Schlösser und Schlossherren

Schloss Gerbstedt 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schlösser in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt findet man prächtige Schlösser, die in altem Glanz erstrahlen. Die meisten Anwesen in unserer Galerie warten dagegen noch auf ihre Sanierung.

Würdenburg
Schloss Würdenburg 1945 wurden die Besitzer des ehemaligen Rittergutes in Teutschenthal, die Großindustriellenfamilie Wentzel, enteignet. Das Hauptgebäude wurde anfangs u.a. als Zahnarztpraxis genutzt, dann bis 1986 auch als Kindertagesstätte. Den angrenzenden Gutshof übernahm die LPG, die im Hof bis 1990 u.a. eine Mosterei betrieb. 1991 gingen Schloss und angrenzender Wirtschaftshof an die Alteigentümer zurück. Bildrechte: MDR/Mike Leske
Würdenburg
Schloss Würdenburg 1945 wurden die Besitzer des ehemaligen Rittergutes in Teutschenthal, die Großindustriellenfamilie Wentzel, enteignet. Das Hauptgebäude wurde anfangs u.a. als Zahnarztpraxis genutzt, dann bis 1986 auch als Kindertagesstätte. Den angrenzenden Gutshof übernahm die LPG, die im Hof bis 1990 u.a. eine Mosterei betrieb. 1991 gingen Schloss und angrenzender Wirtschaftshof an die Alteigentümer zurück. Bildrechte: MDR/Mike Leske
Würdenburg
Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der Zahn der Zeit schon sehr an Schloss Würdenburg genagt. Die Gebäude stehen seit 1990 leer und verfallen. Seit 2013 bemüht sich der Archäologiestudent Mike Leske darum, den Verfall des Schlosses zu stoppen. Bildrechte: MDR/Mike Leske
Schloss Beesenstedt
Schloss Beesenstedt Der 1895 erbaute Herrensitz war bis 1947 Wohnsitz der Familie Nette, wurde dann verstaatlicht und vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) als Schule genutzt. Nach der Wende stand das Schloss bis 1996 leer. Mittlerweile ist es in Privatbesitz und wird u.a. für Hochzeiten und Dreharbeiten vermietet. Bildrechte: dpa
Schloss Frankleben
Schloss Frankleben vor 1989 Nach der Enteigung der Besitzer 1945 wurde das Schloss zunächst als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien genutzt, später dann als Gemeinde- und Standesamt und als Kindergarten. 1988 musste das Schloss wegen Baufälligkeit geräumt werden. Nach 1989 wurde es zerstört, Mobiliar, Öfen und Türklinken abgebaut. 1995 wurde das Schloss verkauft. Der Besitzer investierte jedoch nicht und so verfiel es endgültig. Bildrechte: SPAN Computing Kulturgut Schloss Frankleben gGmbH
Schloss Frankleben
Schloss Frankleben heute 2007 gab es erneut einen Besitzerwechsel. Neuer Eigentümer ist seitdem Dr. Franz Pacher von Theinburg. Gemeinsam mit Partnern baut er das Schloss Stück für Stück wieder auf. Mittlerweile wird Schloss Frankleben vielfältig genutzt. Unter anderem als Außenstelle des Standesamtes, als Veranstaltungs- und Wohnort und Pilgerherberge. Im Stall sind 19 Pferde untergebracht. Bildrechte: SPAN Computing Kulturgut Schloss Frankleben gGmbH
Schloss Randau
Schloss Randau Das große Gutshaus wurde von 1968-1984 als Grundschule genutzt, danach als "Station junger Touristen". Nach der Wende ging es an einen privaten Investor. Er ließ das Schloss teilweise sanieren. Die Einrichtung eines Bildungszentrums scheiterte. Schloss Randau steht heute leer. Bildrechte: Stadtplanungsamt Magdeburg
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Schlösser in Sachsen

Vom Rittergut zum FDGB-Heim und vom Weingut zur Lungenheilanstalt: Entdecken Sie acht Schlösser Sachsens und ihre wechselvolle jüngere Geschichte.

