein Jesus aus Plüsch.

Jesus als katholisches Gadget

Er sei die perfekte Hilfe beim Gebet und beim Einschlafen, kann man dem Text weiter entnehmen. Außerdem könne sich das Kind die Szenen aus dem Evangelium besser vorstellen, wenn es den Knuddel-Jesus mit in den Gottesdienst nehme. Die didaktische Hilfe ist 30 Zentimeter groß und kostet 120 Zloty, mit Rabatt nur 99. Das entspricht etwa 25 Euro.

Schnell verbreitete sich das Angebot in den sozialen Medien. Eine bekannte Schauspielerin unkte: "Ein pflegeleichter Jesus zum Rabattpreis! Im Frühjahr kommt er an das Plüschkreuz". Eine andere Frau findet den Plüsch-Jesus richtig gut. Ganz ohne Ironie schreibt sie:

Als Mutter möchte ich lieber, dass mein Kind mit so einer Plüschfigur spielt anstatt mit den hässlichen Spielzeugen, die es sonst überall zu kaufen gibt. Was ist schlimm daran, dass ein Kind mit Jesus kuschelt? Dabei kann es auch etwas über dem den Glauben lernen.

Kritik der Kirche

Die Kirche hingegen ist gespalten. Liberale Priester wie der Jesuit Grzegorz Kramer sehen das Religions-Gadget gelassen:

Kind mit Plüsch-Jesus
Für einige Kirchenvertreter unkatholisch: ein Kind, das mit Jesus kuschelt. Bildrechte: dystribucjakatolicka.pl

"Noch vor einem halben Jahr hätte ich darüber gelacht und es für albern gehalten. Doch seit ich mit Kindern arbeite weiß ich, dass ich die Welt der Kinder nicht als Erwachsener, sondern mit ihren Augen betrachten muss. Ich muss ihre Sprache lernen. Man kann das Plüschtier perfekt einsetzten, um den Kindern das Evangelium zu vermitteln", schreibt der Katechet auf Facebook.

Doch damit ist der Geistliche in der Minderheit. Die Diözese von Tschenstochau in Kleinpolen - wo die "Katholische Distribution" ihren Sitz und einen Laden hat - kritisiert die Plüschfigur. Sie verwische die Grenze zwischen Spielzeug und katholischer Frömmigkeit. Außerdem vermittle sie den Kindern falsche Vorstellungen und sei dem Katholizismus fremd. Auch der Name "Katholische Distribution" werde ohne Absprache mit der Diözese gebraucht.

Das bekannte Satire-Portal "Asz Dziennik" hat die Empörung der Kirchenvertreter postwendend aufs Korn genommen. Es gebe in Polen viel schlimmere Beispiele für Profanes als einen Jesus zum Kuscheln. Etwa die Heilige Maria als Flasche, wo der Kopf der Heiligen beim Aufmachen der Flasche abgedreht wird. Ebenso wie unzählige Anhänger mit dem in Polen verehrten polnischen Papst Johannes Paul II., die man auf fast jedem Volksfest kaufen kann.

Große Nachfrage nach dem Plüsch-Jesus

Plüsch-Jesus
Durch die Aufregung zum Weihnachtshit geworden: 650.000 Interessenten soll der Onlinehändler für die Plüschfigur haben. Bildrechte: dystribucjakatolicka.pl

Das Thema schlägt hohe Wellen. Sogar Diskussionsrunden im Fernsehen hat es zum Plüsch-Jesus schon gegeben. Die Firma, die bislang nur in Kirchenkreisen bekannt war, freut sich in jedem Fall über die kostenlose Werbung. Mindestens 650.000 Menschen hätten bereits Interesse für das umstrittene gadget, schätzt deren Marketingabteilung. Wieviele sie tatsächlich verkauft haben, sei aber Geschäftsgeheimnis.

Nur soviel sagte die Katholische Distribution zur aktuellen Lage: die Lager seien leer. Nachlieferungen vom Jesus-Produzenten in Italien seien bereits unterwegs.

Katholische Gadgets im Trend

Wer keine Lust hat, wochenlang auf den Plüsch-Jesus zu warten, kann sich aber mit anderen religiösen Gadgets trösten. Zu Kaufen gibt es die Bauklötze "Gottes Barmherzigkeit" und das Puzzlespiel "Heilige Sakramente". Auch für Autofahrer ist gesorgt. Für sie gibts den Lufterfrischer "Sankt Christoph" mit dem Bild von Christophorus, dem Schutzpatron der Autofahrer.

Selbst die traditionellen polnischen Sahnebonbons sollen hier "engelhaft" schmecken. Dem Knuddel-Jesus sollen übrigens weitere didaktische Hilfen folgen. Schon im Frühjahr gibt es dann wahrscheinlich die Plüsch-Mutter Gottes - und für die Polen einen neuen Grund zu diskutieren.

Über dieses Thema berichtete MDR auch im TV: MDR um 4 | 22.03.2016 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2017, 13:26 Uhr