Slowakischer Priester kritisiert die katholische Kirche und wird gefeuert

Der slowakische Priester Michal Lajcha kritisiert in seinem Buch den Pflichtzölibat der römisch-katholischen Kirche. Jetzt wurde er vom Bischof suspendiert und sucht nach einem neuen Job.

von Helena Šulcová

Priester Ljcha im Wald
Kämpft gegen den Pflichtzölibat in der römisch-katholischen Kirche: der slowakische Priester Michal Lajchan. Bildrechte: Michal Lajcha

Kľak ist eine 200-Seelen-Gemeinde in der Mittelslowakei. Bislang kümmerte sich der 34-jährige Michal Lajcha um die Menschen dort und in zwei weiteren Dörfern. Nun darf er das nicht mehr, was der Bürgermeister von Kl'ak, Luboš Haring, öffentlich bedauert. "Wir waren mit ihm sehr zufrieden, alle sind jetzt traurig, dass er uns verlassen muss", sagte er der slowakischen Tageszeitung Pravda. Der Grund dafür, dass die Gemeinde in Kľak nun ohne ihren beliebten Priester auskommen muss, ist offenbar das jüngste, sehr kontroverse Buch, das Michal Lajcha geschrieben hat: "Tragödie des Zölibats - die tote Ehefrau!" Im Buch heißt es, die Zölibatsverpflichtung sei eine acht Jahrhunderte eiternde Wunde der römisch-katholischen Kirche. Heilen ließe sie sich nach Ansicht des Priesters nur durch die Wiedereinführung der Weihe der Verheirateten. "Ich habe nichts gegen den Zölibat, wenn er freiwillig ist", sagte Lajcha in einem Interview mit dem MDR. Es könne doch aber nicht sein, dass eine Ehefrau ein Hindernis dafür ist, Priester sein zu können, erklärt er den Titel seines Buches, das gerade in Tschechien und in der Slowakei erschienen ist und zurzeit ins Deutsche übersetzt wird.

Verbindung zwischen Kindesmissbrauch und Zölibat 

Der Impuls für dieses Buch waren die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche, die jetzt weltweit diskutiert werden. Auch in der Slowakei. Insgesamt wurden im Land zehn Priester entlassen. Buchautor Lajcha sieht eine Verbindung zwischen solchen Skandalen und dem Pflichtzölibat. "Kennen Sie einen Missbrauchsskandal aus der griechisch-katholischen Kirche? Ich nicht", schreibt Lajcha. Das hat aus seiner Sicht damit zu tun, dass sich Priester dort entscheiden können, ob sie im Zölibat leben oder heiraten.

Suspendiert und arbeitslos 

Michal Lajcha wollte die Zölibat-Diskussion in der Slowakei, in seiner Kirche, anstoßen. Stattdessen sucht er jetzt nach einem neuen Job. Denn der zuständige Bischof aus Banská Bystrica hat ihn suspendiert. Lajchas Möglichkeiten, als Priester tätig zu sein, sind damit massiv eingeschränkt. Er darf keine Gottesdienste halten und wird von der Kirche auch nicht mehr bezahlt. Lajcha blieb nichts übrig, als sich arbeitslos zu melden. Er ist sich sicher, dass ihn die Kirche mit der Suspendierung für sein Buch betrafen will. Das Amt des Bischofs nennt allerdings andere Gründe: Der Priester habe die täglichen Gottesdienste für die Gemeinde nicht gehalten. Außerdem sei er nicht zu einem vereinbarten Termin mit dem Bischof erschienen, heißt es in der Pressemitteilung des Bischofs. Die Slowakische Bischofskonferenz wollte die Suspendierung nicht kommentieren. Die liege in der Kompetenz des zuständigen Bischofs. Klar ist, dass der moderne Priester dem Vorstand der katholischen Kirche auf die Nerven ging. Schon vor ein paar Wochen war er vom Bischof ermahnt worden, weil er auf Facebook sein neues Tattoo gepostet hatte.

Jesuitenkirche in Bratislava während eines Gottesdienstes
In der Slowakei gehören 62 Prozent der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. Bildrechte: IMAGO

Lajcha: Heirat ist geplant 

Die Slowakei ist ein katholisches Land. 62 Prozent der Bevölkerung gehören zur römisch-katholischen Kirche. Welche Unterstützung die Idee des freiwilligen Zölibats in der Kirche hat, ist nicht bekannt, genauso kann man nur vermuten, wie viele Priester die Kirche verlassen haben, weil sie im Zölibat nicht leben wollten. Der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Martin Kramara, teilte dem MDR auf Nachfrage mit, man verfüge über keine Zahlen. Der Priester und Buchautor Lajcha kennt einige Kollegen, die sogar Kinder haben. "Ja, es ist kein Geheimnis. Wie viele es sind, weiß allerdings nur Gott." Lajcha will die Zölibat-Diskussion fortführen. In der römisch-katholischen Kirche will er bleiben. Es komme für ihn als Priester nicht in Frage, in einer anderen Kirche tätig zu sein. Er plant zudem ein weiteres Buch. Außerdem will er irgendwann heiraten. Eine Freundin habe er aber noch nicht.

Priester Ljcha im Gebirge
Auf Job- und Frauensuche: Priester Michal Lajchan. Bildrechte: Michal Lajcha

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 16.09.2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 16:19 Uhr