Screenshot der Pobeda-Webseite. Darauf eine Werbung mit einem FLugzeug auf dem auf kyrillisch steht: "Nach Berlin"
Bildrechte: Alexander Hertel

Russland Airline wirbt mit Weltkriegsslogans für Deutschlandflüge

Ab heute fliegt die russische Billigairline Pobeda Leipzig an. Im Vorfeld sorgte sie mit einer geschmacklosen Werbekampagne für Aufsehen. Dabei kämpft die Fluglinie auch mit ihrem schlechten Ruf daheim und ihrer Rolle in der Ukraine-Krise.

Screenshot der Pobeda-Webseite. Darauf eine Werbung mit einem FLugzeug auf dem auf kyrillisch steht: "Nach Berlin"
Bildrechte: Alexander Hertel

"Nach Berlin!" steht in geschwungenen Lettern auf dem Rumpf der Maschine, mit der die russische Billigairline "Pobeda" ihr neustes Reiseziel bis vor kurzem bewarb. Darüber: "Muss man nehmen". Ein echter Schenkelklopfer für alle, die ein bisschen Russisch können, in europäischer Geschichte bewandert sind und es etwas ruppiger mögen. Denn das deutsche Äquivalent zu der Kombination wäre eine Lufthansa-Tochter namens "Endsieg", die ihre Moskau-Flüge als "Blitzkrieg im Osten" bewirbt.

Renaissance der Weltkriegssprüche

Der Slogan "Nach Berlin!" war einer der Schlachtrufe der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg, tausendfach auf Panzer und Bomben gepinselt, die die Sowjetunion Richtung Nazi-Deutschland schickte. Noch heute ziert der Spruch diverse Postkarten, Kaffeetassen und russische Taxis. Und damit der Kriegswitz noch klarer wird, hat die Airline sogar die gleiche Schriftart wie auf alten Weltkriegsbildern verwendet.

"Pobeda" selbst bedeutet "Sieg". Das Wort steht im Russischen stellvertretend für den Sieg im "Großen Vaterländischen Krieg" mit Hitlerdeutschland. In den vergangenen Jahren hat auch dieser Begriff als popkulturelles Erkennungszeichen junger russischer Patrioten eine Renaissance erlebt. Gerade im Frühjahr, rund um den "Tages des Sieges" am 9. Mai ziert es sowieso alles in Russland, von Werbeplakaten mit Danksagungen an die Veteranen bis zu Speisekarten, in denen "Sieges-Burger" angeboten werden.

Aufkleber auf einem russischen Taxi in Irkutsk. Darauf steht auf kyrrilisch Nach Berlin!
Aufkleber auf einem Taxi im sibirischen Irkutsk. Darauf der Schlachtruf: "Nach Berlin!" Bildrechte: Alexander Hertel

Mieser Service, unschlagbare Preise

In Russland hat der Berlin-Spruch daher auch keine große Welle ausgelöst. An Pobeda stört man sich dort dennoch. Aber vor allem wegen des unterirdischen Service, für den die Billigairline - eine hundertprozentige Tochter der staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot - berüchtigt ist. Pobeda treibt sozusagen das Prinzip Ryanair auf die Spitze. So kostet Handgepäck grundsätzlich extra und russische Gesprächspartner berichten kopfschüttelnd von kleinen Damenhandtaschen, die am Gate extra berechnet wurden: zahlen oder nicht fliegen, so die Ansage.

Weil die eigentlichen Ticketpreise auf dem Papier unschlagbar sind, ist die Airline innerhalb Russlands dennoch erfolgreich. Seit ihrem Start 2014 hat sie ihr Fluggastaufkommen auf fast fünf Millionen Passagiere jährlich ausgebaut. Zu den aktuell 33 Reisezielen gehören mit Memmingen, Köln und Karlsruhe auch drei deutsche Städte. Nun Berlin und Leipzig hinzu.

Firmengründung wegen Krim-Annexion

Doch bereits bei der Auswahl der ersten Flugziele war Politik im Spiel. Denn Pobeda ist die Nachfolgeairline von "Dobrolet", die im Sommer 2014 gerade einmal zwei Monate lang am Markt war. Die Aeroflot-Tochter war im Juni 2014 gegründet worden und verband als erstes Moskau mit der Schwarzmeermetropole Simferopol auf der kurz zuvor von Russland annektierten ukrainischen Krim-Halbinsel.

Als kurze Zeit später eine malaysische Passagiermaschine von pro-russischen Separatisten über der Ostukraine abgeschossen wurde, verhängte die EU ein Flugverbot gegen Dobrolet. Kurze Zeit später wurde die Airline unter dem Namen Pobeda neu gegründet.

Slogans aus der russisch-englischen Werbehölle

Dass es auch anders geht, zeigt die ebenfalls zu Aeroflot gehörende Airline S7. Die warb im Sommer 2014 mit einem zum "Peace"-Zeichen stilisierten Flugzeug für die Strecke Moskau-Kiew. Pobeda hingegen wird wohl eine andere Werbeagentur beauftragt haben. Denn auch der Rest der neuen Deutschlandkampagne wirkt eher unbeholfen.

So wirbt Pobeda für ihre heute startende Strecke Moskau-Leipzig im Zentrum der Messestadt mit einem zehn Meter hohen Plakat, auf dem auch ein kyrillischer Satz steht. Jedoch ist dieser keinesfalls Russisch. Stattdessen steht dort buchstäblich "From Moscou wiz law", eine höchst ungelenke Transliteration des englischen Satzes "From Moscow with love". Für den Sieg in der Kategorie beste Werbeabteilung wird es wohl nicht reichen.

Pobeda-Werbeplakat am Leipziger Augustusplatz. Darauf steht in kyrillischer Umschrift From Moscou wiz law
Pobeda-Werbeplakat am Leipziger Augustusplatz. Bildrechte: Alexander Hertel

(ahe)

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.04.2017 | 19:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 16:15 Uhr