Busse von FlixBus und RegioJet
Ein FlixBus in Prag. Dahinter der tschechische Konkurrent RegioJet. Bildrechte: dpa

Busmarkt in Tschechien: FlixBus und RegioJet im Preiskampf

Die aggressive Preispolitik des deutschen Busunternehmens FlixBus sorgt in Tschechien für Aufregung. Der tschechische Konkurrent RegioJet bittet deshalb die Europäische Kommission um Hilfe. Der Preiskampf tobt indes weiter.

von Helena Šulcová

Busse von FlixBus und RegioJet
Ein FlixBus in Prag. Dahinter der tschechische Konkurrent RegioJet. Bildrechte: dpa

Außer Bier gibt es nicht mehr viele Dinge, die in Tschechien noch billiger sind als in Deutschland – Busfahren gehört aber auf jeden Fall dazu. Denn der Markt ist extrem umkämpft und das drückt die Preise. Dabei sind nicht nur die Fahrkarten sehr billig, man bekommt auch oft noch kostenlose Zusatzleistungen an Bord.

Niedriger Preis, kostenloser Service

Von Prag nach Brünn zum Beispiel fährt man mit dem Bus zweieinhalb Stunden. Es ist die meistbefahrene Bustrecke Tschechiens. Dominiert wird sie von dem einheimischen Unternehmen RegioJet mit seinen knallgelben Bussen. Eine Fahrkarte kostet umgerechnet sechs bis acht Euro.

Dafür gibt es in jedem Bus eine Stewardess, die sich um das Wohl der Fahrgäste kümmert. Außerdem bekommt man kostenlos Zeitungen und Zeitschriften gereicht. Auch für warme Getränke wie Kaffee, Tee oder heiße Schokolade braucht man nichts zu bezahlen. 

Prag - Brünn für 1,20 Euro 

Man kann die gleiche Strecke aber auch mit dem deutschen FlixBus fahren, der seit vergangenem Jahr in Tschechien operiert. Da bekommt man zwar keinen Service, dafür fährt man noch billiger. Eine einfache Fahrt kostet kaum mehr als 100 Kronen - umgerechnet etwa vier Euro. Bei manchen Sonderangeboten ist der Preis sogar so niedrig, dass man an der Kasse ungläubig nachfragt, ob es sich nicht um einen Fehler handelt.

Aktuell gib es FlixBus-Fahrkarten für die Strecke Prag-Brünn bereits ab 1,20 Euro. Das ist weniger als eine Tramfahrt in Prag kostet. Radim Jančura, der Besitzer von RegioJet, hat die Nase voll davon und protestiert lautstark gegen die Preispolitik seines deutschen Konkurrenten.

Deshalb hat Jančura diese Woche eine außergerichtliche Aufforderung an die FlixBus-Zentrale in München geschickt. Jančura beruft sich darin auf eine Expertenanalyse, die besagt, dass die Preise von FlixBus nicht kostendeckend sind und nur bei 55 Prozent der eigentlichen Kosten liegen. Laut Jančura handelt es sich daher um unlauteren Wettbewerb und wirtschaftliche Erpressung. 

FlixBus weist Vorwürfe zurück

"FlixBus will den Mark beherrschen und das Business der anderen schädigen", sagte Jančura und warf FlixBus gleichzeitig vor, RegioJet so zur Integration in das FlixBus-Netz zwingen zu wollen. Jančura hat deshalb auch die Europäische Kommission aufgefordert, das Geschäftsgebahren von FlixBus zu überprüfen. 

FlixBus verteidigt sich. Die Firma arbeite mit einem "dynamischen Preis, der mit der Zeit und Busbelegung steigt", sagte eine Sprecherin von FlixBus. Sie wies außerdem darauf hin, dass sich FlixBus die niedrigen Preise leisten könne, weil man gerade keine "sogenannten kostenlosen Leistungen" anbietet. Die außergerichtliche Aufforderung von Jančura habe FlixBus zwar bekommen, reagierte aber bisher nicht darauf. 

Schillernder Unternehmer und Provokateur

Radim Jančuras öffentlich ausgetragene Auseinandersetzungen sind in Tschechien legendär. Vor zwei Jahren zierten auf Jančuras Geheiß die Handynummern des damaligen Regierungschefs Bohuslav Sobotka und des Innenminister Milan Chovanec die Heckscheiben seiner Busse. Grund dafür war eine Polizeireform der Regierung, die Jančura nicht gefiel.

Nachdem RegioJet in der Slowakei keine Erlaubnis für regelmäßige Verbindungen mit den Regionen Nitra und Bratislava bekommen hatte, mietete Jančura große Werbetafeln im Nachbarland: "Willkommen im Land der Korruption und des Klientelismus", stand darauf.

Preisedrücken als Erfolgsrezept

Jančura ist regelmäßig in Talkshows zu Gast und weiß auch sonst, seine Medienpräsenz gewinnbringend einzusetzen, auch für politische Ziele. So unterstütze er die Kampagne des umstrittenen, neuen tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš und gilt bis heute als dessen Verbündeter. 

Auch im Busgeschäft kämpft Radim Jančura selber mir harten Bandagen. Der "König des tschechischen Busverkehrs" musste zu Beginn seines Aufstiegs ebenso lästige Konkurrenz loswerden. Etwa das Unternehmen Asiana, mit dem RegioJet im Jahr 2007 um die wichtige Prestigestrecke Prag-Brünn konkurrierte. Damals bot RegioJet Sonderpreise von 50 Kronen an, umgerechnet knapp 1,90 Euro. Kurze Zeit später war RegioJet alleiniger Marktführer in Tschechien – bis FlixBus kam.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.07.2017 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2018, 17:41 Uhr