Geschlossene Stadt - Sewersk

Mitarbeiter im Kontrollraum des Kraftwerks in Sewersk.
1949 befahl der sowjetische Diktator Stalin, in den Sümpfen Westsibiriens, nördlich der Stadt Tomsk, eine streng geheime Plutoniumfabrik zu errichten. Der riesige, aus vier Fabriken bestehende Komplex erhielt den Namen "Sibirisches Chemiekombinat". (Im Bild: Kontrollraum des Sibirischen Chemiekombinats.) Bildrechte: IMAGO
Mitarbeiter im Kontrollraum des Kraftwerks in Sewersk.
1949 befahl der sowjetische Diktator Stalin, in den Sümpfen Westsibiriens, nördlich der Stadt Tomsk, eine streng geheime Plutoniumfabrik zu errichten. Der riesige, aus vier Fabriken bestehende Komplex erhielt den Namen "Sibirisches Chemiekombinat". (Im Bild: Kontrollraum des Sibirischen Chemiekombinats.) Bildrechte: IMAGO
Das Rathaus am Lenin-Platz in Seversk.
Parallel zum Bau des Kombinats wurde eine Stadt für Arbeiter, Ingenieure und Wissenschaftler errichtet: Wohnhäuser, Schulen, ein Kulturpalast, Geschäfte. Die Stadt erhielt den Codenamen "Postfach Nummer 5". (Im Bild: Rathaus von Sewersk mit Lenin-Denkmal.) Bildrechte: IMAGO
Ein Denkmal am Ortseingang zu Seversk.
"Postfach Nummer 5" ist eine geschlossene Stadt. Sie ist von einem doppelten Stacheldrahtzaun umzogen, der von Soldaten streng bewacht wird. Nur eine Straße führt in die Stadt hinein. Bis 1991 war "Postfach Nummer 5" auf keiner Landkarte verzeichnet und trug nur einen Codenamen. Heute heißt sie Sewersk. Zutritt zur Stadt haben aber immer noch lediglich die Bewohner und ihre engsten Angehörigen. (Im Bild: Denkmal am Ortseingang.) Bildrechte: IMAGO
Kinder- und Jugendtheater in Seversk.
Die Sewersker durften bis Mitte der 1980er-Jahre nur zweimal im Jahr Besuch empfangen. Dafür musste ein Antrag im "Büro für Passierscheine" gestellt werden. Die Bearbeitungszeit dauerte mehrere Wochen. Auch für das Verlassen der geheimen Stadt bedurfte es einer Genehmigung. Heute darf jeder Bürger so viel Besuch empfangen, wie er mag. Anträge müssen dennoch gestellt werden. (Im Bild: Kinder- und Jugendtheater von Sewersk.) Bildrechte: IMAGO
Turbinenraum des Kraftwerks in Sewersk.
Das "Sibirische Chemiekombinat" galt bei seiner Fertigstellung Mitte der 1950er-Jahre als größter Atomkomplex der Welt. Zwischen 15.000 und 20.000 Menschen waren dort beschäftigt. Es befindet sich innerhalb des geschlossenen Bereichs, aber doch zehn Kilometer von Sewersk entfernt. (Im Bild: Sibirisches Chemiekombinat.) Bildrechte: IMAGO
Kulturpalast in Seversk.
Sewersk ist alles andere als eine düstere Stadt. Im Gegenteil: Sie ist im Stalinschen Zuckerbäckerstil errichtet worden und wirkt freundlich und hell. Es gibt Parkanlagen, große Plätze und kleine Wäldchen. (Im Bild: Kulturpalast von Sewersk) Bildrechte: IMAGO
Mitarbeiter messen die Strahlung in der radiochemischen Wiederaufbereitungsanlage Tomsk-7 in Seversk.
1993 explodierte in der Wiederaufarbeitungsanlage des "Chemischen Kombinats" ein Tank mit einer radioaktiven Lösung. 250 Kubikmeter eines radioaktiven Gas-Staub-Gemisches wurde freigesetzt, zudem eine größere Menge Plutonium. Eine 200 Quadratkilometer große radioaktive Wolke trieb tagelang über der sibirischen Steppe. Die russischen Behörden versuchten, die Katastrophe zu verheimlichen. (Im Bild: Messung radioaktiver Strahlen vor der Plutoniumfabrik 1993.) Bildrechte: IMAGO
Ein Mitarbeiter misst die Strahlung auf einem Gelände.
Die Einwohner von Sewersk erfuhren nicht, was passiert war. Den Erwachsenen wurde lediglich empfohlen, ein paar Gläser Wodka zu trinken, zur Reinigung des Körpers. Die Umgebung von Sewersk ist katastrophal verseucht. 3,5 Millionen Kubikmeter flüssige radioaktive Abfälle sind über die Jahrzehnte in die Erde verpresst worden und haben das Grundwasser verseucht. Umweltschützer beklagen, dass Atommüll in der Wiederaufarbeitungsanlage unter freiem Himmel gelagert wird. (Im Bild: Messung radioaktiver Strahlen vor der Plutoniumfabrik 1993.) Bildrechte: IMAGO
Wohnhäuser in Seversk.
In Sewersk leben heute etwas mehr als 100.000 Einwohner. Sie haben keine Wahl: Sie müssen mit der atomaren Bedrohung und der Abgeschiedenheit leben. Nur ein Gutes habe die Umzäunung ihrer Stadt, sagen manche Sewersker: Es gäbe nämlich in Sewersk so gut wie keine Kriminalität. (Im Bild: Neubauten in Sewersk.) (Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 24.11.2017, 17:45 Uhr.) Bildrechte: IMAGO
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