Holzstämme im Bialowieza-Urwald, Polen/Weißrussland
Stämme von abgeholztem Bäumen im Białowieża-Nationalpark an den polnisch-belarussischen Grenze. Bildrechte: IMAGO

Białowieża-Nationalpark Trotz Abholzungsstopp: Ist Polens Urwald weiter in Gefahr?

Polen hat die Abholzung der Bäume im Schutzgebiet des Białowieża-Urwalds vorerst eingestellt. Das Land folgte damit einem Gutachten des Europäischen Gerichtshofs, welches die Abholzung für illegal erklärte. Die Umweltschützer geben dennoch keine Entwarnung.

Holzstämme im Bialowieza-Urwald, Polen/Weißrussland
Stämme von abgeholztem Bäumen im Białowieża-Nationalpark an den polnisch-belarussischen Grenze. Bildrechte: IMAGO

Im Kampf um den Erhalt des letzten europäischen Urwalds Białowieża haben die polnischen Umweltaktivisten einen Etappensieg errungen. Seit einigen Monaten sind im Schutzgebiet des Urwalds keine schweren Abholzmaschinen mehr zu sehen.

Damit hat Polen eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg umgesetzt, der im Dezember 2017 im Falle weiterer Rodungen hohe Geldstrafen gegen das Land androhte. Zuvor hatte die polnische Regierung Monate lang die starken Proteste der Umweltschützer und seitens der EU ignoriert.

Polen entlässt umstrittenen Minister

Anfang Januar 2018 wurde im Zuge des Umbaus des polnischen Kabinetts auch der umstrittene Umweltminister Polens Jan Szyszko entlassen. Szyszko galt als wichtigster politischer Befürworter der Abholzung. Nach seiner Ernennung zum Umweltminister im November 2015 verdreifachte er die Abholzquoten im Schutzgebiet.

Dabei argumentierte Szyszko mit der Gefahr des Borkenkäfers für den Urwald. Ein halbes Jahr später entließ er 32 von 39 Experten, die sich gegen eine Abholzung ausgesprochen hatten. Darüber hinaus warfen ihm Kritiker und Umweltaktivisten eine Nähe zur polnischen Forst- und Holzwirtschaft vor, die am meisten von der Abholzung profitiert.

Neuer Minister, neuer Ton

Nun führt Henryk Kowalczyk das polnische Umweltministerium. Er änderte den Kurs und versprach sich an künftige Entscheidungen des EuGH in Bezug auf den Urwald zu halten. Ende Februar 2018 hat der Gerichthof ein Gutachten vorgelegt, wonach eine Abholzung im Schutzgebiet gegen das EU-Recht verstößt.

Kowalczyk sagte bereits damals: "Mit gutem Gewissen kann ich sowohl dem Kommissar als auch dem Generalanwalt des Gerichtshofs der Europäischen Union in die Augen schauen, dass wir die Empfehlungen (des EuGH, Anm. d. Red.) umsetzen." Mit dem Stopp greift das Ministerium dem Urteil aus Luxemburg vor, dass für den 17. April erwartet wird.

Ex-Minister sieht ausländische Kräfte am Werk

Zur Entscheidung seines Nachfolgers schreib Szyszko in einem offenen Brief: "Polen verletzt nicht das Recht der Europäischen Union nicht , sondern versucht - in Übereinstimmung mit dem Gesetz - zu reparieren, was zerstört wurde." In dem Brief schreibt Szyszko auch von einer Kampagne "in- und ausländischen linksliberalen Kräfte", die "unwahre Ansichten über Polen und Polen" verbreiten würden.

"Białowieża sieht inzwischen aus wie ein Schweizer Käse"

Doch die polnischen Umweltschützer, allen voran die Organisation Greenpeace, trauen dem Frieden nicht. Polens Greenpeace-Direktor Robert Cyglicki ist der Meinung, dass nur eine Umwandlung des gesamten Gebiets in einen Nationalpark den Urwald retten könnte.

Doch daran hätten die Förster aus Sorge um ihre Jobs kein Interesse. Cyglicki schätzt, dass der Wald bereits auf etwa 19 Quadratkilometern Fläche zerstört wurde. "Bialowieza sieht inzwischen aus wie ein Schweizer Käse", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Unweltschützer zweifeln an Umsetzung

"Bei dem Streit geht es vor allem um Macht", erklärt Cyglicki. "Je mehr die Forstämter jetzt den Wald verändern, desto mehr spricht dagegen, ihn in Zukunft in einen Nationalpark umzuwandeln", sagt der Greenpeace-Aktivist. Nach Greenpeace-Informationen soll es bereits neue Abholzungspläne der Regierung geben.

Diese würde wieder mit der Abholzung beginnen, sollte das EU-Gericht bei seiner Entscheidung bleiben. "Dann geht alles von vorne los", stellte Cyglicki fest. Brüssel würde die neuen Pläne wieder lange prüfen, während die Forstämter Białowieża weiter verändern könnten.

Wald in Polen 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 18.08.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2018, 12:27 Uhr