Der tschechische Präsident Milos Zeman winkt aus einem Auto heraus
Miloš Zeman gibt sich vulgär, aber volksnah. Seine polternde Art kommt bei vielen Tschechen gut an. Hier besuchte der Präsident Anfang des Jahres ein Škoda-Werk. Bildrechte: dpa

Porträt Miloš Zeman - Tschechiens Präsident und Polterer vom Dienst

Der tschechische Präsident Miloš Zeman poltert gegen Flüchtlinge und sucht die Nähe zu Russland. 2018 kandidiert er für eine zweite Amtszeit. Wie tickt der umstrittene Präsident, den mancher mit Donald Trump vergleicht?

von Helena Šulcová

Der tschechische Präsident Milos Zeman winkt aus einem Auto heraus
Miloš Zeman gibt sich vulgär, aber volksnah. Seine polternde Art kommt bei vielen Tschechen gut an. Hier besuchte der Präsident Anfang des Jahres ein Škoda-Werk. Bildrechte: dpa

Einladung nach Washington

Nach den US-Präsidentschaftswahlen 2016 konnte man den Eindruck gewinnen, dass dort eigentlich Miloš Zeman gewonnen hat, so sehr hat sich der tschechische Präsident über das Ergebnis gefreut: "Ich war einer von wenigen europäischen Politikern, die Donald Trump noch vor der Wahl offiziell unterstützt haben. Das amerikanische Volk hat gezeigt, dass es sich nicht von Medien manipulieren lässt." Nach der Wahl hat Zeman mit Trump telefoniert und bekam prompt eine Einladung ins Weiße Haus. Von Barack Obama wurde er nie eingeladen.

Dem tschechischen Präsidenten wurde von seinen Kritiker wiederholt vorgeworfen, dass er seine Alliierten nur im Osten hat. Dies könnte sich mit Trump ändern. "Er ist gegen illegale Migration, gegen islamistischen Terrorismus und hasst die Medien", hat Zeman vor ein paar Wochen aufgezählt, was er an Trump sympathisch findet. Zeman ist zum Beispiel auch gegen eine EU-Quote zur Verteilung von Flüchtlingen. Vor ein paar Tagen hat er wiederholt, dass die Europäische Union kein Recht habe, "zu diktieren, wie viele Migranten wir in unserem Gebiet aufnehmen." 

Liebling der Provinz

Über Muslime spricht Zeman seit Jahren mit markigen Worten: "Ich sage nicht, dass alle Muslime Terroristen sind, ich sage aber, dass alle Terroristen Muslime sind." Und Journalisten beleidigt er bei jeder Gelegenheit. So bezeichnete er bei einem Besuch in westböhmischen Konstantinsbad im Januar Journalisten als "Gruppe, die eigene Meinungen über andere Meinungen setzt. Statt zu informieren drängen die Journalisten ihre eigene Meinung auf." Dafür erntete der Präsident lauten Applaus.

Zeman ist ein exzellenter Redner. Und er ist regelmäßig im Kontakt mit seinen Bürgern. Er reist viel durch Tschechien und besucht auch die kleinsten Dörfer, die die anderen Spitzenpolitiker kaum kennen oder dort nur kurz vor Wahlen aufschlagen. Nicht nur viele Bürger sind davon begeistert, sondern oft auch die Lokalmedien. So schrieb vor zwei Woche eine Karlsbader Tageszeitung in einer Online-Reportage: 

Das Wetter war beim Besuch des Präsidenten auf seiner Seite. Kurz vor seinem Auftritt gab es Schneeschauer. Sobald aber das Staatsoberhaupt erschien, strahlte die Sonne über dem Erzgebirge.

Wettern gegen die Prager Elite

Die Prager Journalisten berichten weniger angenehm und kritisieren den tschechischen Staatspräsidenten etwa für sein gutes Verhältnis zu Russland. Zeman ist gegen die EU-Sanktionen. Seine Gegner werfen ihm auch seine Unterwürfigkeit Richtung China vor. Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in Prag im vergangenen Frühling dekorierten chinesische Flaggen den gesamten Weg vom Flughafen bis ins Stadtzentrum. 

Zeman weiß, dass er die tschechische Hauptstadt nicht für sich gewinnen kann. Bei der Präsidentschaftswahl 2013 bekam er in Prag nur 34 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Karel Schwarzenberg 66 Prozent. Im Nordböhmischen Komotau sah es ganz anders aus: Dort erhielt Zeman fast zwei Drittel der Stimmen. Spricht er über seine Gegner aus der Hauptstadt, nutzt Zeman gerne den Begriff "Pražská kavárna" - das Prager Café. Darunter versteht man im Tschechischen von der Realität getrennte Intellektuelle, die vom Leben der "normalen Bürger" keine Ahnung haben. 

Betrunkene Auftritte ohne Folgen

Was denken die Prager selbst über ihren Präsidenten? "Er ist ein Grobian", sagt ein junger Mann, ohne lange nachdenken zu müssen. Auch laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SANEP stört die Menschen an Zeman seine Vulgarität und sein Verhältnis zu Russland - aber auch, dass Zeman raucht und Alkohol trinkt. Das ist ein bisschen überraschend, denn Tschechien ist ein durchaus alkoholfreundliches Land und die letzte Raucherbastion in der EU.

Bei der feierlichen Eröffnung des Kronjuwelenzimmers auf der Prager Burg kurz nach seiner Amtseinführung konnte Zeman kaum gerade stehen und musste sich festhalten. Beobachter vermuteten, dass er betrunken war. Im Internet kursieren eindeutige Videoaufnahmen des Auftritts. Die Pressestelle des Präsidentenamtes teilte damals lapidar mit, dass sich Zeman lediglich eine Viruserkrankung eingefangen habe. Geschadet haben ihm dieser und ähnliche Auftritte kaum, im Gegenteil: "Lass uns einen Virus holen", wurde zeitweise zur geselligen Einladung.

Patriot mit Vorteilen

Und was finden die Menschen an Zeman gut? "Er ist weltweit nicht so engagiert. Er konzentriert sich auf Tschechien und wenn es im Ausland Probleme gibt, ist Tschechien deswegen davon nicht betroffen", erzählt eine Frau auf der Straße in der Nähe vom Prager Wenzelsplatz. Und auch die SANEP-Umfrage bestätigte, dass die Menschen an Zeman seinen Patriotismus, seine Position zur Migration und seine Volkstümlichkeit mögen. 

Das Einzige, was Zeman auf dem Wege zu einer weiteren Präsidentschaft behindern könnte, ist seine Gesundheit. Er leidet an Diabetes und an einer Nervenkrankheit, die dazu beiträgt, dass Zeman sich nur mit Stock bewegen kann. Rückenwind bekäme Zeman durch den geplanten Besuch im Weißen Haus. Neben dem amerikanischen Präsidenten zu stehen, wäre der beste Start für seine Wahlkampfkampagne. Und Trumps erste Ehefrau war eine sehr bekannte Tschechin. Ein Vorteil, den andere Kandidaten nicht nutzen können.

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2017, 11:14 Uhr

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