Schloss und Park Güldengossa bei Leipzig
Schloss Güldengossa Schloss Güldengossa liegt am Rand des ehemaligen Tagebaus Espenhain. Bereits für das 13. Jahrhundert wird an gleicher Stelle ein Rittergut erwähnt, bis ein Leipziger Kaufmann im 18. Jahrhundert dem Schloss sein derzeitiges Aussehen gab. Bis 1945 blieb es in Besitz bürgerlicher Familien. Johann Sebastian Bach war des Öfteren zu Besuch, da der Schlossbesitzer der Patenonkel des Bachsohns Ernst Andreas war. Während der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 diente Schloss Güldengossa als Lazarett. Nach der Enteignung 1945 wurden die Räume 30 Jahre lang als Erholungsheim und Schule des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) sowie Lehrlingswohnheim des VEB Kombinat Espenhain genutzt. Da Nutzungskonzepte fehlten, stand das Schloss nach der Wende leer. 2006 kaufte ein privater Investor das inzwischen marode Gebäude, sanierte es und stellte auch die historische Parkanlage wieder her. Die Räume sowie die Orangerie können für Feste, Konzerte oder Trauungen angemietet werden. Bildrechte: IMAGO
Schloss und Park Güldengossa bei Leipzig
Schloss Güldengossa Schloss Güldengossa liegt am Rand des ehemaligen Tagebaus Espenhain. Bereits für das 13. Jahrhundert wird an gleicher Stelle ein Rittergut erwähnt, bis ein Leipziger Kaufmann im 18. Jahrhundert dem Schloss sein derzeitiges Aussehen gab. Bis 1945 blieb es in Besitz bürgerlicher Familien. Johann Sebastian Bach war des Öfteren zu Besuch, da der Schlossbesitzer der Patenonkel des Bachsohns Ernst Andreas war. Während der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 diente Schloss Güldengossa als Lazarett. Nach der Enteignung 1945 wurden die Räume 30 Jahre lang als Erholungsheim und Schule des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) sowie Lehrlingswohnheim des VEB Kombinat Espenhain genutzt. Da Nutzungskonzepte fehlten, stand das Schloss nach der Wende leer. 2006 kaufte ein privater Investor das inzwischen marode Gebäude, sanierte es und stellte auch die historische Parkanlage wieder her. Die Räume sowie die Orangerie können für Feste, Konzerte oder Trauungen angemietet werden. Bildrechte: IMAGO
Straße zur Burg
Schloss Kuckuckstein Schloss Kuckuckstein dürfte vielen Fernsehzuschauern bekannt sein, denn zwischen 1985 und 1991 wurde im Rittersaal die Sendung "Zauber auf Schloss Kuckuckstein" aufgezeichnet. 2012 drehte der MDR vor Ort den Märchenfilm "Schneeweißchen und Rosenrot". Nachdem es jahrhundertelang im Besitz der Adelsfamilie von Carlowitz war, musste das Schloss 1931 zwangsversteigert werden. Ottmar von Mayenburg, der Erfinder der Chlorodont-Zahnpasta, erhielt den Zuschlag. 1945 wurde Schloss Kuckuckstein im Rahmen der Bodenreform enteignet und zunächst vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, ab 1952 von der Gemeinde Liebstadt verwaltet. Bildrechte: MDR/TV Wiatrowski
historisches Burgzimmer im festlichen Ambiente
Bereits 1954 öffnete auf privates Betreiben hin in Schloss Kuckuckstein ein Museum, das die Freimaurerzeit des Schlosses beleuchtet. Im Gegensatz zu anderen Schlössern wurde es nach 1945 nicht geplündert, das historische Inventar ist weitgehend erhalten. 2006 wurde das Schloss an einen österreichischen Investor verkauft, der allerdings seine Nutzungspläne noch nicht umgesetzt hat. Im Bild: historisches Burgzimmer auf Schloss Kuckuckstein. Bildrechte: MDR/TV Wiatrowski
