Wem gehört der Osten: Der Osten gehört dem Westen

Der Osten gehört dem Westen

Blick von oben auf Wohnungen in Dresden 2 min
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Zeichnung 1 min
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Als die DDR zusammenbrach wurden auch ihre volkseigenen Betriebe verkauft. Allerdings kaum an Menschen aus Ostdeutschland - ihnen fehlte meist das Kapital.

Mi 01.07.2015 16:25Uhr 00:57 min

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Ostmarken mit Westproduzenten Wo Osten drauf steht, steckt nicht immer Osten dahinter

Beim Einkaufen denkt wohl so mancher: Schön, dass es immer noch so viele Ostprodukte gibt. Doch ob Wurzner Reis, Rotkäppchen-Sekt oder Nudeln aus Riesa - nahezu alle Ostmarken haben längst westdeutsche Besitzer.

Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter.

Dieses Thema im Programm: "Wem gehört der Osten" MDR FERNSEHEN | 06.06.2017 | 22:50 Uhr
Bildrechte: Volker Queck, MDR
Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter.

Dieses Thema im Programm: "Wem gehört der Osten" MDR FERNSEHEN | 06.06.2017 | 22:50 Uhr
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Eine Tüte Knusperflocken von Zetti
Auch in den Knusperflocken von Zetti steckt westdeutsches Kapital. Seit 2011 beteiligt sich der Eigenkapitalfinanzierer VR Equitypartner aus Frankfurt am Main an der Leipziger Goldeck Süßwaren GmbH. Das neue Kapital wurde zur Modernisierung des Produktionsstandortes in Zeitz eingesetzt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Ein großer Topf Bautzner Senf
Einer der beliebtesten Senfe in Ostdeutschland kommt aus der Oberlausitz. Seit 1953 aus dem VEB Essig- und Senffabrik Bautzen, später VEB Lebensmittelbetrieb Bautzen. 1992 kaufte das bayerische Traditionsunternehmen Develey Senf & Feinkost aus Unterhaching das Bautzener Werk von der Treuhandanstalt. Develey investierte in eine neue Senf- und Feinkostfabrik in der ostsächsischen Stadt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Reis und eine Tüte Erdnussflips
Wurzener Erdnussflips und Wurzener Reis kommen zwar aus Wurzen, aber hinter der Wurzener Nahrungsmittel GmbH steht ein westdeutsches Unternehmen: die Getreide AG Rendsburg aus Schleswig-Holstein. Das westdeutsche Getreidehandelshaus übernahm 1993 den Treuhandbetrieb Wurzener Nahrungsmittel und Keksfabriken GmbH. Unter der Marke "Wurzener" werden heute auch diverse Cornflakes und andere Frühstücksflocken verkauft. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Burger Knäckebrot
Knäckebrot und Zwieback aus Burg bei Magdeburg: zwei Produkte, die in der DDR quasi in aller Munde waren, hatten es nach der Wende zunächst schwer, sich in den Supermarkt-Regalen zu behaupten. Mehrfach wechselten nach 1990 die Besitzer des Betriebes. 2001 schließlich kaufte der westdeutsche Zwieback-Marktführer Brandt den ostdeutschen Konkurrenten auf. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Packung Hallorenkugeln
Die Schokokugeln aus Halle an der Saale haben sich inzwischen den ostdeutschen Markt zurückerobert. Der 1952 gegründete VEB Halloren wurde 1992 von der Treuhand für rund 400.000 D-Mark an den Hannoveraner Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski und seine Halloren Beteiligungsgesellschaft mbH verkauft. Der Hauptsitz befindet sich nach wie vor in Halle, wo inzwischen weit mehr als Schokokugeln, Geleebananen und Weinbrandbohnen produziert werden. Etwa 180 verschiedene Schokoladen- und Trüffelsorten werden in Deutschlands ältester Schokoladenfabrik hergestellt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Flasche Rotkäppchen-Sekt
"Rotkäppchen hat Mumm" titelten die Zeitschriften, als die Sektkellerei aus Freyburg an der Unstrut 2002 die West-Marke Mumm aufkaufte. Allerdings wurde Mumm keineswegs von einem Ostunternehmen geschluckt. Der einstige VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg/Unstrut wurde 1993 von der Treuhandanstalt zwar an ehemalige Mitarbeiter verkauft, doch im Boot saß auch der westdeutsche Getränkehersteller Eckes-Chantré aus Rheinhessen, der heute mit 58 Prozent die Mehrheit hält. Allerdings hatte es bei Rotkäppchen mit Gunter Heise, der ehemalige Chef der Sektkellerei nach 1991, ein Ostdeutscher zum Geschäftsführer gebracht. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Tüte Nudeln
Nudeln aus Riesa kannte in der DDR jeder. Und auch heute sind sie aus den Regalen vieler Supermärkte nicht wegzudenken. Die Teigwarenfabrik Riesa ist seit Januar 1993 Tochter der baden-württembergischen Alb-Gold Teigwaren GmbH und firmiert seither als Teigwaren Riesa GmbH. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Ein Glas Spreewälder Gurken
