Demonstration
Demonstration in Belgrad: "Russland und Serbien - Brüder auf immer und ewig". Bildrechte: Andrej Ivanji

Wladimir Putin in Serbien Aufmarsch der Liebe

Zehntausende Serben jubelten am Donnerstag in Belgrad dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu. Sein serbischer Amtskollege und Gastgeber Aleksandar Vučić genoss den Tag sichtlich. Es war eine Demonstration von Macht und Liebe.

von Andrej Ivanji

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Demonstration in Belgrad: "Russland und Serbien - Brüder auf immer und ewig". Bildrechte: Andrej Ivanji

Russische Fahnen. Russische Lieder. T-Shirts mit Putins Konterfei auf Verkaufsständen. Transparente mit der Aufschrift "Putin, wir lieben Dich" oder "Serben und Russen – Freunde für die Ewigkeit". Belgrad stand am Donnerstag ganz im Zeichen Russlands. Die serbische Hauptstadt war bereit für den Besuch von Wladimir Putin, dem slawisch-orthodoxen Bruder, dem Präsident der serbischen Schutzmacht Russland. Um 13.06 Uhr landete er auf dem Belgrader Flughafen. Die Show konnte beginnen.

"Danke für Eure Freundschaft"

Während Putin einen Kranz auf dem Friedhof für die gefallenen Soldaten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg niederlegte und mit seinem serbischen Amtskollegen und Gastgeber Aleksandar Vučić sprach, stand eine unüberschaubare Menschenmenge stundenlang diszipliniert in der Kralja-Milana-Straße im Zentrum der Stadt und wartete auf das Signal zum Aufbruch. Über 100.000 sollen es, laut Polizeibericht, gewesen sein. Das Ziel der Menge war die Kathedrale des Heiligen Sava, wo Putin und Vučić schließlich um 18.55 Uhr ankamen. "Hvala na prijateljstvu", Danke für Eure Freundschaft, rief Putin nach der Besichtigung der Kathedrale auf Serbisch. Das Volk jubelte. Auch der serbische Patriarch Irinej war anwesend. Russland hatte den Aufbau der größten orthodoxen Kirche in Serbien finanziell unterstützt.

Zehn Euro und ein Butterbrot

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Busse aus allen Landesteilen in Belgrad. Bildrechte: Andrej Ivanji

Aus ganz Serbien waren Menschen nach Belgrad gebracht worden. Ihre Präsenz sollte die Liebe der Serben zu Russland demonstrieren. Die Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Präsident Vučić vollbrachte eine organisatorische Meisterleistung. Rund 1.300 Busse aus ganz Serbien sollen laut Medienberichten nach Belgrad gefahren sein. An den Fenstern der Busse waren Fotos von Putin und Vučić angebracht. Nicht alle Menschen kamen jedoch aus reiner Liebe zum russischen Präsidenten. Das Portal "Zajecaronline.com" berichtet, dass allein aus Zaječar achtzehn Busse nach Belgrad gefahren sind. Angeblich haben alle Menschen, die sich beworben hatten, in Belgrad ihrer Liebe zu Putin Ausdruck zu verleihen, zehn Euro Taschengeld, ein Butterbrot sowie eine Flasche Wasser erhalten.

Freude und Liebe zeigen

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Fotos von Putin und Vučić an den Bussen. Bildrechte: Andrej Ivanji

Die Leute bekamen aber auch schriftliche Anweisungen, wie sie sich in Belgrad zu verhalten haben. Es wurde ihnen erklärt, wo sie russische oder serbische Fahnen übernehmen sollen, die sie auf der gesamten Strecke zur Kathedrale zu tragen hätten. Und: "Wir hoffen, dass Sie sich dessen bewusst sind, wie wichtig es ist, dass Sie während des Spaziergangs Freude, Energie und Liebe dem Gast gegenüber zeigen, der gekommen ist, um unserem Land zu helfen."

Der Feind ist der Westen

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Die Serben feiern Russlands Präsident Putin. Bildrechte: Andrej Ivanji

Die Liebe zum slawisch-orthodoxen Bruder scheint aber durchaus echt zu sein. Auch deshalb, weil in den gleichgeschalteten serbischen Medien das Bild vom bösen Westen überwiegt, der Serbien 1999 bombardierte, der den Serben das Kosovo streitig machen will und ständig etwas fordert, während aus Moskau nichts als bedingungslose Liebe, Freundschaft und Unterstützung kommen. Kein Wunder, dass EU-Beitrittskandidat Serbien wohl das einzige europäische Land ist, in dem Putin begeistert bejubelt und gefeiert wird.

Ein Orden und ein Hirtenhund

Wladimir Putin Aleksandar Vucic streichelm einen Schäferhund.
Vučić schenkt Putin einen Hirtenhund. Bildrechte: dpa

Putin verlieh seinem Amtskollegen Vučić bei seinem Besuch den "Alexander-Newski-Verdienstorden". Vučić bedankte sich artig auf Russisch und widmete den Orden seinem Vater und seinen Kindern. Später revanchierte er sich und schenkte Putin einen drei Monate alten Sarplaninac. Diese Rasse gilt als besonders kräftig und wachsam. Oft werden sie deshalb als Hirtenhunde eingesetzt. Ein Sarplaninac soll sich auch vor Bären nicht fürchten.

Russlands Standbein auf dem Balkan

Wladimir Putin und Aleksandar Vucic.
Wladimir Putin und Aleksandar Vučić. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Rund 80 russische Medienteams zeichneten auf, wie sehr die Serben Wladimir Wladimirowitsch Putin lieben. Nachdem das slawisch-orthodoxe Montenegro vor knapp zwei Jahren der Nato beigetreten ist und das slawisch-orthodoxe Mazedonien Nato-Mitglied werden soll, konnte Putin zeigen, dass Russland doch noch ein Standbein auf dem Balkan hat – in Serbien. Und Vučić, der unter immer größeren Druck des Westens gerät, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen, und der immer öfter wegen mangelnder Medien- und Bürgerfreiheiten kritisiert wird, zeigte demonstrativ, wie eng die Freundschaft und Partnerschaft mit Russland ist.

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Andrej Ivanji Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Demonstration von Macht und Liebe

So war Putins Besuch in Belgrad eine Demonstration von Macht und Liebe. Vučić zeigte seinen innenpolitischen Opponenten, die seit Wochen auf der Straße demonstrieren, wie viele Menschen er zusammentrommeln kann, wenn er nur will. Und die Serben zeigten, wie sehr sie Putin und Russland lieben.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 18.01.2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 09:03 Uhr

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