OSZE in der Sackgasse

05. Januar 2017, 09:52 Uhr

Chefdiplomat in Ostukraine

Zum Auftakt seines OSZE-Vorsitzes hat sich der österreichische Außenminister Sebastian Kurz im Kriegsgebiet Ostukraine ein Bild von der Lage gemacht. Sein Donbass-Besuch gilt als Vorbereitung für politische Gespräche in Kiew und Moskau, die Mitte Januar stattfinden sollen. Die Region hat Kurz bewusst für seine erste Reise ausgewählt, um ein Signal zu setzen, dass wir uns auf diesen Konflikt fokussieren wollen", so Kurz bei seinem Besuch in der Hafenstadt Mariupol.

OSZE als Vermittler

Zum Jahreswechsel hatte Österreich den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) von Deutschland übernommen. Die OSZE vermittelt zwischen den Konfliktparteien und hat hunderte Beobachter in der Ostukraine im Einsatz. Seit Beginn der Kämpfe im Donbass 2014 wurden nach UN-Angaben rund 10.000 Menschen getötet – und praktisch täglich dokumentieren die OSZE-Beobachter Angriffe und Zwischenfälle.

Hoffnungen nicht erfüllt

Die Menschen in der Ukraine glauben nicht mehr an einen Erfolg der OSZE-Mission. Dabei hatten sie einst große Hoffungen in die OSZE gesetzt, sagt Ostblogger Denis Trubetskoy.

Junger Mann mit Brille 1 min
Bildrechte: MDR

Mi 04.01.2017 15:14Uhr 01:04 min

https://www.mdr.de/heute-im-osten/video-73144.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Junger Mann mit Brille 1 min
Bildrechte: MDR
1 min

Mi 04.01.2017 15:14Uhr 01:04 min

https://www.mdr.de/heute-im-osten/video-73144.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Das große Dilemma: Mehrere mühsam ausgehandelte Waffenruhen wurden immer wieder gebrochen. Zahlreiche Punkte des sogenannten Minsker Friedensplans sind nicht erfüllt. Und den Beobachtern bleibt immer nur eins: Beobachten.

Ziele und Botschaften

Österreich wolle nun seine traditionelle Brückenfunktion zwischen Ost und West nutzen, um neues Vertrauen aufzubauen, so Kurz. Für ihn gehe es zunächst darum, dass die Waffenruhe eingehalten werde und es mittelfristig Wahlen in den Separatistengebieten geben müsse. Außerdem richtete er sich mit einem Appell an Russland: Zwar sei Russland keine Konfliktpartei, doch sei klar, "dass die Russen starken Einfluss auf die Separatisten haben, wenn sie das wollen".

Österreich auf Friedensmission

Wie sehen nun die Erwartungen an Österreich aus? In der West- und der Ost-Ukraine sieht man das naturgemäß sehr unterschiedlich - insbesondere in einem Punkt: Kurz selbst hat eine schrittweise Lockerung der EU-Sanktionen gegen Russland ins Spiel gebracht. Das sehen pro-russische Separatisten in den umkämpften Gebieten als "konstruktiven Vorstoß". In der West-Ukraine löse ein solcher - nach Kurz´ Lesart - "pragmatischer" Umgang mit Russland dagegen erhebliche Skepsis aus, meint unser Ostblogger Denis Trubetskoy.

Junger Mann mit Brille 1 min
Bildrechte: MDR

Mi 04.01.2017 15:15Uhr 01:09 min

https://www.mdr.de/heute-im-osten/video-73146.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Junger Mann mit Brille 1 min
Bildrechte: MDR
1 min

Mi 04.01.2017 15:15Uhr 01:09 min

https://www.mdr.de/heute-im-osten/video-73146.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Ein schweres Erbe

Trotz mehrerer Vereinbarungen geht der Krieg in der Ostukraine weiter. Seit dem ersten Versuch eines Friedensprozesses - dem "Minsker Protokoll" vom 5. September 2014 - haben die Waffen nie geruht. Es gab Gefechte, Angriffe, Tote - auch während immer wieder ausgehandelter Feuerpausen. Auch wurden verbotene Waffensysteme in eigentlich "entmilitarisierten" Sicherheitszonen dokumentiert. Die OSZE-Beobachter geraten häufig selber zwischen die Fronten - immer wieder werden ihnen auch Zugänge vor allem im Separatistengebiet verwehrt.

Osteuropa

HIO OSZE 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Die OSZE ist ein Zusammenschluss von 57 Staaten. Gegründet 1957, will die Organisation Frieden sichern.

Mi 04.01.2017 17:05Uhr 00:47 min

https://www.mdr.de/heute-im-osten/video-73164.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video