Schloss Kreckwitz
Schloss Kreckwitz Das Herrenhaus wurde nach 1750 erbaut. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Besitzerfamilie Riethmüller enteignet und das Schloss als Gemeindeverwaltung und Bibliothek genutzt. Derzeit steht das Gebäude leer. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Kubschütz
Schloss Schönberg
Schloss Schönberg Schloss Schönberg im Vogtland war jahrhundertelang im Besitz der Familie von Reitzenstein. Nachdem die letzte Schlossherrin 1945 entschädigungslos enteignet und vertrieben worden war, wurden die Räume verschieden umfunktioniert. Es waren Wohnungen, die Post, das Gemeindeamt, eine Schule, ein Kino und eine Bücherei untergebracht, sogar als Kinderferienlager wurde es genutzt. Bildrechte: Lutz Wohler
Schloss Batzdorf
Schloss Batzdorf Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloss gehörte bis zur Enteignung 1945 den Freiherrn von Friesen-Miltitz. Danach waren Flüchtlinge in den Räumen von Schloss Batzdorf untergebracht, in den 1960er- und 70er-Jahren diente es als Kinderferienlager. Anfang der 1980er-Jahre war das Gebäude fast aufgegeben. Ab 1987 engagierte sich eine Gruppe junger Künstler und Restauratoren für den Erhalt des Schlosses. Heute finden kulturelle Veranstaltungen in den öffentlichen Schlossräumen statt - der überwiegende Teil befindet sich in Privatbesitz und wird als Wohn- und Arbeitsraum genutzt. Bildrechte: Schloss Batzdorf e.V.
Schloss Wechselburg
Schloss Wechselburg Im Jahr 1756 wurden das Barockschloss und das "kleine Schloss" auf den Fundamenten eines Klosters errichtet. 1945 erfolgte die Enteignung der ansässigen Grafen von Schönburg-Glauchau. Zunächst Flüchtlingsquartier, danach bis 1950 Kindererholungsheim, diente das Schloss in den 1950er- und 1960er-Jahren als TBC-Heilstätte für Kinder. Im Bild: Blick auf das "kleine Schloss", links daneben das Barockschloss. Bildrechte: Günter Kunzmann
Schloss Wechselburg
Ab 1960 war in den Räumen von Schloss Wechselburg ein Neuropsychatrisches Krankenhaus für Kinder und Jugendliche untergebracht. Seit 1992 wird das "kleine Schloss" durch Benediktinermönche wieder als Kloster genutzt. Das Barockschloss selbst steht seit Jahren leer und verfällt. Bildrechte: Günter Kunzmann
Schloss Reichstädt in Sachsen
Schloss Reichstädt Das Rittergut und Wasserschloss Reichstädt im gleichnamigen Dippoldiswalder Ortsteil war bereits im 16. Jahrhundert bewohnt und diente unter anderem dem sächsischen Kurfürst August als Jagdschloss. Prominentester Gast war der russische Zar Alexander I., der 1813 im Schloss Quartier bezog. 1945 wurden die letzten Besitzer, die Adelsfamilie von Schönberg, im Rahmen der Bodenreform enteignet. In den folgenden Jahren diente das Schloss als Schule, Kindergarten, Kulturhaus und Kreis-Pionierhaus. Nach der Wende wurde es für kulturelle Zwecke genutzt, bis eine Verwandte des letzten Besitzers 1998 das Gebäude kaufte und seitdem saniert. Das Nutzungskonzept sieht eine Trennung in Arbeits-, Wohn- und öffentliche Bereiche vor. Bildrechte: MDR/Danko Handrick
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Schloss Batzdorf Von der Ruine zum Schmuckstück

