Olympische Spiele 1972: Spiel um Platz 3 zw. UdSSR - DDR, Peter Ducke, dahinter Torwart Jürgen Croy macht Shakehands mit einem sowjetischen Spieler.
Bildrechte: IMAGO

Einführung ins Thema Sport in der DDR: Kampf um die Weltspitze

Sport als Freizeitvergnügen war in der DDR zwar gewünscht, wurde im Breitensport aber aufgrund mangelnder Ausstattung nicht gefördert. Anders im Leistungsbereich, dieser war jedoch eingebunden in ideologische Vorgaben und Zielsetzungen.

Olympische Spiele 1972: Spiel um Platz 3 zw. UdSSR - DDR, Peter Ducke, dahinter Torwart Jürgen Croy macht Shakehands mit einem sowjetischen Spieler.
Bildrechte: IMAGO

"Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport" lautete die von Ulbricht 1959 ausgegebene Parole, um die Leibesertüchtigung in der Alltagswelt zu befördern. Aber diese Aufforderung zum Breitensport verschleierte nur mühsam die eigentliche Ausrichtung der DDR-Sportpolitik. Wichtiger war da die Einstufung von Sport in die Bereiche von "Sport I" und "Sport II": Kategorien, welche die medaillenintensiven Sportarten durch Art und Ausmaß der Förderung klar vom "normalen" Breitensport unterschieden. Kategorien, die über Erfolg und Misserfolg begabter Sportler entscheiden konnten – und oft zu einem Tauziehen hinter den Kulissen führten.

Nachwuchssuche, Trainingsanstalten, Doping

Der staatlich geförderte Leistungssport feierte in bestimmten Disziplinen erstaunliche Erfolge, 1968 überflügelte die DDR den "Klassenfeind" Bundesrepublik bei den Olympischen Spielen. Die gewonnene Spitzenposition bei den Spielen wurde von der DDR gehalten, 1984 wurde bei den Winterspielen sogar der "große Bruder" Sowjetunion überflügelt. Bei den Mitteln der Leistungsförderung war die DDR sehr zielorientiert, neben intensiver Nachwuchssuche und speziellen Lehr- und Trainingsanstalten für die Jugend muss hier auch das Thema Doping genannt werden.

Andere Regeln für Alltagssportler

Nur bei der Massensportart Fußball (mit ihrer Tendenz zum Bereich "Sport II") hinkte die DDR internationalen Standards hinterher. Umso bedeutsamer war das 1:0 bei der Weltmeisterschaft 1974 gegen Westdeutschland oder auch der vereinzelte Erfolg von DDR-Mannschaften im Europacup. Für den Alltagssportler galten wiederum andere Regeln, er war auf schlechter ausgestattete Trainingsmöglichkeiten angewiesen. Die zeigte sich zum Beispiel bei der Beschaffung von speziellen Schuhen.

Mangelwirtschaft auch im Sport

Ein entnervter Läufer schrieb 1983 in einer Eingabe an Sportchef Ewald: (Es seien) "doch außer mir noch hunderttausende andere Ausdauerläufer von dem Problem der mangelnden Bereitstellung von Spezialeinlaufschuhen betroffen" (Großbölting 2009, S.183). Die Auswirkungen der Plan- und Mangelwirtschaft betrafen eben auch die Bereiche des Freizeitsports. Einige Leistungssportler wählten angesichts beengter Perspektiven – oder auch gerade aufgrund der über den Sport erreichten Reisemöglichkeit zu ausländischen Sportstätten – den Weg der Republikflucht, was z.T. zu harten Gegenreaktionen führte. Der Fall des im Westen auf ungeklärte, aber verdächtige Weise zu Tode gekommenen Fußballers Lutz Eigendorf mag hier als Extrembeispiel dienen.

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2011, 10:55 Uhr