Blick auf die Karlsbrücke mit der Prager Burg und dem Veitsdom, aufgenommen am 09.03.2015 in Prag, Tschechien.
Die Prager Burg - Wahrzeichen der tschechischen Hauptstadt und Amtssitz des Präsidenten Bildrechte: dpa

Präsidentenwahl in Tschechien Bleibt Miloš Zeman auf der Prager Burg?

Die Tschechische Republik wählt am Freitag und Sonnabend einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Miloš Zeman werden große Chancen eingeräumt, wiedergewählt zu werden. Aber sehr wahrscheinlich wird erst nach der zweiten Runde in zwei Wochen klar sein, ob er auf der Prager Burg - dem Sitz des Präsidenten - bleibt. Der tschechische Präsident hat eher eine repräsentative Rolle.

von Helena Šulcová

Blick auf die Karlsbrücke mit der Prager Burg und dem Veitsdom, aufgenommen am 09.03.2015 in Prag, Tschechien.
Die Prager Burg - Wahrzeichen der tschechischen Hauptstadt und Amtssitz des Präsidenten Bildrechte: dpa

Das Timing konnte für Präsident Miloš Zeman nicht besser sein. Am Mittwoch hat die Vertrauensabstimmung über die Regierung von Premier und Milliardär Andrej Babiš im tschechischen Abgeordnetenhaus angefangen - zwei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen. Zwar wurde die Abstimmung nach einer harten Debatte auf kommenden Dienstag (16. Januar) verschoben, aber für Miloš Zeman war es eine perfekte Gelegenheit, das Abgeordnetenhaus zu besuchen und eine Rede zu halten.

Geschickter Wahlkampf im Parlament und Schützenhilfe von Babiš

Tschechiens Präsident Milos Zeman im Parlament
Im Parlament, wie wenige Tage vor der Präsidentenwahl, spricht Tschechiens Staatsoberhaupt Zeman selten Bildrechte: IMAGO

Der Präsident hat in Tschechien immer die Möglichkeit, im Parlament zu sprechen. Zeman nutzt es aber nicht so oft. Zwei Tage vor der Wahl hat er aber nicht nur die Abgeordneten, sondern auch vor laufenden Kameras seine Wähler angesprochen. Zeman warb bei dieser Gelegenheit für die Minderheitsregierung von Babiš. Seine Partei ANO habe die Wahl gewonnen und sollte seiner Meinung nach regieren. "Ich hasse die Umgehung dieser Regel", sagte er. Und einen Tag danach, am Donnerstag, warb umgekehrt Babiš bei einer Pressekonferenz für Zeman. Babiš sagte, dass er bei der Präsidentschaftswahl Zeman unterstützen werde. Zeman sei eine der bedeutendsten Persönlichkeiten nach der Wende von 1989, so Babiš weiter. 

Wahlkampf-Debatten ohne den Favoriten

Mit dem Auftritt im Parlament hat Miloš Zeman mit seiner bisherigen Strategie gebrochen. Im Frühling 2017 hatte er betont, dass er keine Wahlkampagne machen werde und auch keine Radio- und TV-Debatten mit anderen Kandidaten führen wolle. Sein Wahlkampf bestand darin, dass er als Präsident regelmäßig die Regionen Tschechiens besuchte und und sich dort mit Bürgern traf.

Die anderen acht Männer, die um das Amt des Präsidenten kämpfen, präsentierten sich unterdessen regelmäßig in verschiedenen Radio- und TV-Sendungen oder führten Dispute in Internetforen. Da stellt sich die Frage, welchen Sinn diese Debatten hatten, wenn der eigentliche Favorit nicht teilnahm?

Zeman hat seine eigene Sendung im privaten TV

Im Grunde genommen ist Zeman auf eine solche Tour durch die Medien gar nicht angewiesen. Er hat nämlich eine "eigene" Sendung. Beim privaten Barrandov-TV tritt er jeden Donnerstag in der Sendung "Týden s prezidetem" (Die Woche mit dem Präsidenten) auf. Die Sendung wird vom Direktor und Eigentümer des Senders, Jaromir Soukup, moderiert, der dem Präsidenten kaum kritische Fragen stellt, es handelt sich eher um freundliche Gespräche. 

