Polnische Polizei nimmt Urwald-Aktivsten fest

Umweltaktivisten haben gegen die Abholzung des Nationalparks Białowieża demonstriert. Obwohl der Europäische Gerichtshof sie verboten hat, werden weiter Bäume gefällt. Die polnische Polizei nahm zahlreiche Demonstranten fest.

Bereits am 9. November hatten dutzende Aktivisten die Empfangshalle der staatlichen Forstverwaltung in Warschau besetzt, einige ketteten sich fest. Sie forderten mit Transparenten und Sprechchören einen sofortigen Abholzungs-Stop im Nationalpark Białowieża im Nordosten Polens.

Die herbeigerufene Polizei sperrte das Gebäude ab und begann am Nachmittag, den Fußweg und die Empfangshalle zu räumen. Mindestens 22 Menschen wurden wegen Hausfriedensbruchs festgenommen und über Nacht in Gewahrsam gehalten. Freitagnachmittag wurden sie zur Befragung auf ein Warschauer Kommisariat gebracht. Davor versammelten sich erneut Aktivisten.

Vorwurf der bewussten Lüge und Umweltzerstörung

Entfacht wurden die Proteste durch das umstrittenen Vorgehen der staatlichen polnischen Forstverwaltung im Białowieża-Nationalpark an der Grenze zu Belarus und Litauen. Dort lassen die Behörden seit Jahresbeginn großflächig Laubbäume abholzen. Offiziell soll damit eine Borkenkäfer-Plage bekämpft werden.

Aktivisten vermuten dahinter jedoch eine wirtschaftliche Ausbeutung des Naturschutzgebietes. So werde ein Großteil der gefällten Bäume nicht vernichtet, wie zur Schädlingsbekämpfung nötig, sondern weiter verkauft, so der Vorwurf. Nutznießer sei unter anderem die polnische Möbelindustrie, die so an billiges Holz komme.

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Kampf um den "letzen Urwald Europas"

Aufgrund der Vorwürfe hatte der Europäische Gerichtshof bereits im Juli eine weitere Abholzung untersagt. Die polnischen Behörden ignorieren den Richterspruch seither jedoch. 100 Hektar sollen bereits abgeholzt worden sein. Versuche von Aktivsten, die Arbeiten zu stören, wurden mehrfach von der Polizei verhindert.

Der Białowieża-Nationalpark gilt als letzter verbliebener Tiefland-Urwald Europas. Das Naturschutzgebiet steht auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes. UNESCO, EU und Umweltschützer protestieren seit Monaten gegen die Abholzungen. Die polnische Regierung hält diese weiterhin für legal.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 08.09.2017 | 17:45 Uhr