Heute leben auf Schloss Batzdorf, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, 21 Bewohner. Regelmäßig finden kulturelle Veranstaltungen in den Schlossräumen statt. Doch das sah mal ganz anders aus ...

Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Schloss Batzdorf liegt nahe Meißen in der malerischen Umgebung des Rehbocktals. Wenig malerisch präsentierte sich allerdings das Gebäude im Jahre 1992. Das Dach des Verbindungshauses wurde bereits teilweise neu aufgebaut. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Schloss Batzdorf liegt nahe Meißen in der malerischen Umgebung des Rehbocktals. Wenig malerisch präsentierte sich allerdings das Gebäude im Jahre 1992. Das Dach des Verbindungshauses wurde bereits teilweise neu aufgebaut. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
In jahrelanger mühevoller Arbeit trugen Schlossbewohner und befreundete Helfer die maroden Ziegel ab und erneuerten die Dachbalken. Schlossbewohnerin Bettina Zimmermann erinnert sich, dass "immer wieder sehr viele Freiwillige ihre Zeit, Arbeitskraft und privates Geld in die Erhaltung des Schlosses gesteckt" haben. Für den Dachausbau sowie für die Instandsetzung der Außenfassade erhielt der Verein "Schloss Batzdorf e.V." ab Anfang der 1990er-Jahre rund 300.000 DM Fördergelder. Der gesamte Innenausbau dagegen lief in Eigenleistung. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Auch die Innenräume sahen abenteuerlich aus. Ein Sammelsurium vergangener Zeiten verstopfte die teils maroden Räume. Das Schloss hat eine abwechslungsreiche Nutzungsgeschichte hinter sich: 1945 wurde der letzte Besitzer, Freiherr von Friesen-Miltiz, im Zuge der Bodenreform der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), mit seiner Familie entschädigungslos enteignet und vertrieben. Danach waren Flüchtlinge in den Räumen untergebracht, in den 1960er- und 70er-Jahren diente es als Kinderferienlager. Anfang der 1980er-Jahre war das Gebäude fast aufgegeben. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Bereits 1983 bemühten sich einige der jetzigen Bewohner um die Genehmigung, sich um den Erhalt des Schlosses einsetzen zu dürfen. Nach vier Jahren durften sie mit Empfehlung des Landesamts für Denkmalpflege einziehen. Blick vom großen zum kleinen Innenhof, der zwischen Saalbau (rechts), Verbindungsbau und Haupthaus (links) liegt. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Nach der Wende interessierten sich westliche Investoren für das Anwesen, um es in ein Hotel umzubauen. Um das zu verhindern und um das Anwesen von der Gemeinde zu erwerben, gründete sich der Verein "Schloß Batzdorf e.V.". Für den Kaufpreis von 100.000 DM ging der Besitz an den Verein über. Der kleine Innenhof war noch 1993 eine einzige Baustelle. Türen fehlen und von der Treppe (rechts unten), die zum ersten Geschoss führt, war nur noch das Rudiment erhalten und neu gesetzt. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
1989 besuchte der Sohn des letzten Besitzers, Freiherr von Friesen-Miltitz, das Schloss seiner Kindheit. Doch er war bereits betagt und seine Gesundheit angegriffen, so dass er auf eine Rückgabe des Schlosses verzichtete. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
Schloss Batzdorf
So sieht der kleine Innenhof heute aus. Einige Räume können für private Veranstaltungen angemietet werden. Öffentliche Führungen gibt es dagegen nur am Tag des Offenen Denkmals. Bildrechte: Schloss Batzdorf e.V.
Schloss Batzdorf
Heute leben auf Schloss Batzdorf, dessen Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, 21 Bewohner. Regelmäßig finden kulturelle Veranstaltungen in den Schlossräumen statt. Bildrechte: Schloss Batzdorf e.V.
Instandsetzung von Schloss Batzdorf
Zum Beispiel ein Adventsmarkt, hier aus dem Jahr 2004. Bildrechte: MDR/Bertram Hetze
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Schlösser des Sozialismus

Von Schloss zu Schloss

Das Berliner Schloss, seit 1871 kaiserliche Residenz, wurde 1950 auf Geheiß der Einheitspartei gesprengt. Keine 25 Jahre später stand ein anderes "Schloss" an gleicher Stelle: Der Palast der Republik. Aber nicht lange.

