Rumen Radev
Bildrechte: IMAGO

Ex-General wird Bulgariens neuer Präsident

In seinem Leben hat der Kampfpilot Rumen Radev etliche Loopings vollzogen, mit seinem letzten hat er sich nun auf die große Bühne der bulgarischen Politik katapultiert. Am 13. November gewann er die Stichwahl ums Präsidentenamt.

von Frank Stier

Rumen Radev
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Bis zum Juli 2016 war der bisherige Kommandeur der bulgarischen Luftstreitkräfte den Bulgaren völlig unbekannt, jetzt erhoffen sich viele von ihm "Promiana", die bulgarische Entsprechung für das englische Wort "Change". Rumen Radev, der Überraschungssieger aus dem ersten Wahlgang, gewann am 13. November auch die Stichwahl ums Amt des Präsidenten. General-Major Radev war von den oppositionellen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl nominiert worden und düpierte nun zum zweiten Mal die Präsidentin der Bulgarischen Volksversammlung, Ceska Cacheva. Sie war die Kandidatin der rechtsgerichteten Regierungspartei "Bürger für eine Europäische Entwicklung Bulgariens" (GERB). Dodons Wahlsieg könnte tatsächlich eine grundlegende Veränderung der politischen Landschaft in dem Balkanland bewirken. Ministerpräsident Boiko Borissov kündigte bereits seinen Rücktritt an.

"Agent des bulgarischen Volkes"

Am 18. Juni 1963 ist Rumen Radev in der sozialistischen Modellstadt Dimitrovgrad zur Welt gekommen. Nach einem Studium an der nationalen Fliegerhochschule "Georgi Benkovski" in Dolna Mitropolia hat er zum kriegswissenschaftlichen Thema "Vollendung der taktischen Vorbereitung für die Fliegerstaffel und Luftkampfsimulation" promoviert. Ein weiterführendes Studium am Luftwaffencollege der US Air Base Maxwell schloss er im Jahre 2003 mit Auszeichnung ab. "Herr Radev, Sie haben in den USA studiert und kandidieren für die Linken, was für einer sind Sie eigentlich?", fragte ihn eine Journalistin in der Pressekonferenz in der Wahlnacht. "Für die einen bin ich ein roter Kommunist, für andere ein verkappter Euro-Atlantiker, Agent von Washington. Ich möchte alle beruhigen und bekennen, ich bin ein Agent, aber einer des bulgarischen Volkes", parierte Radev.

Bulgarien wird kein "Emigranten-Ghetto"!

Cecka Cacheva und Jerzy Buzek
Kontrahentin ums Präsidentenamt: Ceska Cacheva. (Auf dem Bild mit Jerzy Buzek, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, 2012.) Bildrechte: IMAGO

Wirkten die ersten öffentlichen Auftritte des Piloten Radev in der Rolle des Politikers noch bemüht, seine politische Rede stockend, so hat er sich inzwischen in die neue Kampfsituation sichtbar eingefunden. In kurzen, stakkatoartig vorgetragenen Sätzen bringt er seine Vision vom Präsidentenamt und seine Positionen zu Staatssouveränität und nationaler Sicherheit auf den Punkt. "Ich werde nicht zulassen, dass Bulgarien zu einem Emigranten-Ghetto wird" hat er angekündigt und will sich für eine Revision des Dublin-Abkommens einsetzen, das für "Bulgarien die Rolle einer Puffer-Zone vorsieht".

Erlebt man ihn in der politischen Debatte, könnte man Radev mit schütterem Haar auf hoher Stirn und minimalistischem Mienenspiel für die Personifizierung eines beamteten Langweilers halten, tatsächlich ist er aber ein verwegener Pilot. Im Oktober 2014 begeisterte er Tausende Zuschauer auf dem Militärflughafen in Sofia mit der Vorführung des riskanten Kobramanövers, bei dem er seine russische MiG-29 senkrecht aufrichtete.

"Schlüsselqualitäten eines Kampfpiloten"

Boyko Borissow
Ministerpräsident Boiko Borissow droht: Sollte Radev tatsächlich gewinnen, würde er zurücktreten. Bildrechte: IMAGO

Im Oktober 2015 erwies sich Radev als fähig zu militärischem Ungehorsam. Aus Protest gegen die Absicht der Regierung, ausländischen NATO-Partnern die Überwachung des bulgarischen Luftraums zu übertragen, quittierte er seinen Dienst als Kommandant der bulgarischen Luftstreitkräfte. Es bedurfte der Überredungskunst von Ministerpräsident Boiko Borissov und des Versprechens zusätzlicher Finanzmittel für die Luftwaffe, ihn zum Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen. Jahrelang hat sich der General-Major bei wechselnden Regierungen vergebens für eine Modernisierung des Maschinenparks der Luftstreitkräfte eingesetzt, nun scheint er entschlossen, diesen Kampf auf anderer, höherer Ebene fortzusetzen. Sein Beruf und seine "Selbsterziehung im Handwerk" hätten ihm große psychische Stabilität gebracht, hat Rumen Radev in einem seiner ersten Interviews als Politiker gesagt. Er hoffe, diese werde sich als nachhaltig auch in der Politik erweisen. Sich in kritischen Momenten beherrschen und vom Negativen abstrahieren zu können, nennt Rumen Radev die "Schlüsselqualitäten eines Kampfpiloten".

Frank Stier, 1963 geboren, Studium der Geschichte unsd Soziologie an der TU Berlin; seit 2002 freier Journalist, lebt in Sofia

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2016, 14:43 Uhr