Russland Militärübung
Westliche Beobachter sollen auch an der russisch-belarussischen Militärübung "Westen 2017" teilnehmen dürfen. Bildrechte: dpa

Russische Militärübung in Belarus: Polen schlägt Alarm

Polen warnt vor russischen Militärübungen in Belarus. Russland würde unter dem Vorwand dort Truppen stationieren. Die Großübungen der russischen Armee nehmen seit Jahren zu, berichtet die FAZ.

Russland Militärübung
Westliche Beobachter sollen auch an der russisch-belarussischen Militärübung "Westen 2017" teilnehmen dürfen. Bildrechte: dpa

Das polnische Außenministerium hat sich kritisch über die bevorstehende Großübung "Sapad 2017" (deutsch: "Westen 2017") des russischen Militärs in Belarus geäußert. Staatssekretär Michał Dworczyk sagte dem regierungsnahen Fernsehsender "TV Republika", es gäbe "viele Zweifel und Ängste aufgrund des russischen Verhaltens in der Vergangenheit, dass nach der Übung nicht alle Soldaten und ihr Equipment wieder abgezogen werden."

Litauen hatte zuvor ähnliche Bedenken geäußert. Staatspräsidentin Dalia Grybauskaitė sprach bereits im Juni von einem „aggressiven und offensiven Manöver gegen den Westen“. Zuletzt hatte ein amerikanischer Drei-Sterne-General nahegelget, dass Russland im Schatten solcher Manöver die kurz darauf folgende Intervention in Georgien 2008 und die Besetzung der Krim 2014 vorab geübt hätte. Nun liege der Fokus auf dem Baltikum und der russischen Exklave Kaliningrad.

Kriegsbereitschaft: Russland übt dreimal so oft wie die NATO

Die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtet derweil am Mittwoch, dass Russland zwischen 2015 und 2017 etwa dreimal so oft kriegerische Auseinandersetzungen üben würde wie die NATO. Dazu analysierte das Blatt alle bekannten Übungen mit mehr als 1.500 Soldaten in diesem Zeitraum. So käme die NATO im Beobachtungszeitraum auf 38 Übungen, während Russland 124 absolvierte.

Zudem führe Russland jährlich mehrere große so genannte "Kampfbereitschaftsinspektionen" durch. Dabei werden Militärverbände von mehr als 1.500 Mann Stärke mit sofortigen Wirkung in Kriegsbereitschaft versetzt. Die FAZ zählte im Untersuchungszeitraum 22 solcher großen Kampfbereitschaftsinspektionen. Die Nato führte der Recherche zufolge bis heute keine einzige durch.

Verteidigungsministerium lädt Beobachter ein

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, dass es Beobachter aus sieben NATO-Staaten zu der Übung "Sapad 2017" einlade. Darunter auch Litauen, Polen und die Ukraine. Zusätzlich könnten auch Delegationen der UN, OSZE und dem Roten Kreuz die Übung beobachten, erklärte das Verteidigungsministerium. Das Mannöver findet vom 14. bis 20. September an Russlands Westgrenze, in der Exklave Kaliningrad und in Belarus statt, das an Polen und Litauen grenzt.

Die gemeinsame Militärübung "Sapad" von russischen und belarussischen Streitkräften findet alle vier Jahre statt. An ihr sollen insgesamt 12.700 Soldaten teilnehmen. Andere Quellen gehen von bis zu 100.000 aus. Diese Zahl entspricht in etwa den an der russischen Westgrenze stationierten Truppen.

Über dieses Thema berichtet HEUTE IM OSTEN auch in: MDR AKTUELL | 09.06.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 11:44 Uhr