Stadtschloß und Denkmal Friedrich Wilhelm III.
Das Berliner Schloss, seit 1871 kaiserliche Residenz, galt über Jahrhunderte als eines der Wahrzeichen Berlins. Und selbst für die Kommunisten war das Schloss ein durchaus traditionsbeladener Ort: Von einem seiner Balkone rief Karl Liebknecht am 9. November 1918 die "freie sozialistische Republik Deutschland" aus. Dennoch galt den Genossen der SED das Schloss von Anfang an als ein lästiges Relikt einer verhassten und zum Glück untergegangenen Epoche. Hinzu kam: Die junge DDR benötigte dringend einen Aufmarschplatz. Und so forderte Walter Ulbricht 1950: "Das Zentrum unserer Hauptstadt, das Gebiet des jetzigen Schlosses, muss zu einem großen Demonstrationsplatz werden, auf dem der Kampfwille und Aufbauwille unseres Volkes Ausdruck findet." Im Juli 1950 beschloss der Ministerrat auf Geheiß der Einheitspartei, das Schloss zu sprengen. Bildrechte: imago/teutopress
Stadtschloß und Denkmal Friedrich Wilhelm III.
Das Berliner Schloss, seit 1871 kaiserliche Residenz, galt über Jahrhunderte als eines der Wahrzeichen Berlins. Und selbst für die Kommunisten war das Schloss ein durchaus traditionsbeladener Ort: Von einem seiner Balkone rief Karl Liebknecht am 9. November 1918 die "freie sozialistische Republik Deutschland" aus. Dennoch galt den Genossen der SED das Schloss von Anfang an als ein lästiges Relikt einer verhassten und zum Glück untergegangenen Epoche. Hinzu kam: Die junge DDR benötigte dringend einen Aufmarschplatz. Und so forderte Walter Ulbricht 1950: "Das Zentrum unserer Hauptstadt, das Gebiet des jetzigen Schlosses, muss zu einem großen Demonstrationsplatz werden, auf dem der Kampfwille und Aufbauwille unseres Volkes Ausdruck findet." Im Juli 1950 beschloss der Ministerrat auf Geheiß der Einheitspartei, das Schloss zu sprengen. Bildrechte: imago/teutopress
Ein Modell des Stadtschlosses in seiner modernen architektonischen Variante.
Im Juli 2002 beschloss der Bundestag mit überraschend großer Mehrheit den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Die barocke Fassade des Hohenzollern-Schlosses sollte, wie ein der Öffentlichkeit präsentiertes Modell zeigte, getreulich kopiert werden. Keine architektonische Neuinterpretation der Geschichte, sondern ein reines Bekenntnis zur Vergangenheit, sagten Kritiker. Im Grunde genommen wird das neuerstehende Schloss ein Plagiat sein. Bildrechte: dpa
Der Apotheken-Flügel, der älteste Teil des Berliner Stadtschlosses, wird gesprengt
Überall formierte sich Widerstand gegen die Abrisspläne. "Solange man mir nicht den Mund gewaltsam verschließt, werde ich nicht aufhören, gegen den Beschluss zu protestieren", sagte beispielsweise der Dekan der Berliner Humboldt-Universität, Richard Hamann. Doch Anfang September 1950 wurde das Schloss allen Protesten zum Trotz gesprengt. Die Trümmer wurden anschließend von Hunderten Mitgliedern der FDJ in "freiwilligen Aufbauschichten" beseitigt. Es blieb ein riesiger öder Platz übrig. Eine Aufmarschfläche, die den Namen "Marx-Engels-Platz"erhielt. Bildrechte: dpa
Die Bildkombo zeigt den ehemaligen Palast der Republik in Berlin während des Aufbaus etwa im Jahre 1974 (Archivfoto, l.o.), zur Eröffnung des Hauses im Jahr 1976 (r.o.), während der Abrissarbeiten im Jahr 2007 (l.u.) und nach den Abrissarbeiten am Donnerstag (05.02.2009).
Keine zehn Jahre später fanden schließlich auch die Genossen der SED den leeren Platz derart trostlos, dass sie beschlossen, ihn zu bebauen. Eine "Sensation" müsse es aber schon sein, forderte Walter Ulbricht. Nach langem Hin und Her kam man auf die Idee, ein Schloss fürs Volk zu errichten. 1973 erfolgte schließlich die Grundsteinlegung für den "Palast der Republik", drei Jahre später, am 23. April 1976, wurde er eröffnet. Im öffentlichen Bereich gab es eine Bowlingbahn, eine Diskothek und ein Dutzend Restaurants, Cafés und Nachtbars. Alles vom Feinsten. Und der "Große Saal", in dem auch die Volkskammer tagte, galt wegen seiner Variabilität als kleines technisches Wunderwerk. Nun hatte also auch die kleine sozialistische Republik ihr eigenes Schloss. Errichtet genau dort, wo einst das Berliner Schloss gestanden hatte. Bildrechte: dpa
Palast der Republik, 1986
Nach dem Ende der DDR wurde der Palast wegen "Asbestverseuchung" geschlossen und sollte abgerissen werden: Ein kommunistisches Schloss sollte im Zentrum Berlins nichts mehr zu suchen haben. 2006 begann der Abriss, obgleich sich zwei Drittel der Deutschen in einer Umfrage gegen einen Abriss aussprachen. Die "New York Times" schrieb in einem Plädoyer für den Erhalt des Palast: "Das von vielen Menschen wegen seiner kommunistischen Vergangenheit gehasste Haus wäre ideal dazu geeignet gewesen, zu zeigen, wie eine Gesellschaft in die Zukunft schauen kann, ohne sich von den sensibelsten Elementen ihrer Vergangenheit zu trennen". Bildrechte: dpa
Stadtschlossattrappe mit Palast der Republik in Berlin-Mitte
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung setzte dann schnell eine sehr kontrovers geführte Diskussion um eine Wiedererrichtung des Berliner Schlosses ein. Nur wenig später gründete sich ein Förderkreis, der vehement für einen Wiederaufbau warb. Mit der Wiedererstehung des Schlosses würde die Identität Berlins und Deutschlands wieder hergestellt werden, hieß es aus Kreisen der Befürworter. Dies sei die schlichte Denkungsart eines Historismus des 19. Jahrhunderts, argumentierten die Gegner eines neuen Berliner Schlosses. Im Sommer 1993 wurde für 100 Tage eine Folienfassade in Originalgröße an einem Gerüst aufgehängt - genau so würde sich das Schloss nach einem Wiederaufbau präsentieren. Lächerlich, befanden Architekturkritiker. Die Befürworter des Schlosses, so die Kritiker weiter, wollten Ulbricht, dem "Sprengmeister" des alten Schlosses, nicht das letzte Wort überlassen. Bildrechte: IMAGO
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Ceausescus "Casa Poporului"

