Design aus Polen Polnische Mode erobert Deutschland

Mode aus Polen ist hierzulande noch ein Geheimtipp. Dabei schaffen es immer mehr Entwürfe aus unserem Nachbarland über dessen Grenzen hinaus. Denn Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für polnische Jungdesigner.

Der Schriftzug -polish fashion is obsession- steht an der Scheibe eines Modegeschäfts
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Als „Manhattan des Ostens" wird Warschau mitunter bezeichnet. Das liegt insbesondere an den gut gekleideten Warschauerinnen. Dabei ist der Modestil polnischer Frauen grundsätzlich ein klassischer: egal ob bunt oder dezent - im Zentrum steht das Kleid. In Polen ist es alltagstauglich wie Jeans und Sneakers.

In der polnischen Modewelt sieht man aber auch die Anklänge internationaler Trends. Polnische Designer orientieren sich an modischen Einflüssen aus New York, Tokio oder Berlin. Typisch polnisch ist aber vor allem Opulenz - also Rüschen und Schleifen sowie Kleider und Faltenröcke mit Folklore-Mustern. Ebenfalls im Trend: Auffällige Accessoires.

Epizentrum Berlin

"Wir haben Mode schon immer geliebt, mit ihr gespielt und waren kreativ", sagt Maciej Tyszecki, der den polnischen Modeladen „Quadrat“ in Berlin betreibt: "Wir orientieren uns aber mehr an puristischen Linien. Polnische Mode ist Oversize. Das heißt: Zu lang, zu groß. Gerade dieser Streetstyle kommt in Berlin gut an."

Werbung polnische Designer Confashion
Eine Werbung des polnischen Designer-Labels "Confashion", dessen Stücke das "Quadrat" in Berlin vertreibt. Bildrechte: Ania Cywińska

Denn polnisches Design ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Das Epizentrum des Modetrends liegt in Berlin. „Polish Fashion is Obsession“ steht an der Scheibe des Modegeschäfts "Rauch & Groen" im Bezirk Friedrichshain. In Berlin gibt es mittlerweile mehrere Geschäfte, die polnische Designerware anbieten. „Rauch und Groen“ und der „Quadrat Shop" sind die bekanntesten.

Deutsche Kleiderschränke voller polnischer Mode

Dabei hängt auch in deutschen Durchschnitts-Kleiderschränken längst Mode “Made in Poland”. Nur wissen das viele Deutsche gar nicht. Die polnische Textilindustrie hat eine lange Tradition. Große Modeketten und kleine Manufakturen lassen ihre Mode in Polen fertigen. Und auch polnische Labels erobern die Innenstädte und das Internet.

Die Kette "Reserved", ein Mix aus Zara und H&M, betreibt bereits 16 Geschäfte in Deutschland, darunter eines in Leipzig. Weitere Filialen sind in Planung - auch in Berlin. Dass die deutsche Hauptstadt der Hotspot für polnische Mode ist, ist kein Zufall. Nach London ist sie die europäische Metropole mit dem größten polnischen Bevölkerungsanteil. Und für die Absolventen der Mode-Hochschulen in Posen, Łódź und Warschau auch die nächste.

"Slow" Fashion auf dem Vormarsch

Kate Middleton mit einer Handtasche aus Polen
Kate Middleton besitzt eine Handtasche polnischer Designerinnen. Für polnische Medien ein Symbol für den Boom der heimischen Modeindustrie. Bildrechte: dpa

Auch im Internet zeigt sich der polnische Mode-Boom: Seit 2015 mischt das Portal "showroom" auf dem deutschen Markt mit. Die Plattform vermarktet die Mode junger polnischer Designer. In Polen ist showroom bereits Marktführer. Seit 2012 ist der Burda-Konzern an dem Unternehmen beteiligt und hat dessen Expansion nach Deutschland in die Wege geleitet.

Die polnische Herkunft ihrer Designs ist dabei ein Vermarktungselement der Plattform. Denn im Land hat sich eine neue Fashionszene entwickelt, die auf „Slow Fashion“ setzt. Slow Fashion verspricht Mode fürs gute Gewissen: Bewusst, nachhaltig, lokal und fair produzierte Kleidung. Dieses Konzept kommt auch in seinem Berliner Mode-Shop an, sagt "Quadrat"-Gründer Maciej Tyszecki.

Polnisches Design auf internationaler Bühne

Und jüngst brachte es ein polnisches Designer-Stück auch zu internationaler Bekanntheit. Und zwar durch die britischen Royals. Beim Staatsbesuch in Paris trug Herzogin Kate passend zu ihrem dunkelgrünen Mantel eine grüne Clutch des polnischen Labels "Etui". Die "kopertówka“, wie die Polinnen zu der kleinen Handtasche sagen, wird auch im Londoner Luxus-Kaufhaus "Harrods" vertrieben.

Beata Szydlo in Rom
Die polnische Premierministerin Beata Szydło trägt auch mal gewagte Outfits. Nicht immer zu ihrem Vorteil, ätzen polnische Medien. Bildrechte: IMAGO

Eine andere Mode-Botschafterin ist Premierministerin Beata Szydlo, aber nicht immer nach dem Geschmack der heimischen Kommentatoren. Zum EU-Jubiläumsgipfel in Rom erschien sie Ende März in einem knallgelben Blazer, Seitdem hängt ihr der wenig schmeichelhafte Beiname "Kanarienvogel" an. In Modefragen ist Szydlo in Polen aber vor allem für ihren Faible für opulente Accessoires bekannt. Ihr Markenzeichen: Broschen.

Vom Mangel zum Überfluss

Einst war Polen verhüllt vom Eisernen Vorhang. Zwischen Plattenbau und leeren Geschäftsregalen konnten nur sehr wenige Polen in den so genannten „Pewex-Geschäften“ westliche Waren einkaufen. Mode war Luxusgut. Modisch ist Polen längst in der Moderne angekommen, nun ändern sich auch die Rollen. Wer im pulsierenden Berlin ausgefallene Mode will, der kauft bei den Polen.

(ama/ahe)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Radio: MDR Kultur | 28.06.2016 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 16:19 Uhr