Menschen halten Putinplakate in den hochgereckten Händen.
Ein Bild vom Staatsbesuch Putins in Belgrad von 2014: Der Kremlchef ist in Serbien der beliebteste ausländische Politiker. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Belgrad Großer Bahnhof für Kremlchef Putin

Er ist ein gern gesehener Gast in Belgrad: der russische Staatschef Putin. Für heute hat ihn sein serbischer Amtskollege Aleksandar Vučić erneut eingeladen. Beide Länder pflegen ein enges politisches Verhältnis.

von Andrej Ivanji

Menschen halten Putinplakate in den hochgereckten Händen.
Ein Bild vom Staatsbesuch Putins in Belgrad von 2014: Der Kremlchef ist in Serbien der beliebteste ausländische Politiker. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Belgrad steht heute im Zeichen der serbisch-russischen Liebe: Der russisch-orthodoxe Kremlchef Wladimir Putin kommt zu Besuch - auf Einladung des serbischen Staatschefs Aleksandar Vučić. Beide Länder pflegen seit langem eine innige Freundschaft. Vielen Serben gilt Russland als Schutzmacht ihres Landes. Es hat während der Jugoslawienkriege – anders als der Westen - Serbien nicht bombardiert. Unvergessen für die Serben ist bis heute, dass am 24. März 1999 die Nato Luftangriffe auf das Land flog, die fast drei Monate anhielten. Auch wenn die umstrittene Bombardierung 20 Jahre her ist, die Stimmung im Land prägt das bis heute entscheidend mit: Putin ist der mit Abstand beliebteste ausländische Politiker in Serbien. Der Westen dagegen ist ein oft bemühtes Feindbild.

Nato-Luftangriffe Die Nato hatte am 24. März 1999 mit der Bombardierung Jugoslawiens begonnen, um militärische und paramilitärische serbische Verbände in der Provinz Kosovo zu stoppen. Zuvor hatten die Serben Hunderttausende Albaner gewaltsam vertrieben. Für die Luftangriffe gab es kein UN-Mandat. Russland bezeichnete die bis 10. Juni 1999 dauernde Offensive als völkerrechtswidrig.

Tausende Menschen empfangen Putin

Mehrere Tausend Menschen sollen heute den russischen Staatschef in Belgrad begrüßen. Den Transport der Zuschauer, die aus allen Teilen des Landes kommen, organisiert die in Serbien dominierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Staatspräsident Vučić. Der sieht in Kremlchef Putin ein nachahmenswertes Politikmodell. In sozialen Medien heißt es, die Zuschauer würden mit Essenspaketen zusätzlich zur Teilnahme motiviert.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Doch beim heutigen Treffen zwischen den beiden Staatschefs geht es nicht nur um die langjährige Freundschaft von Serbien und Russland, sondern auch um millionenschwere Wirtschaftsverträge zwischen beiden Staaten. Insgesamt 26 Abkommen im Wert von Hunderten Millionen Euro sollen unterzeichnet werden.

Geplant ist beispielsweise, dass russische Firmen die serbische Eisenbahn modernisieren. Zudem ist Serbien als Transitland für die russisch-türkischen Gaspipeline "Turk Stream" im Gespräch, die eines Tages auch Gas an Länder in Süd- und Südosteuropa liefern soll. Zudem will Belgrad die serbische Armee mit weiteren russischen Waffen und Militärgerät ausstatten, sogar bei zivilen Nuklearprogrammen und in der Weltraumforschung will man stärker zusammenarbeiten.

Ja zur EU, Nein zur Nato

Aleksandar Vucic
Serbischer Staatschef Vučic. Bildrechte: IMAGO

Serbien ist seit 2012 Beitrittskandidat der EU. Das Land hat den Beitritt zur höchsten Priorität seiner Außenpolitik erklärt – zumindest auf dem Papier. Mit dem Empfang von Putin will Staatschef Vučić jedoch der EU auch zeigen, dass er eine andere Richtung einschlagen könnte. Vučić wird wegen des ungelösten Kosovo-Problems zunehmend von Brüssel unter Druck gesetzt. Auch werfen ihm Kritiker vor, die Bürgerrechte immer stärker auszuhöhlen. Seit er vor sechs Jahren an die Macht kam, traf sich Vučić bereits 15 Mal mit Putin.

Während Serbien mit dem Beitritt zur EU liebäugelt, ist ein Beitritt des Landes zur Nato für Belgrad derzeit ausgeschlossen. Auch das macht das Balkan-Land zu einem wichtigen Verbündeten für Russland.

Beziehung zu Moskau Sowjetische Truppen befreiten 1944 zusammen mit Titos Partisanen die Hauptstadt Serbiens. Sie zogen sich danach jedoch zurück. Im Jahr 1948 brach Tito mit Stalin. Jugoslawien öffnete sich dem Westen und ging seinen eigenen Weg. Deshalb haben Serben keine traumatischen kollektiven Erinnerungen an Russland, wie viele andere Ostblockstaaten.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 31.03.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 09:04 Uhr