Er ist das größte Gebäude Europas - der Parlamentspalast in Bukarest. 1983 begannen die Bauarbeiten für Nicolae Ceausescus "Volkspalast", in dem er aber nie residieren konnte.

Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Er ist das größte Gebäude Europas und das nach dem Pentagon zweitgrößte der Welt - der "Palatul Parlamentului" (Parlamentspalast) in Bukarest. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Er ist das größte Gebäude Europas und das nach dem Pentagon zweitgrößte der Welt - der "Palatul Parlamentului" (Parlamentspalast) in Bukarest. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Ein Haus in Bukarest wird abgerissen.
Zuvor musste freilich Baufreiheit geschaffen werden - für das Schloss selbst sowie für Aufmarschplätze und breite Alleen, die rund herum entstehen sollten. Sprengkommandos und Baumaschinen beseitigten Häuser, Kirchen, Synagogen und Teile eines berühmten Klosters im altehrwürdigen Uranusviertel, gelegen am südlichen Rand des Bukarester Zentrums. Durch den Abriss verschwand die ungeliebte bourgeoise Bausubstanz samt ihren Bewohnern. Die Erinnerung an das alte Bukarester Bürgertum konnte ausgelöscht werden. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Blick in den Theatersaal des früheren Ceausescu-Palasts
Auch einen Theatersaal hatte Ceausescu in seinem Palast haben wollen. Bildrechte: Annett Müller-Heinze/MDR
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
20.000 Arbeiter schufteten sechs Jahre lang im Drei-Schicht-System auf der Baustelle, die zur nationalen Angelegenheit erklärt worden war. Ceausescu kam jeden Samstag vorbei. Immer musste im Laufe der Woche etwas Neues entstanden sein: eine Treppe, ein Raum, ein Saal. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Nicolae Ceausescu (Staatspräsident Rumänien) in Bukarest. 1989
Den Prunk seines Schlosses hat Ceausescu nie genießen können. Er hat nie in ihm residiert. Als der Diktator im Dezember 1989 fluchtartig die Hauptstadt Bukarest verließ, war der Bau noch nicht gänzlich fertiggestellt. Bildrechte: imago/Milestone Media
Nicolae und Elena Ceausescu
Zwei Tage nach seiner Flucht - am 25. Dezember 1989 - wurde Ceausescu gemeinsam mit seiner Frau Elena zum Tode verurteilt und hingerichtet. Bildrechte: dpa
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Im Mai 1991 beschloss die Regierung, dass der Volkspalast "planmäßig" fertiggestellt und für "soziale Zwecke" genutzt werden würde. Als er drei Jahre später offiziell eröffnet wurde, war von "sozialen Zwecken" keine Rede mehr. Stattdessen zogen beide Kammern des rumänischen Parlaments – Senat und Abgeordnetenhaus - in den Volkspalast ein. Der Unterhalt des Palastes verschlingt große Summen. (Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: TV | 18.04.2017 | 21:15 Uhr) Bildrechte: MDR/Annett Müller
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