Geistliche nemen 2016 an einer Messe teil.
Polnische Geistliche erscheinen nicht in einem öffentlich zugänglichen online-Register für Sexualstraftäter - trotz rechtskräftiger Verurteilung. Bildrechte: dpa

Polen Pädophile Pfarrer fehlen in Sexualstraftäter-Datenbank

In der umstrittenen öffentlichen Datenbank für Sexualstraftäter in Polen fehlen 56 verurteilte Pädophile: allesamt katholische Pfarrer. Der Vorgang wirft Fragen auf.

Geistliche nemen 2016 an einer Messe teil.
Polnische Geistliche erscheinen nicht in einem öffentlich zugänglichen online-Register für Sexualstraftäter - trotz rechtskräftiger Verurteilung. Bildrechte: dpa

Polnische Opferverbände werfen dem Justizministerium vor, bewusst Sexualstraftäter aus einer öffentlich zugänglichen Datenbank herausgelassen zu haben. Nach Angaben der Initiative "Fürchtet Euch nicht" fehlen in der Datenbank 56 verurteilte Sexualstraftäter, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Die Täter seien allesamt katholische Pfarrer, berichtet die polnische Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf die Initiative. Das Justizministeriums hat den Bericht in einer offiziellen Stellungnahme scharf zurückgewiesen und als "eklatante Lüge" bezeichnet.

Persönliche Daten am Online-Pranger

In der öffentlich zugänglichen Datenbank finden sich seit dem 1. Januar die persönlichen Daten von 768 verurteilten Sexualstraftätern, die des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren schuldig gesprochen wurden. Neben einem Foto lassen sich auch der volle Name, Geburtsdatum und Wohnort der Täter abrufen. Hinzu kommen bestimmte Informationen über Urteil und Haft.

Pflicht zur Überprüfung von potentiellen Angestellten

In einem zweiten, nichtöffentlichen Teil sind ausführlichere Daten von 2.614 Sexualstraftätern erfasst. Darunter auch die vollständige Meldeadresse. Auf diese Daten haben jedoch nur Polizei- und Justizbehörden, sowie Bildungseinrichtungen Zugriff. Letztere sind unter Androhung von Geld- und Haftstrafen dazu verpflichtet, potentielle Angestellte auf vorliegende Verurteilungen wegen Sexualstraftaten zu überprüfen.

(dpa/ahe)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: TV | 05.01.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 11:08 Uhr