Bei sauren Gurken ist heute die Firma "Spreewaldhof" einer der Marktführer. Hervorgegangen ist sie aus dem VEB Spreewaldkonserve Golßen, der Zentrale der Spreewälder Konservenindustrie. Das Unternehmen gehört den Geschwistern Karin Seidel und Konrad Linkenheil vom Niederrhein. Nach der Wende hatten die beiden in Ostdeutschland eine neue Produktionsstätte für ihre Obstkonservenfabrik gesucht. Im Spreewald wurden sie fündig. 1991 kauften die Geschwister den einstigen VEB. Im Jahr 2000 wurde die Produktion aus dem Rheinland schließlich komplett in den Spreewald verlagert. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine Tüte Spee
Spee war seit 1968 der Renner unter den Waschmitteln in der DDR. Produziert wurde es im VEB Waschmittelwerk Genthin. 1990 kaufte die Henkel KGaA das Werk von der Treuhandanstalt zurück. Henkel hatte das Werk bis 1945 besessen. Der Konzern kassierte vom Land Sachsen-Anhalt Fördergelder in zweistelliger Millionenhöhe. Daran war eine Standortbindung von zehn Jahren gebunden. Mittlerweile hat sich Henkel vollständig aus Genthin zurückgezogen. Alle Produktionsanlagen wurden mit nach Düsseldorf zum Stammsitz des Konzerns genommen. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Eine runde Büchse Florena-Creme
Die Universalcreme in der blau-weißen Dose sah in der DDR dem Westprodukt Nivea zum Verwechseln ähnlich. Nach der Wende konnte Florena zwischenzeitlich nur dank des Exportes nach Russland überleben. Später kauften auch wieder die Ostdeutschen die sächsische Creme. Der Betrieb wurde unter dem Namen Florena Cosmetic GmbH von drei Sachsen geführt, die die Mehrheit des Kapitals erwarben. Zum westdeutschen Konkurrenz-Konzern Beiersdorf gab es einen guten Draht. Der ließ im sächsischen Waldheim zunächst eigene Produkte herstellen. 2002 übernahm Beiersdorf Florena vollständig: Das Werk wurde eine 100-prozentige Tochtergesellschaft. In Waldheim werden neben den Florena-Produkten auch Nivea und Eucerin hergestellt. Bildrechte: "Beiersdorf AG"
Drei Flaschen Bier
Die ostdeutschen Bierbrauereien von Rostock bis Radeberg gehören zwar dem Namen nach zu einem ostdeutschen Unternehmen, nämlich der Radeberger Gruppe, doch dahinter steht das westdeutsche Familienunternehmen von Dr. August Oetker aus dem nordrheinwestfälischen Bielefeld. Ursprung der heute größten deutschen Brauereigruppe ist die 1952 von Oetker gegründete Binding Brauerei in Frankfurt.
Und bei den anderen ostdeutschen Brauereien sieht es ähnlich aus: Das Köstritzer Schwarzbier wurde 1991 von der Bitburger-Gruppe aus Rheinland-Pfalz übernommen, zu der seit 2002 auch Wernesgrüner, das DDR-Exportbier aus dem Vogtland, gehört.
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Drei Päckchen Zigaretten
f 6 und Juwel - die Ost-Zigaretten werden auch heute noch in Dresden-Striesen produziert, Eigentümer des einstigen VEB Dresdner Zigarettenfabriken ist seit 1990 jedoch der US-Tabakkonzern Philip Morris. Die Marke Cabinet wird inzwischen nicht einmal mehr im Osten produziert. Ende der 1990er Jahre schloss die Imperial Tobacco Group PLC den Produktionsstandort in Nordhausen. Seither werden die Zigaretten im niedersächsischen Langenhagen hergestellt. Bildrechte: Volker Queck, MDR
Keksverpackungen: Butterkeks und Othello-Keks
Kaum ein Kind in der DDR ahnte damals wohl, dass im VEB Wikana in Wittenberg nicht nur leckere Othello-Kekse und das Lutherbrot hergestellt wurden, sondern vor allem Dauerbackwaren für die Nationale Volksarmee. Und weil dieser Großabnehmer mit dem Ende der DDR wegfiel, kam der Betrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1992 kaufte ein Privatinvestor aus Halle/Saale den Betrieb von der Treuhand. Mit 20 ehemaligen Beschäftigten startete das Unternehmen neu. Das Land Sachsen-Anhalt und die EU finanzierten für 3 Millionen Euro neue Produktionsanlagen. Seit 1997 heißt die Firma Wikana Keks und Nahrungsmittel GmbH. Bildrechte: MDR/Volker Queck
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Blick in einen Einkaufskorb mit Produkten wie Sekt, Bier, Waschmittel und Nudeln
"Von hier", "Kult-Produkt" – Ostmarken wie Rotkäppchen, Spee oder Florena haben sich ihren Platz in den ostdeutschen Supermärkten zurückerobert. Doch wo Ostprodukt drauf steht, steckt so gut wie nie auch ostdeutsches Geld dahinter. Bildrechte: Volker Queck, MDR

... und in Osteuropa?

Dacia - Verkaufsschlager im Westen 2 min
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