Präsidialer "Wahlkampf" hat Tradition

Vaclav Havel
Václav Havel hatte als Präsident auch "seine" Sendung - im Radio Bildrechte: IMAGO

Um fair zu sein, muss man sagen, dass der frühere Präsident Václav Havel auch eine Sendung hatte - zehn Jahre lang kommentierte er jede Woche das Geschehen im Lande in einem - ebenfalls - freundlichen Interview im Radio des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunks. 

Und Václav Havel sowie sein Nachfolger Václav Klaus sind damals auch in verschiedenen Debatten ohne Opponenten aufgetreten. Nur ist hier ein Unterschied - damals wurde der Präsident vom Parlament gewählt. Seit 2013 gibt es in Tschechien eine Direktwahl durch die Bürger, und da wäre doch eine Debatte mit anderen Kandidaten ganz sinnvoll. 

Schont Zeman seine Gesundheit?

Dass Zeman die Debatten meidet, ist aber auch noch aus einem anderen Grund schade. Er gilt als einer der besten politischen Rhetoriker in der tschechischen Politik. Er ist hochintelligent, hat einen großen politischen Überblick und vor allem eine unbestreitbar erhebliche Erfahrung. Ich war mir sicher, dass Zeman eine solche politische Debatte mit den anderen Kandidaten klar für sich entscheiden würde. Deshalb verwundert es, dass er sich entschieden hat, an diesen Auseinandersetzungen nicht teilzunehmen. Ein Grund kann seine angeschlagene Gesundheit sein, deretwegen viele seiner Gegner spekulieren, ob er eine zweite Amtszeit überhaupt noch überstehen kann.

Wer kommt auf Platz 2 bei der Wahl?

Mirek Topolanek, tschechischer Präsidentschaftskandidat
Mirek Topolánek war von 2006 bis 2009 Regierungschef in Tschechien, damals auch Chef der libral-konservativen Bürgerpartei ODS Bildrechte: IMAGO

Zeman gilt als Favorit der Präsidentenwahl. Manchem Beobachter zufolge kann er schon in der ersten Runde gewinnen. Meiner Meinung nach gewinnt er zwar, aber erst in der zweiten Runde, in der Stichwahl. Deswegen sehen die Debatten und Auseinandersetzungen der anderen Kandidaten unter- und gegeneinander eher wie ein Kampf um höchstens den zweiten Platz aus. 

Gute Chancen hat der ehemalige Regierungschef Mirek Topolánek. Er hat im Vergleich zu den anderen Kandidaten eine langjährige politische Erfahrung. Hätte er die Kampagne früher angefangen (er begann erst im November), hätte er meines Erachtens gute Chancen gehabt, auch gegen Zeman zu gewinnen. 

Jiri Drahos
Jiří Drahoš ist Chemiker und hat wenig Politik-Erfahrung. Bis zur Bekanntgabe seiner Kandidatur im März 2017 war er Vorsitzender der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Bildrechte: dpa

Laut Umfragen hat jedoch der Wissenschaftler Jiří Drahoš die größten Chancen, neben Zeman in die zweite Runde zu kommen. Drahoš aber wirkt im Vergleich zu den politischen Matadoren Zeman und Topolánek jedoch wie ein braver Schüler. Er ist zwar nett, aber ich kann ihn mir nicht als einen starken Kämpfer für Tschechiens Interessen vorstellen. 

Bei einem anderen Anwärter für den zweiten Platz - dem Millionär Michal Horáček -  kann von politischer Erfahrung auch keine Rede sein. Als langjähriger Texter und Producer ist er im Showgeschäft zu Hause, seine politischen Auftritte sind zumindest nicht langweilig. Die anderen fünf Kandidaten haben kaum Aussichten auf die Stichwahl. 

Was Amtsinhaber und Favorit Zeman von seinen Konkurrenten hält, wird indirekt deutlich: Falls es wider Erwarten zu einer Stichwahl ohne ihn kommen sollte, hat Zeman schon angekündigt, dass er dann niemanden wählen werde.

Über dieses Thema berichtet HEUTE IM OSTEN auch im TV: MDR Aktuell | 12.01.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 15:35 Uhr