Warschauer Regierung lässt Urwald abholzen

Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Bialowieza Naturschutzgebiet
Der Białowieża-Nationalpark erstreckt sich über eine Fläche von fast 1.300 Quadratkilometern auf dem Territorium von Polen und Belarus (Weißrussland), wo der Großteil des Parks liegt. Er ist ein Biosphärenreservat der UNESCO und Weltnaturerbe. Das Waldgebiet des Parks gilt als letzter "Tiefland-Urwald Europas". Bildrechte: Matthias Schickhofer
Andrzej Duda
Am 1. Januar 2017 unterschrieb Präsident Andrzej Duda die Gesetzesänderung, die derzeit stark in Polen diskutiert wird. Das Gesetz hat auch Folgen für den Białowieża-Nationalpark: 80 Prozent des bislang geschützten Gebiets gehören dem polnischen Staatsforst. Und der will dort Hunderttausende Bäume schlagen. Bereits durch eine Regelung von 2016 betrifft das 100.000 Bäume im Nationalpark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Offiziell dient die Neuregelung dem "aktiven Schutz" vor dem Borkenkäfer. Das Insekt befällt vor allem Fichten und trägt damit zum Baumsterben bei. Bildrechte: dpa
Umgestürter Baum im Bialowieza Nationalpark
Doch Experten bezweifeln diese Argumentation. Sie verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen Borkenkäfer ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems Wald seien und zu dessen Erhalt beitrügen. Denn die abgestorbenen Bäume böten anderen Tier- und Pflanzenarten am Boden Nahrung und Lebensraum. Bildrechte: Matthias Schickhofer
Holzstämme im Bialowieza-Urwald, Polen/Weißrussland
Dem Borkenkäfer-Argument widerspricht laut Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace auch die Tatsache, dass die Behörden gar nicht übermäßig viele Fichten wie hier im Bild fällen wollen, sondern vor allem Laubbäume. Bildrechte: IMAGO
Baumstumpf
Greenpeace meint vielmehr, dass es der Regierung nicht um den Naturschutz gehe, sondern überwiegend um kommerzielle Gründe. So diene die Gesetzesänderung hauptsächlich dem Zweck, wirtschaftlich lukrative Baumarten im Nationalpark zu fällen. Bildrechte: IMAGO
Protest in Warschau am 17.01.2016 für Erhalt von Bialowieza-Urwald
Doch bereits seit dem Regierungsantritt der PiS im November 2015 formiert sich Protest gegen die weitreichenden Lockerungen beim Umweltschutz. Etwa hier bei einer Demo für den Erhalt des Białowieża-Urwalds im Januar 2016 in Warschau. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau trägt eine Maska aus Baumrinde über ihrem Gesicht.
In sozialen Netzwerken wird das neue Gesetz derzeit scharf kritisiert. Die Hoffnungen der Aktivisten liegen auch auf der Europäischen Union und der UNESCO. Beide haben Polen aufgefordert, die Regelungen zu überarbeiten und mit dem Entzug von Geldern und des Status als Weltnaturerbe gedroht. Das war bereits im Sommer 2016. Seither wurden im Białowieża-Nationalpark bereits mehrere tausend Bäume gefällt. Nach dem öffentlichen Druck wurde das Gesetz Anfang April zumindest abgeschwächt. Nun müssen Grundstückseigentümer die Behörden informieren, bevor sie Bäume fällen.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Sachsenspiegel | 26.02.2017 | 19:00 Uhr)
Bildrechte: IMAGO
Alle (8) Bilder anzeigen