Grauhaariger Mann in Bürgermeister-Amtsrobe und -kette. vor Paar bei Traaung.
Eheschließungen durch den Słupsker Oberbürgermeister Robert Biedroń sind so gefragt, dass es inzwischen Wartezeiten gibt. Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

Polens Politikstar Biedroń macht mobil gegen die PiS-Regierung

Lange hat der beliebte Politiker die Öffentlichkeit über seine politische Zukunft im Unklaren gelassen. Nun steht aber fest: Robert Biedroń wird nicht noch einmal als Bürgermeister der Ostseestadt Słupsk kandidieren. Er bricht damit ein Versprechen, doch mit der Gründung einer eigenen Bewegung steht fest, dass der Hoffnungsträger liberal denkender Polen in die große Politik zurückkehrt.

Grauhaariger Mann in Bürgermeister-Amtsrobe und -kette. vor Paar bei Traaung.
Eheschließungen durch den Słupsker Oberbürgermeister Robert Biedroń sind so gefragt, dass es inzwischen Wartezeiten gibt. Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

Robert Biedroń ist Medienprofi, durch und durch. Unter dem Hashtag #CzasDecyzji (ZeitDerEntscheidung) füttert er das polnische Publikum seit Tagen an. Noch ein schnelles Foto am Morgen mit der Kaffeetasse in der Hand, dazu die Frage: "Seid ihr bereit?" Er gibt kleine Filmausschnitte preis, die Gewissheit darüber geben sollen, wohin es den Star der polnischen Lokalpolitik in Zukunft treibt. An der entscheidenden Stelle brach der Filmausschnitt natürlich bisher immer ab. Bis Montagmittag. Nun ist der gesamte Vierminüter online und es ist klar: Robert Biedroń wird nicht noch einmal antreten als Bürgermeister in der Ostseestadt Słupsk (Stolp). Er überlässt das Feld seiner Stellvertreterin Krystyna Danilecka-Wojewódzka. Und er selbst?

Zurück auf die gesamt-polnische Bühne

Polnischer Facebook Post, der einen grauhaariger Mann im Anzug zeigt.
Biedroń (r.) mit seinem Partner. Bildrechte: Facebook.com/Robert Biedron

Eigentlich hatte der 42-Jährige im Frühjahr versprochen, für eine zweite Amtszeit im Słupsker Rathaus zu kandidieren. Zuvor war spekuliert worden, dass er vielleicht als Stadtoberhaupt von Warschau antreten könnte. Das hatte Biedroń versucht zu entkräften und sich vermutlich auch deshalb zum Geständnis über eine zweite Kandidatur in Słupsk hinreißen lassen.

Denn nun bricht er sein Versprechen. Nach nur vier Jahren in der Provinz zieht es Biedroń zurück in die polenweite Politik. In seinem Video verkündet Biedroń energisch zu melancholischer Musik:

Ich weiß, dass viele von Euch, so wie ich, niemanden haben, für den sie stimmen können. Ich weiß, dass Ihr Euch darüber ärgert, dass die Opposition so zerstritten ist und nichts unternimmt dagegen, dass die derzeitigen Machthaber uns unser Polen wegnehmen.

Robert Biedroń

"Brainstorming mit Robert Biedroń"

Er wolle nun durch Polen fahren, die guten lokalen Ideen der Polen sammeln und bündeln. Seine Vision: ein sicheres, fröhliches, offenes, stolzes und pro-europäisches Polen. Es müsse Schluss damit sein, dass polnische Politik in Büros gemacht werde. Sie müsse aus dem Leben stammen, unabhängig von den festgefahrenen Parteien, findet Biedroń. Die Idee seiner gesellschaftlichen Bewegung steht unter dem Motto "Brainstorming mit Robert Biedroń". 

Grauhaariger Mann und junge rothaarige Frau machen Selfie auf einem Sportplatz.
Biedroń verkörpert alles, was die konservative Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) ablehnt. Er  ist ein homosexueller Atheist, der eine linke und grüne Wirtschaftspolitik betreibt und liberale, pro-europäische Werte vertritt. Bildrechte: Westdeutscher Rundfunk

Politik nach französischem Vorbild?

Vielen Europäern dürfte die Idee bekannt vorkommen. Die Bewegung "En Marche" hat in Frankreich so begonnen – und Emmanuel Macron ins Präsidentenamt gespült.

Zu einer Kandidatur 2020 für das Amt des polnischen Präsidenten schweigt Biedroń nach wie vor. Doch eine Passage in seinem Video macht Beobachter stutzig: "Wenn ich den Bürgermeister-Posten nach den Wahlen aufgeben würde, meine Amtszeit jedoch noch nicht zu Ende sein sollte, würde ein Partei-Kommissar die Macht in meiner geliebten Stadt übernehmen." Dieser wäre von der oppositionellen PiS. Das könne er nicht zulassen, so Biedroń. Doch warum sollte er sein Amt vor dem Ende der Legislaturperiode aufgeben? Dafür gibt es eigentlich nur einen Grund: Robert Biedroń will Polens Macron werden.

(ele)

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im: TV | 01.02.2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 18:11 Uhr