Ein Fluss zwischen dichten Wäldern wird zu einem Wasserfall.
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Kroatien: Nationalpark in Not Ist der Silbersee noch zu retten?

Der kroatische Nationalpark Plitvicer Seen ist ein Naturparadies mit kristallklaren Seen und spektakulären Wasserfällen. Noch. Denn Umweltschäden durch Millionen von Touristen im Jahr bedrohen das UNESCO Weltkulturerbe, das wohl jeder aus den Winnetou-Verfilmungen kennt. Doch es regt sich Widerstand.

Ein Fluss zwischen dichten Wäldern wird zu einem Wasserfall.
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“Plitvicer Seen”? Vielen ist es vermutlich gar nicht bewusst, dass sie den Nationalpark in Kroatien zumindest in Teilen kennen. Hier liegt nämlich nicht nur der berühmte Silbersee und die Schatzhöhle aus der Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“, sondern unter anderem auch der Wasserfall, der in „Winnetou II“ eine Rolle spielt. Die Bekanntheit ist Segen und Fluch zugleich: Jährlich besuchen bis zu zwei Millionen Menschen in den ältesten Nationalpark Südosteuropas. Das hat katastrophale Folgen für die Natur.

Denn der Park ist auf einen solchen Ansturm in keinster Weise vorbereitet. Weil viele am Tourismusgeschäft mit verdienen wollen, wurde jahrelang gebaut. Oft schwarz, also ohne Baugenehmigung, beklagen kroatische Umweltaktivisten.

Im Naturschutzgebiet stinkt es zum Himmel

Bis vor kurzem sei das Wasser hier noch eines der saubersten der Welt gewesen, erzählt Ivica Jandrić, der in der Nähe lebt und diesen Ort liebt. „Aber die wilde Bauerei hier hat so viel Verschmutzung verursacht, dass man hier nicht länger schwimmen kann.“

Die Verschmutzung rührt vor allem von der fehlenden Kanalisation her: Die Abwässer der Urlaubsunterkünfte versickern einfach mitten im Wald und landen über das Grundwasser in den Seen. Es entstehen regelrechte, stinkende Kloaken, die Bäume ringsum sind längst abgestorben.

Ein Baumrumpf ohne Äste.
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Wenn die Gäste vom Touristendorf dort fragen, woher der Gestank kommt, erzählen ihnen die Leute hier, dass es eine Schweinefarm in der Nähe gibt.

Ivica Jandrić, Umweltaktivist

Auf der anderen Seite bringen die Touristen eine Menge Geld nach Plitvice. An diesem lukrativen Geschäft wollen möglichst viele teilhaben. Naturschutz ist dabei Nebensache.

Was unternehmen die Behörden?

Das Wasser der Seen sei zwar untersucht, die Ergebnisse aber nie veröffentlicht worden, sagt Jandrić. Und der Bürgermeister von Plitvice schiebt die Verantwortung der Regierung zu:

 Zwanzig Jahre lang hat sich niemand um das Abwasser gekümmert. Jetzt ist es fünf vor zwölf  (...) Der Staat hat verstanden, dass Plitvice von nationalem Interesse ist und wir keine Zeit mehr verlieren dürfen.

Ante Kovac, Bürgermeister Gemeinde Plitvicer Seen

Noch immer werden überall neue Häuser hochgezogen und illegale Wasserleitungen durch den Wald gelegt. Ein Luxusressort steht mitten im Nationalpark, gebaut auch mit Mitteln der EU. Angeblich geht alles streng nach Vorschrift.

Wirtschaftliche Interessen versus Naturschutz

Ein Feriendorf ohne zentrale Wasserversorgung? Die lokalen Umweltaktivisten haben erhebliche Zweifel. Der Staat würde nicht genug kontrollieren. Da stünden dann plötzlich acht neue Häuser anstelle des einen, für das es eine Renovierungsgenehmigung gibt, erzählt Marijan Markovic vom Nationalpark Plitvicer Seen.

Ein grauhaariger Mann mit grünem T-Shirt steht vor einem Strauch, im Hintergrund ein Wasserfall.
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Viel Zeit bleibt nicht mehr. Denn der Park boomt, die Zahl der Touristen explodiert. Auch die UNESCO ist auf die Probleme aufmerksam geworden und droht mit dem Entzug des Welterbe-Status. Jandrić und seine Kollegen wollen jedenfalls weiterkämpfen - "wir Veteranen sind hier aufgewachsen", sagt er, und "wir sind entschlossen, dieses Welt-Naturerbe zu schützen".

Über dieses Thema berichtet MDR ... auch im ... : MDR | 01.01.2017 | 00:01 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 17:57 Uhr