Gold-Bergleute bei archaeologischen Sicherungsarbeiten, 2013
Das alte Goldgräberdorf Rosia Montana: In den Stollen und Minen haben schon die Römer vor 2000 Jahren nach Gold geschürft. Bildrechte: IMAGO

Rumänien: Streit um Europas größten Goldschatz

300 Tonnen Gold! In der alten Bergbaustadt Rosia Montana sollen die größten Goldvorkommen Europas lagern. Graben oder nicht? Darüber streitet Rumänien seit Jahren. Nun vollzieht die Regierung eine Kehrtwende. Der Bergbauindustrie winken Milliardengeschäfte.

Gold-Bergleute bei archaeologischen Sicherungsarbeiten, 2013
Das alte Goldgräberdorf Rosia Montana: In den Stollen und Minen haben schon die Römer vor 2000 Jahren nach Gold geschürft. Bildrechte: IMAGO

Hier soll der größte Gold- und Silberschatz in ganz Europa liegen: im rumänischen Rosia Montana. Ganze 300 Tonnen Gold und 1.500 Tonnen Silber vermuten Experten in den Bergen nahe des kleinen Dorfes. Das Dorf sollte eigentlich UNESCO-Welterbe werden, doch nun droht Ärger - mal wieder. Die neue Regierung hat sich umentschieden: "Wir haben unseren Standpunkt geändert. Das bringt uns vor den zuständigen internationalen Organisationen in eine peinliche Lage. Aber mal sehen, was daraus wird", sagte Rumäniens Ministerpräsident Mihai Tudose kürzlich im ZDF.

Milliardengeschäft gegen Umweltschutz

Blick auf Rosia Montana, 2013
Ein Blick auf das rumänische Bergdorf Rosia Montana Bildrechte: IMAGO

Mit der Entscheidung ist die Diskussion um das Welterbeprojekt Rosia Montana wieder neu entfacht. Die Bergbauindustrie wird das freuen, denn die Goldmine verspricht Geschäfte in Milliardenhöhe - vermutlich zu Lasten des Umweltschutzes. Greenpeace Rumänien stellt sich jedenfalls gegen die Kehrtwende der Regierung. Der Goldabbau würde wichtiges kulturelles Erbe zerstören und die Folgen für die Umwelt wären desaströs, so eine Sprecherin auf MDR-Anfrage.

Giftiger Goldrausch

Um das Gold abzubauen, müssen Berge gesprengt werden. Anschließend wird das Gold und Silber mit einer giftigen Zyanidlaugung aus dem Stein gelöst. Kritiker warnen immer wieder vor massiven Umweltschäden und nicht absehbaren Gefahren durch Beschädigungen an der Giftmülldeponie.

Protest gegen Goldabbau

Mann, verkleidet als Kellner mit goldener Totenschädel-Maske, 2013 bei einer Demonstration
Schon 2013 gingen die Menschen in Bukarest, Paris und Deutschland auf die Straße und protestierten gegen das Goldminen-Projekt in Rosia Montana. Bildrechte: IMAGO

Das Bergbauprojekt ist seit Jahren umstritten. Bereits 2013 gingen bei der größten Demonstration in Bukarest 25.000 Menschen gegen den Goldabbau auf die Straße. Allerdings demonstrierten zeitgleich auch mehrere Tausend Menschen im westrumänischen Rosia Montana, um sich gemeinsam mit den Bergleuten für das Projekt stark zu machen.

Das Projekt lag dann zunächst auf Eis, die Sache schien entschieden. Doch nun kam die Entscheidung, Rosa Montana doch nicht auf die Welterbeliste zu setzen. Das sehe die Mehrheit der Rumänen nicht so, kritisiert Greenpeace.

Rumäniens Trauma

Schließlich hat das Land im Jahr 2000 eine der schwersten Umweltkatastrophen in Europa erlebt, als im nord-rumänischen Baia Mare der Damm eines Auffangbeckens brach. 100.000 Kubikmeter giftigen Schlamms verseuchten Flüsse und kontaminierten das Trinkwasser von 2,5 Millionen Menschen – sogar bis nach Ungarn und Serbien.

Es locken Milliarden

Seit fast 20 Jahren nun versucht die "Rosia Montana Gold Corporation" (RMGC) Europas größte Goldmine mit der Zyanid-Technologie zu eröffnen. An dem Unternehmen ist nicht nur die kanadische Bergbau-Firma Gabriel Ressources beteiligt, sondern auch der rumänische Staat. Dem könnten nicht nur etwa 1,3 Milliarden Euro Steuereinnahmen winken, und obendrein wirtschaftlicher Aufschwung und sinkende Arbeitslosenzahlen in der Region.

RMGC hat schon hunderte Millionen Euro in das Projekt investiert, erste Grundstücke gekauft und versprochen, den Tourismus zu stärken. Insgesamt schätzt RMGC die Goldvorkommen auf einen Wert von 5,6 Milliarden Euro.

(me)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: LexiTV | 13.04.15 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 19:24 Uhr

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