Wem gehört der Osten: Die großen Deals der Einheit

Die grossen Deals der Einheit

Unternehmer Roland Ernst 2 min
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Verkuppelt Wie die Staatsbank der DDR zur Deutschen Bank kam

Dezember 1989 waren die Tage des DDR-Staatsbank gezählt. Doch ihrem Vizechef gelang ein Coup. Er fädelte eine Privatisierung fernab der Öffentlichkeit ein.

Der Vizepräsident der Staatsbank der DDR, Edgar Most
Dezember 1989. Edgar Most, 49 Jahre alt und seit wenigen Tagen Vizepräsident der Staatsbank der DDR, hat einen großen Plan: Er will eine Bank gründen. Seine Bank. Die erste Privatbank der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gebäude der ehemaligen Staatsbank der DDR, 1991.
Dafür will Edgar Most große Teile aus der guten alten Staatsbank herauslösen und zur Basis seines Bankhauses machen. Man könnte auch sagen: Most will die in Berlin ansässige Staatsbank privatisieren, ehe es zu spät ist. Denn die Tage der DDR, da ist sich der ostdeutsche Spitzenbanker sicher, sind gezählt. Aber Most weiß, selbst wenn alles klappen sollte - allein wird er nicht überleben können, er braucht einen Partner im Westen. Bildrechte: IMAGO
Hilmar Kopper
Am 11. Februar 1990 treffen sich Edgar Most und Hilmar Kopper in einem Westberliner Hotel. Die beiden Manager verstehen sich auf Anhieb. Fünf Stunden sitzen sie zusammen und wie nebenbei fädeln sie den größten Deal im Vereinigungsprozess ein. Per Handschlag vereinbaren sie, dass die Deutsche Bank mit Mosts Privatbank zusammengehen wird. "Wir gehen nur dann in den Osten, wenn Sie dabei sind", sagt Kopper zum Abschied. Bildrechte: IMAGO
Edgar Most, ehemaliger Vizepräsident der Staatsbank der DDR.
Im Dezember 1990 verschmelzen Deutsche Bank und Deutsche Kreditbank. Edgar Most wechselt in den Vorstand der Deutschen Bank und wird gleichzeitig Chef der Deutschen Bank Berlin. Er hat mehr als 100 Mitarbeiter und ist selbst zuständig für Groß- und Firmenkunden. Seine besondere Aufgabe sieht er darin, Betriebe im Osten zu unterstützen und Neugründungen zu finanzieren. Als er 2004 in den Ruhestand verabschiedet wird, heißt es, jeder dritte Arbeitsplatz im Osten gehe auf ihn zurück. Tatsächlich hat Edgar Most mehr als 650 ostdeutsche Firmen durch Kapitalhilfen, Finanzierung und Beratung mitgegründet. Bildrechte: IMAGO
Der Vizepräsident der Staatsbank der DDR, Edgar Most
Dezember 1989. Edgar Most, 49 Jahre alt und seit wenigen Tagen Vizepräsident der Staatsbank der DDR, hat einen großen Plan: Er will eine Bank gründen. Seine Bank. Die erste Privatbank der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Filiale der Deutschen Bank
Von Anfang an setzt er auf die Deutsche Bank, das mächtigste Bankhaus der Bundesrepublik. Nur zum Vergleich: Der Staatshaushalt der DDR beträgt 1989 269 Milliarden Ost-Mark, die Bilanzsumme der Deutschen Bank im gleichen Jahr: 344 Milliarden D-Mark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eingangsschild der Staatsbank der DDR Eingangsschild
Aber Most steht keineswegs mit leeren Händen da: Die Staatsbank ist das Gedächtnis der DDR-Wirtschaft. Sämtliche Betriebe der Republik müssen hier ihre Konten führen, sämtliche Banken und Versicherungen ihre Einlagen abliefern. Aus dem großen Topf der Staatsbank wird alles finanziert. Wer die Staatsbank beherrscht, weiß alles über den Osten. Und Most weiß, dass die Banker im Westen das auch wissen. Bildrechte: IMAGO
Der Generalbevollmächtigte der Deutschen Bank für Personalfragen, Axel Osenberg
Ende Januar 1990 lernt Edgar Most den Generalbevollmächtigten der Deutschen Bank für Personalfragen, Axel Osenberg, kennen. Most schildert ihm, dass er gerade die Staatsbank der DDR auf eigene Faust privatisiere und einen starken Partner suche. Die beiden Manager fassen sofort die Möglichkeit eines Joint Ventures ins Auge. Dann bittet Most Osenberg, ein Treffen mit dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, zu arrangieren. Nur wenige Tage später meldet sich Osenberg telefonisch bei Most: Kopper sei bereit. Der Termin wird auf den 11. Februar 1990 gelegt und absolutes Stillschweigen vereinbart. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper (links) mit dem letzten DDR-Regierungschef Hans Modrow (rechts)
In der Öffentlichkeit streitet Kopper jedoch alles ab. Als er nach einem Treffen mit Ministerpräsident Modrow in Ostberlin gefragt wird, ob sich die Deutsche Bank stärker im DDR-Geschäft engagieren wolle, sagt er: "Wir halten uns sehr zurück mit derartigen Aussagen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper
Doch schon eine Woche später geben Hilmar Kopper und Edgar Most bekannt: "Die Deutsche Bank und die Deutsche Kreditbank haben eine Absichtserklärung über die Gründung eines gemeinsamen Kreditinstitutes unterzeichnet." Sofort steigt der Kurs der Deutschen Bank. In der Frankfurter Finanzwelt wird von einem "äußerst raffinierten Coup" gesprochen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lothar de Maiziere und Günther Krause.
Aber Edgar Most hat ein ganz anderes Problem: Am 1. Juli 1990 soll in der DDR die D-Mark eingeführt werden. Most ahnt, dass mit diesem Tag praktisch fast alle DDR-Betriebe bankrott sein werden. Und sie würden seine Bank mit in den Abgrund reißen. Mitte Juni 1990 schildert Most die Lage Ministerpräsident Lothar de Maizière (links im Bild neben Günther Krause, Minister für besondere Aufgaben). Und der verspricht ihm zu helfen. Tatsächlich erlässt der Ministerrat der DDR nur wenige Tage später einen Beschluss, wonach die Banken der DDR nicht Pleite gehen dürfen. Die Bundesregierung stimmt dem Beschluss umgehend zu. Bildrechte: IMAGO
Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper
Bei der Deutschen Bank knallen jetzt die Sektkorken. Bei ihrem Geschäft in der DDR geht die Bank nicht das geringste Risiko ein. Rasch gründen Most und Kopper eine Bank – die "Deutsche Bank/Kreditbank AG". Dort ist nun die Deutsche Bank Mehrheitseigner. Die Schulden der DDR-Betriebe verbleiben bei der "Deutschen Kreditbank". Und für deren Altlasten bürgt schließlich die Bundesregierung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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... und in Osteuropa?

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