Russlands Präsident Wladimir Putin wirft bei der letzten Wahl am 04.03.2012 seinen Wahlzettel in eine Wahlurne.
Russlands Präsident Wladimir Putin wirft bei der letzten Wahl am 04.03.2012 seinen Wahlzettel in eine Wahlurne. Bildrechte: dpa

Russland Präsidentschaftswahl: Putins Angst vor Gleichgültigkeit

Eine niedrige Wahlbeteiligung am 18. März wäre eine Schmach für den Kremlherren. Deshalb versuchen die Machthaber alles, um die Russen an die Urnen zu kriegen.

von Maxim Kireev

Russlands Präsident Wladimir Putin wirft bei der letzten Wahl am 04.03.2012 seinen Wahlzettel in eine Wahlurne.
Russlands Präsident Wladimir Putin wirft bei der letzten Wahl am 04.03.2012 seinen Wahlzettel in eine Wahlurne. Bildrechte: dpa

Am 18. März wählen die Russen ihren neuen Präsidenten. Und Wladimir Putin, dessen nunmehr dritte Amtszeit zu Ende geht, hat ein Problem. Nicht, weil seine Wiederwahl als unsicher gilt. Selbst jene Kandidaten, die sich zur Opposition zählen, wie etwa Grigori Jawlinski und Xenia Sobtschak halten einen Sieg des Amtsinhabers für unausweichlich. Die Umfragewerte von Wladimir Putin schwanken, je nach Umfrageinstitut, derzeit zwischen 60 und 70 Prozent.

Das Problem des Kremlherren ist vielmehr, dass sehr viele Russen mit Desinteresse auf den kommenden Urnengang schauen. Zwar rechnet das staatliche Meinungsforschungsinstitut WZIOM offiziell mit einer Wahlbeteiligung von etwa 62 bis 64 Prozent. Doch vor allem in den Großstädten macht sich angesichts der fehlenden Alternativen zu Putin Politikverdrossenheit breit. Gleichzeitig entzieht sich der Präsident traditionell öffentlichen Debatten mit seinen Herausfordern, weshalb der Kampagne Themen fehlen, die die Bevölkerung zur Wahl mobilisieren könnten.

Wahlaufrufe auf Kassenzetteln und an Geldautomaten

Und so prasseln auf die Menschen in Russland derzeit mehr Aufrufe zur Wahl zu gehen als Wahlwerbung für einen konkreten Kandidaten ein. Auch das zentrale Wahlkomitee hat Werbespots drehen lassen. Mit Humor unterhalb der Gürtellinie wollen die Macher der Clips die Bürger des Landes daran erinnern, am 18. März ihre Stimme abzugeben. Wer das nicht tut, der werde per Gesetz verpflichtet, einen schwulen und dazu noch schwangeren Mann zu Hause aufzunehmen.

So zumindest stellen sich die Werbeexperten den Albtraum eines durchschnittlichen Russen vor. Der soll sich durch den Spot nun noch im letzten Moment umentscheiden. Doch auch wer kein Fernsehen schaut, entkommt der Werbung nicht. Der Aufruf, zur Wahl zu gehen, ziert etwa die Kassenzettel und Einkaufstüten bei Russlands größter Supermarktkette Magnit. Und wer bei Russlands zweitgrößter Bank VTB Geld abhebt, den erinnert der Geldautomat an den bevorstehenden Urnengang.

Prognose: Wahlbeteiligung in Metropolen unter 50 Prozent

Doch mit offizieller Werbung begnügen sich die Organisatoren nicht. So berichtete der kremlkritische Sender Doschd etwa, dass Russlands größter Ölkonzern Rosneft seine Mitarbeiter ebenfalls dazu anhält, ihre Stimme abzugeben. Die Sorge, dass ein großer Teil der Wähler zu Hause bleibt, scheint derweil nicht unbegründet.

So berichteten die beiden angesehenen Zeitungen "Kommersant" und "Wedomosti" übereinstimmend, dass die Präsidialverwaltung in den Millionenstädten von einer Wahlbeteiligung von unter 50 Prozent ausgeht. Das ergebe sich aus nicht veröffentlichten Untersuchungen. Ein ähnliches Bild hatte sich bereits bei der Parlamentswahl vor zwei Jahren gezeigt. Damals gewann zwar die Kremlpartei Einiges Russland. Am Ende hatten jedoch nur 48 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimme abgegeben.

Ein ähnliches Ergebnis für die Wiederwahl von Wladimir Putin dürfte dem Mann an der Spitze des Landes als Schmach angerechnet werden. Gleichzeitig könnte eine niedrige Wahlbeteiligung Putins Gegnern ein Argument an die Hand geben, mit dem sie die Legitimität des Kremlherren anzweifeln können. Kein Wunder, dass ausgerechnet Russlands wichtigster Oppositioneller Alexej Nawalny, der nicht zur Wahl zugelassen wurde, zum Boykott aufruft.

Selbst die Konkurrenz wird gestützt

Deshalb reicht es für Putin diesmal nicht, möglichst viele Prozentpunkte der abgegebenen Stimmen einzusammeln. Er will auch als Herrscher in seine vermeintlich letzte Amtszeit gehen, hinter dem die Mehrheit aller Russen steht. Um dieses Ziel zu erreichen, geht der Kreml ungewöhnliche Wege. Etwa im Fall von Pawel Grudinin.

Der wurde von der kommunistische Partei ins Rennen geschickt und gilt als frische Figur und Anwärter auf Platz zwei bei der Wahl. Doch vor wenigen Tagen tauchten Informationen auf, dass Grudinin über nicht deklarierte Konten in der Schweiz verfügt. Laut Gesetz wäre das Grund genug, um den kommunistischen Millionär und Großgrundbesitzer von der Wahl auszuschließen.

Die russischen Behörden sind seit jeher dafür bekannt, aussichtsreiche Kandidaten aus dem Rennen zu nehmen, sollten sie dem jeweiligen Machthaber gefährlich werden. Doch damit wäre die Wahl dieses Mal wohl endgültig tot. Und so darf Grudinin mit staatlicher Absolution auch weiterhin Putins "aussichtsreicher" Herausforderer bleiben.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: HEUTE IM OSTEN: Reportage | 10.03. und 17.03.2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 11:51 Uhr