Das Logo der Weltfestspiele der Jugend in Sotschi 2017 ist auf einer Scheibe zu sehen.
In Sotschi werden die 19. Weltfestspiele der Jugend ausgetragen. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Weltfestspiele in Sotschi Initiatoren kritisieren Russland

Der Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) - ein Dachverband linker Jugendorganisationen - trägt in unregelmäßigen Abständen die Weltfestspiele der Jugend aus. Doch hagelt es Kritik am russischen Ausrichter, dass er der sozialistischen Idee nicht genügend Rechnung trage.

von Maxim Kireev

Das Logo der Weltfestspiele der Jugend in Sotschi 2017 ist auf einer Scheibe zu sehen.
In Sotschi werden die 19. Weltfestspiele der Jugend ausgetragen. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Es liest sich beinahe wie Realsatire: Mit Beginn der Weltfestspiele der Jugend am Wochenende werden Tausende junge Menschen aus weit mehr als 100 Ländern an die russische Schwarzmeerküste strömen, in die einstige Olympiastadt Sotschi. Wie schon die DDR vor gut 44 Jahren, will sich Russland als weltoffenes und modernes Land präsentieren. Bei gemeinsamen Sportturnieren, Vorlesungen und Partys soll sich der internationale Nachwuchs näher kommen.

Doch schon ein Blick ins Programm weckt ungute Erinnerungen: "Die Ziele und Errungenschaften der großen sozialistischen Oktoberrevolution", heißt das erste Thema der Auftaktdiskussion. Gleich im Anschluss gibt es eine Ausstellung über die "Epoche der Sowjetunion" und eine Gesprächsrunde über das "Erbe Che Guevaras in der Jugendbewegung". "In Sotschi versammeln sich Russlands Freunde und Vertreter jener politischer Kräfte, die uns unterstützen, ungeachtet der Versuche uns zu isolieren und mit Sanktionen zu würgen", meint auch Juri Afonin, der Vizechef von Russlands Kommunistischer Partei, immerhin zweitstärkste Kraft in der Duma.

30.000 Teilnehmer werden erwartet

Und Russland hat noch mehr vor, es will die vergessen geglaubten Weltfestspiele der Jugend neu beleben. Ausgetragen vom Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ), einem weltweiten Dachverband linker und linksradikaler Jugendorganisationen, zog das Fest vor vier Jahren in Quito, der Hauptstadt von Ecuador gerade ein Mal 8.000 Teilnehmer an. Zum Vergleich: In Ost-Berlin 1973 waren es rund 25.000, ähnlich viele wie 1985 in Moskau. Für Sotschi haben sich diesmal etwa 30.000 Teilnehmer aus der ganzen Welt erfolgreich beworben.

Willkommenes Ereignis für Putin

Wladimir Putin während der TV-Show Direkter Draht
Kreml-Chef Wladimir Putin Bildrechte: IMAGO

Auftakt der Weltfestspiele war zunächst am Sonnabend eine riesige Parade in Moskaus Innenstadt. Auch damit wollen die russischen Gastgeber an die früheren Feste anknüpfen. Selbst das alte Blumensymbol ist als Logo der Festspiele wieder dabei. Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin sind internationale Großereignisse wie diese ein willkommener Anlass, die Weltgeltung seines Landes zu unterstreichen. Bereits 2014 durfte Sotschi die olympischen Winterspiele ausrichten. Im kommenden Jahr gastiert die Fußball-WM in Russland. Doch während in der DDR viele die Jugendfestspiele von 1973 als das "rote Woodstock" in Erinnerung behalten haben, könnte man man meinen, das zumindest der Woodstock-Teil in Russland entfällt.

Initiatoren fehlt sozialistische Idee

Tatsächlich ist aber der sozialistische Zungenschlag, den das Programm vermuten lässt, nicht mehr als nur ein Feigenblatt. Denn hinter den Kulissen der Weltfestspiele hat es seit Monaten gebrodelt. Der Weltbund der demokratischen Jugend kritisierte als Initiator der Festspiele seit Wochen, dass die russischen Ausrichter der sozialistischen Idee des Festivals nicht genügend Rechnung trugen. Von den beiden deutschen WBDJ-Mitgliedern beschloss zumindest die Organisation "Freie Deutsche Jugend", ein Verein mit schätzungsweise weniger als 1.000 Mitgliedern, das internationale Fest in Russland zu boykottieren. "Wir hatten schon frühzeitig den WBDJ gewarnt", sagt etwa auch Alexander Batow vom kommunistischen Jugendbund Russlands, einer linksradikalen Splitterorganisation in Russland. "Wir sind hier nicht in der Sowjetunion, sondern in einem anderen Land, in dem der Antikommunismus offizielle Ideologie ist", meint der Aktivist.

Seminare zum Kampf gegen Imperalismus

Um den Streit mit den linken Jugendgruppen nicht eskalieren zu lassen, haben die Organisatoren kurzfristig noch einige Programmpunkte hinzugefügt. Und so gibt es zwischen Fußballturnieren, Treffen mit Vertretern von Google oder Diskussionen mit dem französischen Starschriftsteller Frederique Beigbedere auch Seminare zum sozialistischen Kampf gegen Imperialismus. Für viele Teilnehmer dürften die Inhalte ohnehin Nebensache sein. "Ich habe mich beworben, weil es eine gute Gelegenheit ist, eine Woche in Sotschi zu verbringen", witzelt Aljona Selantieva aus Sankt Petersburg. "Ich war schon früher ab und zu bei Sommerlagern der ehemaligen Kremljugend, wo es viel Propaganda gab. Viel wichtiger als die Inhalte waren für mich jedoch die neuen Bekannten und Kontakte, die ich da gemacht habe".

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: Fernsehen | 26.07.2016 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2017, 13:06 Uhr